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HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER - Nix wie weg! (Hörspiel)

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Artist HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER
Title Nix wie weg! (Hörspiel)
Homepage HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER
Label SONYBMG
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

“Boh glaubse…” – wenn Sätze so anfangen, kann HERBERT KNEBEL nicht weit sein. Der sympathisch-knorrige Rentner aus dem Ruhrpott kennt sich aus und erklärt die Welt mit der ihm eigenen Verbalakrobatik. Dies inzwischen schon seit 18 Jahre und vor allem nicht allein. Da sind nämlich noch seine Kumpels Ozzy Ostermann (Gitarre), Ernst Pichel (Bass) und der Trainer (Drums), mit denen Herbert über Gott und die Welt palavert, Musik macht und sich zu guter Letzt auch noch ein paar Euro dazu verdient, indem sie als HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER quer durch Deutschland touren. Zehn Bühnenprogramme später heißt es für den rüstigen Vierer „Nix wie weg!“ – weg aus der Essener Bergmanns-Siedlung und von den Gattinnen, raus in die große Welt, um soziale Ungerechtigkeiten, aktuelle Gegenwartsproblematiken, große und kleine Probleme an den Pranger zu stellen. Kein Thema ist zu heiß, Tabus sind den Pensionären unbekannt und zu meckern gibt es für HERBERT KNEBEL immer was.

Beispielsweise beim „Nordic Walking“; soll keiner sagen, das AFFENTHEATER sei populären Sportarten gegenüber nicht aufgeschlossen. Allerdings hegt Herbert da noch einige Zweifel, auch wenn seine Kollegen mit Engelszungen versuchen, ihn von den Vorteilen dieser körperlichen Ertüchtigung zu überzeugen. Im gleichen Atemzug werden auch die Gefahren von Alkohol und Nikotin sowie die drohende Klimakatastrophe behandelt. Im Alter werden Krankheiten vielfach zu einem beherrschenden Thema und wenn Herbert über die „Grippewelle“ sinniert, droht zusätzlich noch Zwerchfellkatarrh. Offensichtlich schützt Alter auch nicht vor einer späten Midlife Crisis, Ernst will nämlich aus seinem bisherigen Leben aussteigen, nach Ägypten ins 5-Sterne-Hotel vielleicht, aber Ozzy und Herbert sehen das natürlich alles ganz anders. Regelrechte Prediger-Qualitäten beweist Oppa Knebel in „Religion“. Wie es Walter Zaworniak bei der gewonnenen „Abenteuer-Trophy“ erginge, vermag der König der großflächigen Hornbrille äußerst anschaulich zu vermitteln – Lachtränen garantiert! Langsam wird es Zeit für ein bisschen Musik, unerreicht die kongenialen Coverversionen des AFFENTHEATERs. „Tür an Tür mit Ellie“ basiert natürlich auf „Living Next Door To Alice“ von SMOKIE und besticht mit neuem Text und handwerklich gut gemachten Sound. Dass Ernst Pichel es nicht leicht hat, wissen wir spätestens seit „Cholesterin“ inklusive passender musikalischer Untermalung (im Original „Kokain“ von HANNES WADER). Und was ist das größte Problem bei „Bigamie“? Das dauernde Schlafen müssen! Näheres erklärt besser der Mann im beigefarbenen Sakko, der auch als seine eigene Frau hervorragend rüber kommt. Gemeinsam mit Ernst und dem Trainer geben sie in „Frauen“ ihre besseren Hälften im Cafe. Ozzy ist der coolste Kellner des Ruhrgebietes und betört die holde Weiblichkeit. „Besame mucho“ offenbart Ozzy Ostermanns feurige und leidenschaftliche Seite. Und wer ihn schon mal live und in Aktion mit seiner Gitarre gesehen hat, weiß, wovon ich spreche… „Nachwuchssorgen“ plagen Kappenträger und Kinderhasser Herbert. Oder sollten ihm die Blagen doch ans schrullige Herz gewachsen sein? Auf jeden Fall schwelgt er mal wieder in der guten alten Zeit und versucht es doch noch mal mit „Nordic Walking“ – schließlich muss die Altherren-Riege auch schon wieder los. Sind sie doch „Heute hier, morgen dort“, wie sie uns entgegenschmettern. Fast schon weg, verabschieden sie noch mal musikalisch mit „Gez und für immer“, die Melodie von „Sole Mio“ ausgeliehen sehe ich sie vor meinem geistigen Auge über die Bühne schweben, wie es nur die kauzigen Senioren „aussem“ Pott können.

Wer HERBERT KNEBEL und sein AFFENTHEATER live gesehen hat, wird sehnsüchtig auf diesen Silberling gewartet haben. Auch nach fast zwanzig Jahren hat das Quartett nichts an Spritzigkeit verloren und besticht mit überspitzter Schnodderschnauze im Ruhrpott-Slang der besonderen Art. Die Figuren, die Uwe Lyco (Herbert Knebel), Martin Breuer (Ernst Pichel), Georg Göbel (Ozzy Ostermann) und Detlef Hinze (der Trainer) geschaffen haben, sind skurrile Zeitgenossen, die immer für einen Lacher gut sind, gelegentlich der Gesellschaft aber auch auf vergnügliche Art den Spiegel vorhalten. Und zu guter Letzt sind die vier auch noch wirklich gute Musiker, die auf der Bühne voller Spielfreude agieren. Deshalb nicht verpassen, wenn die Rentner-Gang in Eure Gegend kommt!

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