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HERO DESTROYED - s/t

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Artist HERO DESTROYED
Title s/t
Homepage HERO DESTROYED
Label RELAPSE
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Musiker gelten für viele Menschen als Vorbilder. Manche vergöttern sie aufgrund ihrer Fähigkeiten an den jeweiligen Instrumenten. Für andere sind sie Helden, weil sie durch ihre wohlklingende Musik für Ablenkung, Ruhe und Entspannung sorgen. Die beiden letztgenannten Punkte treffen auf ein amerikanisches Quintett allerdings nicht zu. Unter dem Gesichtspunkt fallen sie also nicht in die Kategorie „Helden“, weshalb HERO DESTROYED als Name der Formation insofern ziemlich stimmig ist. Unter ihm musiziert man seit 2005 zusammen (trat zuvor jedoch seit 1998 als COMMIT SUICIDE auf) und veröffentlicht nun die selbstbetitelte 7-Track-Debüt-EP.

Wie eingangs erwähnt handelt es sich hierbei um alles andere als um einen CHILLOUT MOODS-Ableger. HERO DESTROYED treten mit Anlauf und lautem Krachen die Tür zum Noisecore-Genre ein, haben aber auch jeweils einen Fuß im Hardcore- und einen kleinen Zeh ins Metal-Zimmer gesetzt. Mit dieser Mischung verbreitet die Formation aus Pittsburgh bereits ab der ersten Sekunde des Openers „Cause for Cancer“ Stress pur, womit ein 22:41-minütiger nervlicher Höllentrip beginnt. Durch den Gehörgang ins Hirn gelangt, entpuppen sich die Jungs als erbarmungslose Furien. Wie ein nie an Schwung verlierender Querschläger knallt einem das kurze, wirre Riffing von Jeff und Zach an den Gnadenlos-Gitarren und Bassberseker Dustin nicht um, sondern in den Ohren! Schlagzeuger Neal erweckt den Eindruck einer Abrissbirne auf Ecstasy, die unaufhörlich gegen die Schädeldecke donnert und dabei vom immerböse-shoutenden Pat regelrecht aufgehetzt zu werden scheint. So wird einem die Rübe weichgekloppt und wer vorher dachte, dass System und Chaos nicht vereinbar sind, der wird hier eines besseren belehrt. Das Songwriting erfüllt seinen Zweck (Stress erzeugen!) völlig und ist dabei genau so ansprechend (die Songs einzeln betrachtet) wie leider auch eintönig (Gesamteindruck der EP). Der Schreigesang variiert kaum und auf der musikalischen Seite kann man bei dem wirren Klanggut eigentlich oft gar nicht mal genau sagen, ob man das eine oder andere nun schon einmal gehört hat oder nicht, so (gewollt) anstrengend wie es klingt. Aber genau so entsteht ja im Prinzip auch dieser Noise- oder Stressercore. Technisch gesehen ist bis auf die fehlende Abwechslung eigentlich nichts auszusetzen: Man metzelt sich stets druckvoll durch die Kompositionen, das Timing sitzt und das Können ist in jedem Fall da. Und selbst wenn man bemängeln würde, dass der „Gesang“ manchmal etwas im „Lärm“ untergeht, macht das in diesem Fall auch nichts, da dass wiederum zu den bezweckten Strapazen und der Überforderung des Rezipienten beitragt.

HERO DESTROYED sind der Alptraum eines jeden Reggae-Fans und machen somit bei ihrem Debüt ihre Sache wirklich gut. Noisecore wird einem mit all seinen Ecken und Kanten geboten: nette Moshphasen (z.B. in „Flashers“), Haarschüttel-Parts (beispielsweise in „Texas Hart Shot“), Beatdowns (u.a. bei „Head In the Noose“) und natürlich herrlichstes Chaos in Hülle und Fülle. Allerdings fehlt es noch an Gesamt-Varianz im Songwriting, um mit Größen wie CONVERGE oder THE RED CHORD auf einer Stufe zu stehen. Für die erste EP allerdings ist man schon ziemlich nah an dieser Stufe dran und kann somit allen Unausgelasteten und Stressliebhabern wärmstens empfohlen werden. HERO DESTROYED: auch ein zerstörter Held ist immerhin ein Held!

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