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HIDDEN ORCHESTRA - Dawn Chorus

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HIDDEN ORCHESTRA
Artist HIDDEN ORCHESTRA
Title Dawn Chorus
Homepage HIDDEN ORCHESTRA
Label TRU THOUGHTS RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Ornithologen beklagen häufig den “stummen Frühling”, also das Fehlen von Singvögeln. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich die Piepmätze ab 4.00 Uhr morgens sehr deutlich höre, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Wie ich überhaupt darauf komme? Der Produzent und Komponist Joe Acheson hat auf seinem dritten HIDDEN-ORCHESTRA-Album „Dawn Circus“ eine verschachtelte, sphärische Soundlandschaft geschaffen, die um ein Gerüst aus Vogelstimmen und anderen Naturgeräuschen aufgebaut ist. Über viele Jahre hat Acheson diese Geräusche an den verschiedensten Orten Englands und unterwegs aufgenommen. Detail- und charakterreich greifen die Momentaufnahmen mit Bass, Schlagzeug, Percussions und elektronischen Instrumenten (u.a. Piano, Harfe, Zither, türkischer Mey und Cello) ineinander und kreieren ein gefühlvolles Hörererlebnis, dass Joe als „eine Art persönliches Audio-Tagebuch, Zeitkapsel oder Memoir“ beschreibt.

Einen Vorgeschmack auf diesen besonderen Klangkosmos gab es bereits Ende 2016 mit der „Wingbeats“-EP, dessen Titeltrack seinen Rhythmus aus gesampelten Flügelschlägen bezieht. Die letzte Single heißt „Still“ und zu hören gibt es den atmosphärischen Morgengesang von Singvögeln in einem Park in Brighton, aufgenommen am internationalen Dawn Chorus Day am 01.05.2016. Begleitet werden diese natürlichen Melodien von dramatischen, beatgeladenen Melodien für die das tschechische Bläser-Quartett CLARINET FACTORY verantwortlich zeichnet. Jeder Song auf „Dawn Circus“ ist eine vertonte Ausarbeitung verschiedenster Vogel-Gesänge. So basiert der Opener „First Light“ auf dem ersten Morgengesang, den das HIDDEN-ORCHESTRA-Mastermind an einem Dezembermorgen vor acht Jahren um fünf Uhr morgens im Schnee aufnahm. Eine akustische Zeitreise unternimmt Acheson mit „Long Orchard“, denn für dieses Stück verwendete er alte Aufnahmen aus 1966, auf denen man auf dem linken Lautsprecher seinen Onkel das Piano seiner Großmutter spielen hört, den selben Part spielt Joe 15 Jahre später auf eben diesem Instrument – zu hören auf dem rechten Speaker. Ein anderer altmodischer Akzent stammt aus dem Soundarchiv der British Library: es ist eine Aufnahme eines Zaunkönigs aus dem Jahr 1947, der das Album mit „East London Street“ beendet.

All diese Elemente machen das kontemplative „Dawn Chorus“ zu einer zutiefst persönlichen Platte, die nicht nur unzählige Vogelstimmen, sondern auch ein tropfendes Abflussrohr aus Innsbruck, einen Dunstabzug in Tallinn, die wild lebenden Tiere in den Äußeren Hebriden, Besteck, Geschirr und einen zischenden Gin Tonic in Brighton zu Gehör bringen. Musikalisch zweifellos experimentell und vergleichsweise abstrakt und daher eindeutig keine leichte Kost fürs Mainstream-Publikum, sondern ein Schmankerl für Liebhaber.

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