Terrorverlag > Blog > ICONCRASH > Nude

Band Filter

ICONCRASH - Nude

VN:F [1.9.22_1171]
Iconcrush-Nude.jpg
Artist ICONCRASH
Title Nude
Homepage ICONCRASH
Label PAROLE RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.0/10 (6 Bewertungen)

Bist Du Anfang Zwanzig, kommst irgendwo aus Skandinavien, warst lange nicht beim Frisör und kennst jemanden, der Cello spielen kann? Hast Du tätowierte Unterarme und eine verträumten Blick? Dann schnapp Dir eine Gitarre, Deine Kumpels und unterschreib bitte hier.

Neben den gelackten Rickys und Enriques kann man wohl auch Björn, Gustaf oder Lauri heißen, um Mädchenherzen zum Schmelzen zu bringen. Oder eben Jaani. Er ist Sänger von ICONCRASH und vereinigt eine Menge der oben genannten Attribute. Mit „Nude“ präsentiert er mit seinen Kumpels Robert, Jani und Reko aus Helsinki 10 Stücke lang seinen ganz privaten Seelenstriptease.„…things like death, drug addiction and satanism are not the first thing on my mind any more. Girls are.” erzählt Jaani auf der Homepage. “My lyrics are like diary entries. I could write, right next to the song title, the name of the girl the song is about. And usually my friends can guess who is the girl in question.” So geht es nach einem meditativ-sphärischen Intro mit Celloklängen und leisem Knistern und Knacken als hätte man Vinyl aufgelegt, mit ordentlichen Drums und krachenden Gitarren gleich dem ersten Mädel an den Kragen. „Ocean“ lädt mit endlos tröpfelndem Synthi-Thema zum Baden in Selbstmitleid ein. Die Single „The lovers“ wie auch „The knife“ sind zwar von härterer Gangart, ziehen jedoch ohne greifbare Hookline an mir vorbei. „4“ – ein Pulsschlag, Blut rauscht durch die Ohren, Klaviertöne mit viel Hall, alles sehr dramatisch. „Swanlike“, mein Favorit, romantisch, sehnsuchtsvoll mit langen Instrumentalpassagen, lässt einen nach jemandem zum Knutschen Ausschau halten und dafür hat man dann satte sieben-einhalb Minuten Zeit. Ebenso schön das fast 10 minütige „Concordia“ in verträumter Monotonie. Für mich liegen die Stärken dieser Scheibe immer da, wo nicht auf Radiokompatibilität geschielt wurde. Vielleicht bin ich im Moment einfach zu gut drauf – generell gefällt mir die Musik besser als der Gesang. Jaanis Stimme ist streckenweise verdammt knatschig und („Her violence“ schießt da den Vogel ab) manchmal so schmachtend-kitschig, dass es aus dem CD-Player trieft.

Aber wer KEANE oder COLDPLAY mag, oder wen gerade die große Sehnsucht quält, wer zu den Verlassenen oder Verschmähten gehört, darf hier ungestört eine knappe Stunde in die Wolken starren und über den Sinn des Lebens nachdenken.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu ICONCRASH