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ILLDISPOSED - 1-800 Vindication

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Illdisposed-1800-Vindication.jpg
Artist ILLDISPOSED
Title 1-800 Vindication
Homepage ILLDISPOSED
Label ROADRUNNER RECORDS
Veröffentlichung 04.10.2004
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Wie einfach die Dinge bei ILLDISPOSED geworden sind! Früher trugen ihre Alben noch leicht hornbrillige Titel wie “Return from Tomorrow – Attitudes and long term adjustments of patients surviving cardiac arrest”, ihr Schlagzeuger spielte auf Konzerten komplett nackt und Gitarist Lasse Bak bewarf Ordnungshüter bei einem Fußballspiel mit einem randvoll gefüllten Eimer Pisse. In den frühen Tagen, das darf man in der Rückschau wohl gefahrlos behaupten, lag der Band offensichtlich mehr an dem Abbau aufgestauter Energie als an Aufbau gut abgestimmter Kompositionen. Im riesigen Suppenkessel grauer Deathmetalmäuschen fiel man jedenfalls nicht weiter auf und von einem eigenen Profil konnte keine Rede sein. So verlor man den ganz schnell ergatterten Vertrag bei Nuclear Blast auch ganz schnell wieder und durfte von vorne anfangen.

Erst der musikalische Richtungswechsel in Richtung Melodie und Struktur und ein Zufall brachten den Umschwung: Dank ihrer tragenden Rolle in der äußerst erfolgreichen Dokumentation „Headbang“ über die dänische Metallandschaft gewann der Name ILLDISPOSED wieder an Bedeutung – dabei lag dem Quintett nichts ferner als Patriotismus und trug eines ihrer Alben noch den Titel „There’s something rotten in the State of Denmark“. Dass nun im Titel ihres aktuellen Opus das Wort Vindication (Rehabilitation) fällt, liegt somit zum einen an der Tatsache, dass mit der besiegelten Partnerschaft mit Roadrunner der Karren wieder in einem angesehenen Stall untergebracht werden konnte. Darüber hinaus will man der Öffentlichkeit beweisen, dass es sich bei dem nach eigenen Angaben eher enttäuschenden vorangegangenen Werk „Kokaiinum“ um einen einmaligen Ausrutscher handelt. Es ist ihnen dabei hoch anzurechnen, dass man sich dabei weder auf das englische Traditionslabel, noch auf Gastbeiträge namhafter Kollegen, sondern ausschließlich auf die eigene Kraft verließ. Auch Produzent Ziggy hat zwar für einen ungemein druckvollen und frischen Sound gesorgt, sieht seine Hauptaufgabe aber nicht in Wunderheilungen oder Spektakel, sondern lässt die Musik sich aufs Wesentliche besinnen. Selbst elektronische Breaks und Verzierungen (ILLDISPOSED selbst sprechen von Techno-Elementen) dienen lediglich dazu, die Gleitfähigkeit zu erhöhen und den Luftwiderstand zu senken. „1-800 Vindication“ hat damit die erste und wichtigste Regel des Genres erkannt: In den Händen begnadeter Instrumentalisten ist melodiöser, modernen Death-Thrash eine mächtige Waffe und braucht keine schicke Unform, um auf dem Schlachtfeld zu glänzen. So müssen die Jungs wenig mehr tun, als verdammt eng zusammenzuspielen, ihre Songs in flüssige und schlüssige Arrangements zu gießen und ansonsten Frontmann Bo Summer viel Freiraum zur persönlichen Entfaltung geben. Der verfügt über ein furchteinflößendes Organ, doch eine faule Ader: Seine Staccato-Grunts wirken ein wenig wie CLAWFINGER in Zeitlupe, dafür entfalten auch die gesungenen Stellen Kraft und kühle Klarheit. Entscheidend ist bei derartigen Angelegenheiten selbstverständlich das Songmaterial, doch auch auf diesem Gebiet lässt man wenig anbrennen. Der Opener „I believe in me“ bricht mit geballter Riff-Gewalt gebündelt im butterweichen Harmonie-Korsett über den Hörer herein, „Now we’re history“ vermittelt die Intimität des Emo-Core mit der Militanz des Metal und „No more time“ ist ein schön stumpfer Stampfer, der nur eine Richtung kennt: vorwärts. Während man sich nicht vor einem gewissen Pop-Appeal fürchtet, kommen auch die harten Wesenszüge zur Geltung: Bei „Jeff“ rasen die HiHats wie Rotorblätter im gekrümmten Raum und ballert eine Double Bass, die selbst einem Ben Johnson auf Steroiden davonliefe.

Totalausfälle gibt es keine, auch wenn das Niveau der übrigen Tracks deutlich abfällt. Gerade die Seitenhiebe auf puristischen Thrash wirken etwas gefällig und uninspiriert und auf Beiträge zum Thema „Nu Metal“ (In Search of Souls“) hätte man auch besser verzichtet. Doch bleibt unter dem Strich ein Album, das den Status der Gruppe als unverzichtbare Kraft im dänischen Musikbetrieb zementiert und ihren Ruf weit über die alte Fanbasis hinaus tragen dürfte. Dieser kleine Schritt könnte sich schon bald als ein sehr großer erweisen.

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Illdisposed '1-800 Vindication' Tracklist
1. Believe In Me Button MP3 bestellen
2. Dark Button MP3 bestellen
3. Now We're History Button MP3 bestellen
4. When You Scream Button MP3 bestellen
5. Jeff Button MP3 bestellen
6. In Search Of Souls Button MP3 bestellen
7. Still Sane Button MP3 bestellen
8. You Against The World Button MP3 bestellen
9. No More Time Button MP3 bestellen
10. The Final Step Button MP3 bestellen
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