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IN GOWAN RING - Exists and Entrances

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Artist IN GOWAN RING
Title Exists and Entrances
Homepage IN GOWAN RING
Label AHNSTERN
Veröffentlichung 12.02.2007
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

IN GOWAN RING, das Folk-Projekt des ursprünglich aus der Mormonenstadt Salt Lake City stammenden B’EIRTH, wurde einst auch von WORLD SERPENT vertrieben. Dies hat IN GOWAN RING in Kontakt mit der Neofolk-Szene gebracht, obwohl B’EIRTH, der als Tramp quer durch die USA reist, ästhetisch und inhaltlich niemals auf Tarn, offensichtlich neopagane Ideen oder Magick setzte. B’EIRTH ist vielmehr als Musiker ein direkter Nachfolger anderer nordamerikanischer Weirdos wie TOM RAPP (PEARLS BEFORE SWINE) oder RANDY BURNS, die sich Anfang der Siebziger wie so viele andere auch die englischen Psych-Folker THE INCREDIBLE STRING BAND zum Vorbild nahmen. Musikalisch aktiv ist IN GOWAN RING mit diesem Stil schon seit den frühen Neunziger Jahren. Und – das muss mal gesagt werden – er war damit seiner Zeit weit voraus. Über die gesamten Neunziger Jahre sah ja eigentlich die Folk-Landschaft, zumindest bei denjenigen Interpreten, die auf Eigenkompositionen und nicht überwiegend auf Traditionals oder subkulturelle Neofolk-Codes setzten, recht überschaubar aus. Klar, es gab die Szene um PTOLEMAIC TERRASCOPE, es gab CURRENT 93, unbekannte, unentwegte Geheimtipps wie die deutschen FIT & LIMO oder die Amis MOURNING CLOAK, und es gab eben IN GOWAN RING. Erst um das Jahr 2000 herum folgte die große Folk-Explosion, die mit all ihren „New Weird America“-Folgeerscheinungen unvermindert anhält und erfolgreich ist. CURRENT 93 wurde im Anschluss von einigen Musikjournalisten zu recht als Vater der abermaligen Folk-Wiederbelebung ausgemacht. Im Zuge des Revivals sahen sich Folkperlen wie VASHTI BUNYANs „Just Another Diamond Day“ oder SIMON FINNs „Pass The Distance“ erneut im Brennpunkt des Interesses, obwohl sie schon vor über dreißig Jahren veröffentlicht wurden. IN GOWAN RING konnten von dieser Begeisterungswelle nicht wirklich profitieren, was nicht heißt, dass B’EIRTHs Musik völlig unbekannt ist, er hat sicher treue Anhänger sowohl in der Neofolk- als auch in der Weird-Folk-Bewegung, aber im Vergleich zu so jemandem wie DEVENDRA BANHART ist sein Bekanntheitsgrad beschämend gering. Im Gegensatz zu vielen Kollegen wurde B’EIRTH auch nie besonders von DAVID TIBET (CURRENT 93) protegiert, vielleicht ist TIBET die Ähnlichkeit zu dem, was er evozieren möchte, zu groß, obwohl ja nun B’EIRTHs Privatkosmos um ein vielfaches bescheidener daher kommt. Von B’EIRTH kennt man die religiösen oder literarischen Vorlieben gar nicht, während man sich vor DAVID TIBETs Privatobsessionen kaum retten kann.

Jetzt, nachdem B’EIRTH den IN GOWAN RING-Namen mehr oder weniger abgestreift zu haben scheint, zuletzt veröffentlichte er als BIRCH BOOK oder schlicht als B’EIRTH, wurde über AHNSTERN die Doppel-CD „Exists and Entrances“ veröffentlicht, welche die besten Stücke von vier zwischen 2002/2003 mehr oder weniger privat verteilten CD-Rs (Die „Equinox“-Reihe, die schon damals mit “Exists and Entrances 1-4″ betitelt war) präsentiert. Das Ganze wurde dann auch klangtechnisch nochmals aufbereitet von AXEL FRANK (WERKRAUM). Es handelt sich hier um eine bunt zusammengewürfelte Sammlung von Coverversionen, Traditionals und spontanen Live-Sessions, die zwischen 1994 und 2003 entstanden sind, teilweise unter Mitwirkung von ANNABEL LEE, MICHAEL MOYNIHAN (BLOOD AXIS), MARGIE WIENK (FERN KNIGHT), BRIAN CASTILLO (JARBOE) und MARKUS WOLFF (WALDTEUFEL) u.a.

Im Kontext der bisherigen Discographie kann man nun zu dem Urteil kommen, „Exists and Entrances“ sei für IN GOWAN RING das, was „Emblems: The Menstrual Years“ (1993) für CURRENT 93 war, d.h. eine Veröffentlichung, die lohnenswert genug ist, um nicht nur für Komplettisten geeignet zu sein, aber doch zu eklektisch, um sie denjenigen, die sich mit IN GOWAN RING noch nicht allzu viel beschäftigt haben, als Einstieg zu empfehlen. In diesem Sinne eigentlich kein gut gewählter Albumtitel.

Besonders interessant sind die zahlreichen Coverversionen, obwohl sie meist nur recht unspektakulär nachgespielt werden, mit dabei solche von MIKE HERON und ROGER WILLIAMSON (THE INCREDIBLE STRING BAND), PSYCHIC TV („Just Like Arcadia“), THE STRAWBS, VASHTI BUNYAN, NICK DRAKE („Way To Blue“), LEGENDARY PINK DOTS, 17 PYGMIES, FRED NEIL und ROD McKUEN. Großartig geworden ist z.B. die PINK DOTS-Coverversion „I Have a Friend“, die sogar ziemlich nach den TIGER LILLIES klingt und FRED NEILs „Everybodies Talkin’“, welches hier aber „Where The Sun Keeps Shinin’“ heißt. Der Song wurde bereits 1969 von HARRY NILSSON gecovert und ist in dieser Version sehr bekannt geworden, weil er das musikalisch bestimmende Thema des Kultfilms „Midnight Cowboy“ (mit DUSTIN HOFFMAN) war und später auch im Soundtrack von „Forrest Gump“ (1994) Verwendung fand. Wirklich bewegend auch die Interpretation von ROD McKUENs “The Wind Of Change”. An Traditionals wird u.a. das ewig unvermeidliche „Lil Sir John“ (Barleycorn) geboten und das auch gelungen.

Nun muss natürlich noch betont werden, dass einige wenige Stücke schon eher Füllmaterial sind und mehr zum „Skippen“ als zum Zuhören einladen, aber es wäre sinnlos, dem Album daraus ein Strick zu drehen, denn auf gewisse Weise hat ja die gesamte Doppel-CD den bewussten Charakter eines Lückenfüllers. „Füllmaterial“ bedeutet auch nicht, dass die Folklieder nerven oder schlecht wären, es sind aber eben oft spontane Sessions, die nicht sehr im gewohnten IN GOWAN RING-Sinne mit betörend sinnlichem Folk unter die Haut gehen, sondern oftmals eher einen witzig-experimentellen Charakter haben. Exemplarisch ließe sich hier das Traditional „The Black One“ anführen, in dem B’EIRTH, MICHAEL MOYNIHAN, ANNABEL LEE und MARKUS WOLFF das Fauchen und Miauen von Katzen imitieren. Das hätte ich mal gerne live und in Farbe verfolgt, aber im CD-Spieler muss das eigentlich nicht sein. Auf “Icarus” (17 PYGMIES) scheint mir, entgegen der Information in den Credits, nicht B’EIRTH und nicht ein LINCOLN LYSANGER, sondern ein MICHAEL MOYNIHAN zu singen, obwohl er da auch nicht als Musiker aufgeführt wird, aber die Stimme….? doch ich weiß es nicht und es ist auch echt wurscht. Die Folklieder sind oft live aufgenommen (unter freiem Himmel?), was Neben-und Naturgeräusche beinhaltet, und besitzen ein sehr folkiges, spontanes und uriges Flair.

Fazit: Für die DJ-Playlist findet sich auf „Exists and Entrances“ kaum etwas. Diese Doppel-CD-Zusammenstellung erfüllt jedoch genau den Zweck B’EIRTH und Freunde sozusagen beim Proben zuzuhören und ist ein freudespendendes Geschenk für IN GOWAN RING-Liebhaber. Beachtet man all dies, kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand nach der Anschaffung ernstlich enttäuscht ist. Eine Anmerkung: Die wenigen, die die vier ursprünglichen CD-Rs besitzen, brauchen dieses Doppelalbum natürlich nicht, sie können sich auch darüber freuen, dass hier nicht das gesamte Material der CD-Rs wiederveröffentlicht wurde.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung von www.nonpop.de

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Joan Baez 'Exists and Entrances' Tracklist
1. The lily of the west
2. Love song to a stranger
3. Sweet Sir Galahad
4. And the band played "Waltzing Matilda"
5. Willie Moore
6. Swallow song
7. Don't make promises
8. Jesse
9. Ring them bells
10. Welcome me
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