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INA MÜLLER - Das Wär Dein Lied Gewesen

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Artist INA MÜLLER
Title Das Wär Dein Lied Gewesen
Homepage INA MÜLLER
Label 105 MUSIC/ SONY
Veröffentlichung 18.02.2011
Leserbewertung
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7.8/10 (16 Bewertungen)

“Unser” aller Ina ist wieder da… Nachdem sich der Vorgänger “Liebe Macht Taub” wie geschnitten Franzbrötchen verkauft, “Inas Nacht” endlich die wohlverdienten Lorbeeren geerntet hat und jeder Veranstaltungsort zwischen Ostfriesland und Tirol ausverkauft wurde, schleicht sich mit „Das Wär Dein Lied Gewesen“ das dritte hochdeutsche Album an die darbende Hörerschaft.

Um die Kritik gleich auf oberflächlichem Gala-Niveau zu eröffnen, konstatieren wir umgehend: Die alte Frisur stand Frau Müller besser! Musikalisch bleibt jedoch alles beim Alten. Balladeskes und Beschwingteres hält sich die Waage, leichte Country-Einflüsse schmusen mit poppigen Arrangements und die warme Produktion hält alles zusammen. Die wichtigsten musikalischen Mitstreiter sind weiterhin an Bord und so ist dieser Hinsicht alles im Lack. Dennoch zündet dieses Mal nicht alles beim ersten, einiges auch nicht beim zweiten oder dritten Mal. Zum größten Teil liegt das an den weniger gelungenen Texten, die ein wenig bemüht wirken und die Leichtigkeit eines „Maxi-Cosi“ oder „Mark“ vermissen lassen. Der misslungene Reggae von „Paparazzia“ wird durch Zeilen wie: „Niemals hat sie, niemals hat sie, Paparazzi. Mach doch mal eine Paparazzia, hier bei mir (ahhhh)“ leider auch nicht viel besser. Das OASIS Rip-Off „Brittpopp“ ist textlich auch eher unter „belanglos“ einzuordnen, da die Idee irgendwie nicht auf den Punkt gebracht wurde. Zudem wird die Hauptzielgruppe über 40 kaum zu OASIS auf Stadtfesten gerockt haben… Diese wird aber sicherlich an „Mit Mitte 20“ ihre Freude haben („Mit Mitte 20 sind die Jungs noch süß, sind nicht so ranzig, so feist und fies…“). Ina selbst hat sich diesen „Traum“ mit Johannes Oerding ja selbst erfüllt, schließlich ist dieser ja auch erst 28 (Gala-Info zum zweiten!). „Handtaschen“ und „Podkarsten“ (noch mal Pseudo-Reggae garniert mit „We Didn’t Start The Fire“–Gedenk-Refrain) wollen auch irgendwie lustig sein, schaffen dies aber nur bedingt. Apropos „Gedenk-Refrain“: Zitiert wird viel! „Die Nummer“ „glänzt“ mit einem originalen THE CURE-Part, der textlich ebenfalls fehlschlägt („Die einzige Nummer, die ich mir heute merken kann, ist die gestern mit dir…), während „Ja, Ich Will“ die Backings von EN VOGUE wieder aufleben lässt.

Aber kommen wir zu den Gewinnern, die dieses Mal wieder zu den Balladen zählen. Inas liebste Art der Vergangenheitsbewältigung, auf dessen Terrain sie sich am sichersten bewegt, wie sie im liebevoll-chaotischen Interview zum letzten Album dem Rezensenten gegenüber verlauten ließ. Sei es der Titeltrack, „Fremdgehen“ oder „Wenn Du Das Erträgst“, hier zeigt INA MÜLLER ihr wahres Können und ihren größten Trumpf: ihre liebevolle, leicht verletzte, Lebenserfahrene Stimme, die jenseits aller Altersklassen für feuchte Augen sorgt. Hier wird auch textlich weniger plakativ agiert, sodass sich jeder zwischen 14 und 114 angesprochen fühlen sollte. Ach was soll’s, ein Blick auf das Backcover und alles ist sowieso wieder gut: Ina steht augenscheinlich im Hamburger Plattenladen „Zardoz“ und hält einen Stapel Schallplatten in der Hand, während ein SONIC YOUTH-Poster im Hintergrund prangt. Würde dieses Bild doch mehr mit dem Inhalt des Albums korrelieren, welch euphorischen Worte würden hier fallen!

Das „verflixte dritte Album“-Syndrom scheint also wieder einmal zugeschlagen zu haben. „Das Wär Dein Lied Gewesen“ ist weniger packend als der Vorgänger, wenn auch stellenweise natürlich durchaus gelungen. Irgendwie hätte man sich ein wenig mehr Zeit lassen sollen, um besseres Songmaterial zu sammeln, denn dieses verfügt zumeist nicht über eine Hook, die sich umgehend in das Hirn festsetzt, oder einem beim wiederholten Hören immer noch schmunzeln lässt. Als Appetizer für die kommende Tour sicherlich erwerbenswert, die großen Nummern kommen aber weiterhin von den vorherigen Alben. Aber was in diesen kargen Zeiten einmal gesagt werden muss: 105 Music haben wieder einmal ein wunderschönes Promo-Package geschmiedet, das die normale Ausgabe sicherlich wieder übertrumpfen wird. So macht Musikhören und darüber schreiben Spaß, eine Sache, die mittlerweile von fast allen Labels als nicht notwendig angesehen wird. Hier wird Musik nicht nur als Produkt gehandhabt, dafür einen Extrapunkt für Ina!

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Ina Müller 'Das Wär Dein Lied Gewesen' Tracklist
1. Das Wär Dein Lied Gewesen
2. Die Nummer
3. Ja Ich Will
4. Fast Drüber Weg
5. Paparazzia
6. Mit Mitte 20
7. Gleichberechtigung
8. Gar Nichts Gepeilt
9. Brittpop
10. Handtaschen
11. Fremdgehen
12. Podkarsten
13. Wenn Du Das Erträgst
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