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INA MÜLLER - Ich bin die

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ina-mueller
Artist INA MÜLLER
Title Ich bin die
Homepage INA MÜLLER
Label SONY
Leserbewertung
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8.0/10 (2 Bewertungen)

INA MÜLLER ist ein Phänomen, das weiß natürlich auch ihre Plattenfirma, die sogar eine Studie in Auftrag gegeben hat, ob Männer ihre Musik eigentlich auch mögen oder nur wegen des häuslichen Friedens tolerieren. Und siehe da: Die Herren lieben Ina genauso wie die Damen, sie sei wie Champagner mit Currywurst, heißt es durchaus zutreffend. Keine Angst vor der 51-jährigen mit der großen Klappe? Na, der eine oder andere wäre mit dem Energiebündel, das erst mit über 40 auf die große Showbühne wechselte, zweifellos überfordert, aber die Müllerin ist ja auch in festen Händen. Garantiert beneiden nicht wenige der weiblichen Fans Frau Müller um ihren 16 Jahre jüngeren Freund JOHANNES OERDING, der im Übrigen bei einem Großteil der Songs auf dem neuen Silberling als Komponist mit von der Partie war.

Etwa beim eröffnenden Titeltrack „Ich bin die“, der als zart instrumentierte Ballade daherkommt und INA MÜLLER Gelegenheit gibt, auch mal zuzugeben, das sie gern zu laut und zu spät ist und einem zudem ganz schön auf die Nerven gehen kann. Gleichzeitig ist das Lied auch eine Liebeserklärung an denjenigen, der sie als einziger zum Schweigen bringen kann. Weiter geht’s mit dem countryesk beschwingten „Das war’s“, bevor mit „Tag eins nach Tag aus“ wieder leise Töne angesagt sind. Mit über 50 werden langsam Krankheiten zum beherrschenden Gesprächsthema: „Immer eine mehr wie Du“ spielt mit viel Verve Invaliden-Quartett – so schlimm kann das Älterwerden also gar nicht werden! Oder doch? „Wenn Du jetzt aufstehst“ erzählt gut gelaunt die Geschichte einer Bahnfahrt, während der ein junger Mann überlegt, ob man ihr wohl schon ob ihrer Gebrechlichkeit einen Platz anbieten muss. Wie die Story ausgeht? Anders als erwartet! Zu den stillen Höhepunkten der Platte gehören die Piano-Nummern „Klammerblues“ und „Wie Du wohl wärst“, ehe „Zahlen, bitte“ den sentimentalen Faden aufnimmt und der Rückschau aufs eigene Leben eine schmissige Note mit viel Wortwitz verleiht. „Bei jeder Liebe“ schließt sich mit sanften Melodien an, wohingegen „Zimmer 410“ Temperament und Tanzbarkeit beweist. Nicht minder schwungvoll: „Kommando heulen“; worauf mit dem sympathischen „Dorf bleibt Dorf“ der bäuerlichen Jugend im beschaulichen Köhlen bei Cuxhaven gedacht wird. Übrigens ist THEES UHLMANN nur etwa 30 Kilometer entfernt aufgewachsen und von Thees hat sich Ina womöglich den Satz „Du kriegst die Leute aus dem Dorf, das Dorf nicht aus den Leuten“ in leicht abgewandelter Form ausgeliehen. Emotionaler Höhepunkt des Longplayers ist für mich das Duett „Sowas wie Glück“, mit dem das Album großartig endet.

Die 13 neuen Stücke auf „Ich bin die“ bilden abermals den gesamten INA-MÜLLER-Kosmos ab. Sowohl textlich (wofür die Sängerin in bewährter Manier mit Frank Ramond zusammengearbeitet hat) als auch musikalisch. Die stilistische Bandbreite umfasst Pop, Rock, Chanson und Country und die schlaflosen Nächte, die sich JOHANNES OERDING und INA MÜLLER am Küchentisch um die Ohren geschlagen haben, um die Songs entstehen lassen, haben sich unbedingt gelohnt. Erstmals wird es die Veröffentlichung auch als auf 1.000 Stück limitierte Vinyl-Version mit zwei LPs geben. Außerdem gibt es neben der Standard-CD auch eine Premium-Variante mit einer Bonus-CD zu kaufen, die zehn Duette aus „Inas Nacht“ enthält. Wären noch die 60 Live-Termine 2017 und 2018 zu erwähnen, die bereits anberaumt und teilweise auch schon ausverkauft sind.

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