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JÄGERBLUT - 1896 – 1906

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Artist JÄGERBLUT
Title 1896 – 1906
Homepage JÄGERBLUT
Label UMB KOLLEKTIF
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

„Blut Blut, Räuber saufen Jägerblut…“ – nein das war irgendwie eine andere Band. Auf diesem äußerst stilvoll verpackten Tonträger gibt sich das bajuwarische Quartett Knilpert/ Pasquier/ Nagual/ Tonal erstmals die Ehre über die volle Distanz. Zusammen lassen sie unter dem Banner JÄGERBLUT süddeutsche Tradition durch den heimischen Äther fließen, angereichert mit einigen modernen Elementen. Das UMB Kollektif gleichsam als Kommune 1 deutscher Experimentalmusik zu bezeichnen, wäre wohl etwas verwegen, dennoch werden und wurden in immer neuen Kollaborationen interessante musikalische Arbeiten erstellt. So kennt man K & P natürlich als THOROFON, während TONAL Y NAGUAL gerade gleichfalls ein neues Werk vorlegen. Von Geneviéves Soloerfolgen ganz zu schweigen. Die „spaßeshalber“ um ein Jahrhundert zurückverlegte Projekthistorie beginnt mit der Gründung durch Julius Gospodard im Jahre 1996, der heuer nur mehr als Gast auftritt. Doch die Erben machen ihre Sache mit der Unterstützung von Gastmusikern ganz ausgezeichnet!

Anstelle durchweg mit stumpfem Uftata zu nerven, was bisweilen – siehe Split mit STURMPERCHT – ganz unterhaltsam sein kann, werden Mythen und Sagen in teils sakrale, teils unheimliche, teils melancholische Formen gegossen. Das erinnert zu Beginn ein wenig an spannungsgeladene Italo Western Soundtracks und erreicht recht schnell mit der Neofolk Ballade „Hunting“ einen ersten Höhepunkt. Akustikgitarren und der leicht verhallte Gesang (es wurde in einer Kirche aufgenommen) sorgen für sehr angenehme Mitwipp-Atmosphäre. Atmosphäre ist sowieso DAS Schlagwort vorliegender Veröffentlichung, anstelle auf klischeetriefende Bierseligkeit zu setzen, werden Schönheit und Rauheit der Natur in elegische Bilder verpackt. In diesem Zusammenhang sei auch auf die wunderbaren Illustrationen im Booklet hingewiesen, die perfekt auf den jeweiligen Titel einstimmen. Von denen gibt es immerhin 19, wobei man auch vor Ambient („Da Wildschütz“) oder liturgischen Klängen („Dornwald“) nicht zurückschreckt.

Wo ich sonst sowohl Jagdsport wie auch Bundesland eher abgeneigt bin, kann ich meine Begeisterung für 10 Jahre wild loderndes JÄGERBLUT nicht verhehlen. Eine musikalisch erstaunlich offene, konzeptionell aber in sich geschlossene Ode an das Urwüchsige sollte bei Anhängern von STURMPERCHT bis ELLI RIEHL akutes Jagdfieber auslösen!

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