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JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE - Kaputte nackte Affen

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Artist JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE
Title Kaputte nackte Affen
Homepage JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE
Label UNUNDEUX
Veröffentlichung 28.01.2011
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Es hat sich ausgegrindet: nach einem guten Dutzend Jahre Wut-Exzess am Hebel der politischen Daumenschraube und gefühlten 534 Veröffentlichungen hüpfen die JAPANISCHEN KAMPFHÖRSPIELE ins Grab! Laut Sänger Bonny ließ das stramme Kontingent die Luft nun endgültig aus dem rabenschwarzen Schlauchboot der Krefelder Extremos entweichen, was verständlicherweise zu der schon letztes Jahr besiegelten Auflösung führte. Obwohl erwartungsgemäß kein großer Wirbel gemacht wurde, hätten sich die JAKAs in Anbetracht des eigenen Kultstatus, den man nun ja doch mittlerweile genießt, einen stillen Abgang nicht leisten können. Ein letztes Mal wurde daher alles an Zeit und Kraft in das offizielle „Deunion Album“ investiert.

„Kaputte nackte Affen“ lautet das Fazit aus Krefeld, begleitet von einer ganzen Dreiviertelstunde Untergangsspaß. Mit allen gezogenen Registern ver- und zerstört das Bollwerk auf eine Weise, die gewohnt fernab von Vernunft und Konventionen kometenhaft auf die von Sittenverfall und Selbstzerstörungstendenzen geplagte Menschheit niederregnet und unterzieht sie einer äußerst schmerzhaften Totalrasur. Musikalisch bleibt man dabei natürlich völlig Haarkompatibel, wenngleich das vertrackte Handgemenge apokalyptischer Klänge, von Haus aus als „Endzeitstimmungspunk“ bezeichnet, eine durchgängige Rotation des Hauptes schwer möglich macht. Trotz relativ ausgeglichenem Verhältnis zwischen kurzen und (halb-)langen Stücken entrüstet die geplant wirre Struktur der Scheibe auch völlig unvoreingenommene Hörer auf ganzer Länge. Schlecht für „die Krone der Schöpfung“: gerade mal 90 Sekunden kann sie am ihr servierten Groove-Schinken lecken, bevor der Titeltrack mit seinen vor Schweiß triefenden Punk-Pranken panisch nach ihr greift und den kahl rasierten Schädel wiederholt gegen die Wand schlägt. Mit „Grillanzünder“ auf den Reifen (so der Text) und der „Cruise Missile“ im Anschlag treibt es brutal verschleimter Hardcore sogar noch bunter, während „Mach dich fit für den Bikini“ wieder wüsten Techniker-Deathgrind aus den Rohren prustet. Die von den JAKAs selbst erwähnte und bestätigte progressive Seite spitzt sich in knüppeldicken Schweinerock bei „Statuspanik“ und dem völlig abgedrehten „Bravohotelcrazyhorse“ zu. Hier schwingen nostalgische Wüstengitarren zu jazzigem Schlagzeug Hand in Hand mit einem dröhnenden Störsignal-Bass und gelegentlichen Ausrastern durch die kühlen Hallen der Krefelder Fleischerei. Für direktere Zeitgenossen fällt mit „Was wenn?“ auch noch eine verhältnismäßig eingängige Punkhymne ab, die, hätte die Band noch eine Zukunft, sicherlich zum Dauerbrenner aufgestiegen wäre. Somit lässt sich aber trotzdem der Fakt, dass es sich um die dank thematisch wohl integrierter Samples und fließender Übergänge vom Sängerdoppel ungehemmt in Szene gesetzte letzte Abrechnung mit der menschlichen Rasse handelt, noch mit einem halbwegs trockenen Auge verkraften, dürfte man als Anhänger doch an dieser lyrisch und musikalisch wiederholt herrlichen Ausschlachtung wenig zu meckern haben. Selbst die Produktion der von Metaltycoon Jacob Bredahl abgemischten Platte klingt ein Stück weit aufpolierter als beispielsweise noch auf dem Vorgänger. Ihren Charakter verliert sie dadurch jedoch nicht… trotz weitreichender Kritik an der Konsumgesellschaft dürfen sich auch die JAPANISCHEN KAMPFHÖRSPIELE fürs letzte Album mal was gönnen.

Ein wenig bedaure ich es nun schon, erst so spät auf die JAKAs gekommen zu sein. Aber Tristesse hin oder her: hier liegt ein überordentliches Album vor (ob es mit vergangenen Sternstunden direkt vergleichbar ist, wage ich hier nicht zu beurteilen), das als Abschiedsplatte natürlich auch einen retrospektiven Zug annimmt und daher von den Käufern einfach nochmal genüsslich konsumiert werden sollte. Wer sitzt nicht gerne auf Papa Grindcores Schoß und hört sich beängstigend psychotische Geschichten von Damals und Heute an? In diesem Sinne: danke und auf Wiedersehen!

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Japanische Kampfhörspiele 'Kaputte nackte Affen' Tracklist
1. Die Krone Der Schöpfung
2. Kaputte Nackte Affen
3. Alter Trick
4. Grillanzünder
5. Was Wenn?
6. Cruise Missile
7. Maschinen Sprengen
8. Homeentertainment
9. Mach Dich Fit Für Den Bikini
10. Statuspanik
11. Reset
12. Ich Kriege Ärger
13. Primaten
14. Der Homo Sapiens
15. Bravohotelcrazyhorse
16. Ein Blutiger Vormittag
17. Näschen Aus Papier
18. Wenn Die Menschen Einmal Nicht Mehr Sind
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