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JOACHIM WITT - Pop

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Artist JOACHIM WITT
Title Pop
Homepage JOACHIM WITT
Label VENTIL/ SPV
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

WITT wird von jeher von Fans und Kritik kontrovers beurteilt. Unbestritten ist eigentlich nur sein „Goldener Reiter“, zu dem sich Hippies bis Popper gleichermaßen vergnügen können. Dann wurde es still um den Künstler, bis er mit „Die Flut“ ein unglaubliches Comeback hinlegte. Doch „Eisenherz“, sein vorletztes Album, konnte sowohl künstlerisch wie auch wirtschaftlich keine Bäume ausreißen. Zu sehr hatte man das Gefühl, dass Joachim nicht mehr wusste, wohin er wollte und demnach einiges halbherzig auf dieser Scheibe klang. Mir persönlich gefiel sein Statement zur sicherlich ungehörigen CD-Kopiererei nicht besonders, „am besten den Leuten wird durch den Kopierschutz gleich der ganze Rechner zerstört“, soll er sinngemäß von sich gegeben haben. Egal, sein Bandscheibenschaden ist behoben und mit neuer CD und neuem Indielabel im Rücken wagt er wieder eine Art Neustart, mit leicht irritierendem Namen…

„Pop“ ist es also, was er nun machen möchte und er meint das eigentlich schon ernst, zumindest klingt ein Grossteil der Lieder so. Eigentlich war er ja schon immer irgendwie „Pop“, natürlich nicht im Sinne eines Robbie Williams, aber wenn man „populär“ mit „ehrgeizig“ ergänzt, liegt man schon richtig, WITT will schließlich auch leben. Ein schönes Digipack verhüllt die Silberscheibe, während sich „Jochen“ wie eine Spätausgabe von Sven Väth auf den Fotos präsentiert. Mit „Krieger des Lichts“ geht es dann grandios los, ein extrem einprägsamer Refrain, zart schmelzend und dennoch von E-Gitarren unterlegt erinnert an UNHEILIG in der „Light-Version“. „Light“, weil die Produktion nicht mithalten kann, vielleicht fehlte hier doch das Major-Geld oder man nennt es eben wieder einfach poppig… In den Metal-Postillen wurde das Werk unisono verrissen, aber das war klar: Die Texte könnten im Brockhaus unter dem Stichwort „pathetisch“ zu finden sein, sogar noch weit vor manch „klassischer“ Grufti-Truppe! Und richtig singen kann WITT auch nicht, aber auch das ist keine neue Erkenntnis. Ob er nun haucht, schreit oder die Sprechstimme auspackt, man muss einfach ein Faible für „Kitsch“ haben (so hätte man das Album natürlich auch nennen können!). Für die, die das akzeptieren, ist die neue Scheibe definitiv eine Offenbarung und deutlich stärker als die vorangegangenen 2 Releases. Denn hier macht jemand genau das, was er immer wollte! In diesem Kontext funktioniert auch eine gebremste Cover Version von ALEXANDRAs „Mein Freund der Baum“, das ist so far out, dass es schon wieder interessant ist. Weibliche Unterstützung finden die Songs im Gesang von seiner Lebensgefährtin/ Muse Nadja Saeger („Sag was du willst“) bzw. Schauspielerin Jasmin Tabatabai („Erst wenn…“). Erstere fällt schief witzig, letztere gekonnt aus! Die Single „Für den Moment“ steht stellvertretend für die langsamen emotionalen Songs während „Du wirst bald Geschichte sein“ eine Art NDH mit gebremsten Schaum darstellt.

Ein sehr vielschichtiges Album ist WITT hier gelungen, welches eine breite Käuferschicht ansprechen kann von Grufti bis Schlagerfan. Insofern findet hier eine akustische Vereinigung innerhalb der Populärkultur statt, die keinerlei wirkliche Relevanz aber viel Unterhaltungswert bietet und verdientermaßen ins obere Drittel der Media Control Charts einstieg. Bleib gesund, Joachim!

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