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KASABIAN - s/t

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Artist KASABIAN
Title s/t
Homepage KASABIAN
Label BMG/ RCA
Veröffentlichung 08.03.2005
Leserbewertung
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9.3/10 (4 Bewertungen)

Nein! Ich werde es nie wieder tun! Einen Artikel damit beginnen, dass diese oder jene Band als das „nächste große Ding“ aus England zu uns kommt und auf dem Cover des NME stand und dass Bandmitglieder eine verdammt dicke Klappe riskieren und es sich leisten können oder wollen, Avancen von Kate Moss abzuweisen. Auch wenn all das stimmt oder zumindest irgendwo mal auf dem Papier stand. Trotzdem ist diese Hörigkeit und Abwartehaltung des Kontinents gegenüber der Inselpresse einfach nur beschämend und verdammt langweilig. Doch bei KASABIAN mache ich noch eine letzte Ausnahme.

Denn man kann dieses Album eben nur in eben jenem Klima des ständigen Hypes, des institutionalisierten Putsches verstehen. Die englische Musikszene dreht sich nicht, wie viele meinen, ausschließlich um Sensationen und Schockeffekte, sondern ebenso um Pop als Prozess: Bands spielen höchstens als manchmal gut-, manchmal schlechtgewählte Namen eine Rolle, die aufkommen, explodieren und dann wieder verschwinden. Man mag das für unmenschlich befinden, doch wird man in keinem Land der Welt eine derart frische und bunte Szene finden, die sich stets aufs Neue selbst regeneriert. Nun geben nur dumme Journalisten Prognosen ab, doch ist es wirklich schwer vorstellbar, dass KASABIAN in einigen Jahren noch auf dem Radar der Öffentlichkeit eine Roll spielen werden. Schon jetzt gehen einem der permanente Ideenklau und das erneute Aufwärmen der schönen Madchesterjahre mit seinem Mix aus hüpfenden Beats und rotzigen Riffs gehörig auf die Nerven: „Fools Gold“-Anspielungen an jeder Ecke, Überschneidungen mit den im letzten Jahr etwas untergegangenen COOPER TEMPLE CLAUSE, ein schamloses AIR-Ripp Off und unerwartete „Anleihen“ bei ANNE CLARK (!) und JON AND VANGELIS (!!). Auch in Punkto Songwriting gibt es in England derzeit gewiss bessere Alternativen: Das glitzernde Abendkleid, das diese Musik trägt und die groovigen Plateausohlen, auf denen sie auf dem Dancefloor die Hüften schwingt, sind all zu oft cooler als der Track selbst. Trotzdem wirken KASABIAN verdammt sexy mit ihrer schillernden Klangästhetik und für einen kurzen Augenblick könnten sie wirklich die Band der Stunde sein. Ihr ernstgemeinter Synthesizer- und Sequencereinsatz mutet schon mal bedeutend authentischer an als das Stückwerk und der modische Schnickschnack notgeiler Trendhopper. Und mit dem majestätischen „Running Battle“, dem futuristischen und filmischen Abschluss „U-Boat“ und dem spektakulären „Club Foot“ haben sie drei sensationelle Hits im Gepäck.

Man wird an dieser Scheibe also eine Menge Spaß haben können, wenn man es mit der Selbständigkeit nicht so genau nimmt und man dem Moto „Nichts ist für die Ewigkeit“ frönt. Und dass man mit offensichtlichem kreativen Raubbau durchaus eine substantielle Karriere und sogar so etwas wie ein Oeuvre aufbauen kann, haben ja nicht zuletzt OASIS bewiesen. Wen wundert es da, dass eben jene das große Vorbild dieser jungen Truppe sind. Für genau zwei Wochen (oder so) ist „Kasabian“ so spannend wie der erste Zungenkuss, doch meine Exemplare von „Definitely Maybe“ oder „The Stone Roses“ würde ich niemals dafür hergeben.

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