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KELLERKIND - s/t

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Kellerkind-Kellerkind.jpg
Artist KELLERKIND
Title s/t
Homepage KELLERKIND
Label 7MUSIC
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Die armen, armen Kellerkinder. Müssen ihr bescheidenes Dasein im Dunklen fristen und dürfen im schlimmsten Fall noch nicht mal ans Tageslicht. Man denke nur an Natascha Kampusch, die ein sehr ambivalentes Verhältnis zu fensterlosen Räumen haben dürfte. Manchmal ist das Leben eines Kellerkindes aber gar nicht so arg und die betreffende Person geht sogar gern ins heimische Untergeschoss, weil dort das geliebte Musikequipment steht. Selbiges ist bei Ralf Thiel aka Sid der Fall, der nicht nur Sänger und Fronter der Alternative-Band PUSSYBATS ist, sondern unter dem Namen KELLERKIND auch solo wirkt. Mit dem selbstbetitelten Debüt gibt es jetzt dreizehn melancholisch-nachdenkliche Songs des Stuttgarters auf die Ohren, der für die Aufnahmen der Platte so manche nächtliche Studiosession in seinem Keller verbracht hat.

Auf schmückendes Beiwerk wurde dabei ganz bewusst verzichtet. Zu hören gibt es wie beim deutschsprachigen Opener „Meins“ minimalistische Akustikgitarren und die prägnante Stimme des süddeutschen Glatzkopfs. Bei Bedarf ergänzt um ein wenig instrumentale Unterstützung von befreundeten Musikern, die es beispielsweise beim rhythmusbetonten „Helden“ zu hören gibt. Bisweilen ist mir der Gesang des Schwaben allerdings ein bisschen zu pathetisch geraten; sie drängt ob der sparsamen Instrumentierung schon reichlich dominant in den Vordergrund in da wäre etwas weniger eindeutig mehr gewesen. Entsprechend kommt das kleine Mundharmonika-Solo auf „Zwischen den Stühlen“ gerade richtig, im Übrigen ist es auch gar nicht verkehrt, wenn der Herr Künstler wie bei „Mittendrin“ mitunter ein wenig Gas gibt. Gelegentlich singt Sid auch auf Englisch. Das macht die Sache weder besser noch schlechter; mein Geschmack ist der bisweilen verwendete Pathos, den auch „Ordinary Dreams“ reichlich mitbringt, einfach nicht. Etwas weniger dick aufgetragen, käme „Su“ deshalb auch besser zur Geltung. Definitiv wird das KELLERKIND mit seiner Musik nicht everybody’s darling werden; daran wird auch der Rest des Silberlings nichts ändern. Der Sound bleibt vielfach zu verkopft, obwohl Kollege Thiel angibt, Musik mit mehr Herz als Verstand zu machen. Wobei mir die zweite Hälfte mit Songs wie „Zeit:Raum“ und „Interessiert mich nicht“ eindeutig besser gefällt. Außerdem gibt es hier noch das durchaus nette BOB-DYLAN-Cover „I Want You“ und das leicht countryeske Duett „Mrs. Melancholie“, mit dem „Kellerkind“ ein versöhnliches Ende nimmt.

Mir ist die Langrille insgesamt ein wenig zu getragen und schwülstig ausgefallen. Es fehlt mir hier und da schlicht an Leichtigkeit, was das Hören auf Dauer doch ein wenig anstrengend macht, woran auch der Hiddentrack mit pianogeschwängertem, klassischem Gesang nichts zu ändern vermag.

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