Terrorverlag > Blog > KOSTNICE > s/t

Band Filter

KOSTNICE - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Kostnice.jpg
Artist KOSTNICE
Title s/t
Homepage KOSTNICE
Label JEWEL BOX RECORDINGS/ GIGABROTHER
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Gedenket der Toten! – Dieses allumfassende Motto steht fest zementiert über der Arbeit dieses Projekts, welches sich nach dem berühmten Kostnicer Beinhaus benannt hat. Vor den Toren der zweitältesten tschechischen Stadt Kutna Hora (ja ja, auch eine Band!) gelegen, besteht der Innenraum der morbiden Kathedrale aus den Knochen von über 10000 Toten, meistenteils aus dem Mittelalter stammend (Pest und Hussitenkriege). Bekannt sind z.B. der Kronleuchter und diverse kunstvolle Ornamente aus Schädeln und zahlreichen weiteren menschlichen Überbleibseln. Unzählige Black Metal Kommandos wie auch Herr MANSON haben sich hiervon bereits inspirieren lassen. KOSTNICE aber sind anders!

Sofia E.R., die ich von ihrem Hauptact WERMUT her kenne, gründete 2001 zusammen mit den Karlovsky Brüdern vorliegende Formation, die sich der Erinnerung an die Verblichenen und dem Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit verschrieben hat. Bereits im selben Jahr entstand das selbstbetitelte Debüt, welches in einem schönen Digipack daherkommt und genau so viele Fragen aufwirft wie beantwortet. Mittlerweile hat man bereits eine Folgearbeit veröffentlicht: „Finsterfelden“ aus dem Jahre 2003, mir leider nicht bekannt. Besonders wird auf der Hülle in DVD-Größe betont, dass man komplett aus Samples bzw. Sequenzermaterial verzichtet, die verwendeten Sounds somit originär sind. Allerdings wundere ich mich dann über das „Waffen-Zitat“ bei „Western“, welches mit Sicherheit aus einem Film eben jener Gattung stammt.

Aber zum Wesentlichen: KOSTNICE machen keine Musik im eigentlichen Sinne, viel eher sind es Geräuschkollagen, welche die Stimmen der Toten fühlbar machen wollen. Wenn man sich nachts im besagten Gebeinhaus aufhält und tief in die eigene Wahrnehmungssphäre eindringt, dann kann man sie hören: Das Geschrei der Toten, das immer wiederkehrende Stöhnen eingefangen in endlosen Loops. Wehklagende Stimmen von Kindern und alten Menschen zum letzten Geleit des eigenen (?) Untergangs, eine Symphonie des Grauens! Gegen Ende hin auch mal mit ein paar elektronischen Melodiefetzen. Am besten allein in depressiver Stimmung zu genießen, dann vielleicht aber zum letzten mal…

Jedem sollte jetzt klar sein, dass dieses Tonwerk nichts mit auch nur irgendwie angesagten Musikstrukturen gemein hat, somit also nur für Kenner geeignet ist, die sich mit düsterem Ambient so richtig wohlfühlen und für die DER BLUTHARSCH schon zu kommerziell ist. Sehr eigen und interessant, aber nicht für jeden Anlass geeignet. Schließen möchte ich mit einem Zitat von Frantisek Palacky, welches das Gebeinhaus wie diese CD treffend charakterisiert:

„Wenn die irdische Hülle der Menschen so armselig ist, ist es notwendig, mehr Seelenanstrengung zu entwickeln, so dass ein ehrenvolles Andenken für folgende Generationen bleibt.“

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

KOSTNICE - Weitere Rezensionen

Mehr zu KOSTNICE