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KRODA - Cry to me, River

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Artist KRODA
Title Cry to me, River
Homepage KRODA
Label NEUE ÄSTHETIK
Veröffentlichung 15.03.2001
Leserbewertung
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1998 wiederveröffentlichte (in Lizenz) der Branchenriese unter den Death/ Black Metal Plattenfirmen, NUCLEAR BLAST aus Donzdorf, „Goat Horns“, das Zweitwerk der ukrainischen Black Metal Band NOKTURNAL MORTUM, welches vorher nur über ein kleines russisches Label erhältlich war. Der Black Metal-Stil der Ukrainer lehnte sich an EMPEROR zu ihren Glanzzeiten an, war aber auch durchsetzt mit archaisch anmutenden Einsprengseln ostslawischer Folklore, die zumindest dem Black Metal-Konsumenten sehr authentisch schien. Kurz, das Album wurde ein voller Erfolg und im Windschatten der Band interessierten sich mehr und mehr Black Metal-Fans für andere ukrainische oder russische Bands des Genres. Was die feinen Herren aus Donzdorf entweder vor Geldgeilheit nicht beachteten bzw. Blödheit nicht ahnten, war jedoch, dass sie sich mit NOKTURNAL MORTUM eine Band an Land zogen, die mit Nebenprojekten wie ARYAN TERRORISM (2002 veröffentlicht über RESISTANCE REC, dem weltweit größten Label für NS-Rock/ Metal) nicht wirklich zum NUCLEAR BLAST-Saubermann-Image passen wollte. Es blieb dann auch ihr einziges Album für die Donzdorfer, die bösen Ukrainer zogen weiter zu LAST EPISODE (!) und veröffentlichen heute via NO COLOURS.

Dieses Geschichtchen ist lehrreich für viele dieser mysteriösen ukrainischen und russischen „heidnischen“ Metal Bands, die da wie Pilze aus dem Boden schießen und sich bei uns, im Westen, einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass ein ganzer Haufen dieser Bands buchstäblich nicht ganz koscher sind und sich mit allerlei unheilvollen Verstrickungen musikalisch und ideologisch die Zeit vertreiben. Trotz alledem, viele dieser eurasischen Bands haben etwas Faszinierendes an sich, oft wirken sie noch etwas „archaischer“ als ihre westlichen Kollegen. Gemeinsam ist vielen ein recht hoher Folkloreanteil, mit dessen Hilfe sie ihren Nationalismus, ihre „neuheidnische“ Gesinnung, auszudrücken gedenken, der ihren Klang aber immer auch empfänglich für Kitsch macht. Eine Band, auf die all das bisher Geschriebene exemplarisch zutrifft, ist die ukrainische Zwei-Mann-Formation KRODA, die inzwischen auf zwei Vollzeitalben und zwei Splitalben mit den Kollegen von OPRICH und VELIMOR zurückblicken kann (beide Russland und ebenfalls mit den genannten „Vorzügen“).

Rezensiert wird hier allerdings das KRODA-Debüt „Cry To Me, River“ aus dem Jahr 2004, anlässlich seines Erscheinens auf Vinyl über NEUE ÄSTHETIK, jenem obskuren Label, welches uns schon Vinyl von CHANGES und G.G. ALLIN bescherte. Grundsätzlich orientiert sich der KRODA-Black Metal-Stil stark an den SATYRICON der „Nemesis Divina“-Zeit (1996), vor allem was den Gesang und das ausgewogene Verhältnis zwischen hymnischen Keyboardpassagen und brutal-polterndem Metal betrifft. KRODAs Stil ist jedoch, wie könnte es anders sein, mit ostslawischer Folklore angereichert, die auch hier jenes berühmte „archaische“ Gefühl entstehen lässt, mitunter aber ebenfalls auch schlicht kitschig wirkt. Wer vorher schon ahnte, dass Black Metal, besonders wenn er so wie hier, „naturromantisch“ sein will, eigentlich Musik für Schafe im Wolfspelz ist, wird sich nach dem KRODA-Hören bestätigt fühlen, ihr leicht sentimentales Folkloregedudel lässt wirklich keinen anderen Schluss zu. Das hervorstechendste Merkmal ihrer Musik ist die Flöte, zusammen mit dem Keyboard, das bisweilen eine synthetisch erzeugte „Naturidyll-Stimmung“ entstehen lässt, ist dieses Instrument für den folkloristischen Aspekt innerhalb ihres Gesamtsounds zuständig. Wer sich also Folkgitarren erhofft, wird enttäuscht, die gibt es nicht. Nun, den Kulturnationalismus mit inbrünstigen Flötentönen ausdrücken zu wollen, ist immerhin originell. Das Zusammenspiel zwischen Metal und Folklore ist ebenfalls gelungen, musiziert wird einfach „parallel“, nebeneinanderher, mit dem wundersamen Ergebnis, dass man KRODA zumindest den Vorwurf fehlender Harmonie und Feinabstimmung zwischen den Stilen nicht machen kann.

Eher zu kritisieren wären die Metalriffs als solche, die sind zwar sehr brachial, meist, weil sie ja auf das Flötengedudel und die erhebenden Keyboardmelodien Rücksicht nehmen müssen, im hymnischen Midtempo Bereich angesiedelt, gelegentliche Aggressionsattacken inbegriffen, hinken jedoch solchen Vorbild-Kompositionen wie „Mother North“ (SATYRICON) deutlich hinterher. Da sind einfach zu wenig originelle Ideen vorhanden, wenn das Keyboard und die Flöte das nicht ständig übertünchen würden, käme das, was übrig bleibt, einem Offenbarungseid gleich. Zu allem Überfluss benutzen KRODA auch noch einen Drumcomputer. Die eigentliche Stärke KRODAs ist die Stimme des „Sängers“ EISENSLAV. Diese ist dunkel und sehr akzentuiert, Russisch bzw. Ukrainischsprecher verstünden sicher eine Menge von dem, was der Herr EISENSLAV da von sich gibt, dennoch wirkt sein Organ eisern und brutal, wie ein Sturm, der über die ukrainischen Steppen fegt. SATYR hat dies auf so Stücken wie „Du Som Hater Gud“ („Nemesis Divina“) auf norwegisch nicht besser hinbekommen, großes Kompliment! Als Geste für ihre internationalen Froinde, sind die Titelnamen, wie auch die Texte ins Englische übersetzt, gesungen wird jedoch, wie beschrieben, in ihrer Heimatsprache.

Ein weiteres Kompliment verdient haben sich KRODA für ihren Mut zum Ausklang des Albums „Apocalypse“, ein Song der hoffnungslos überschätzten schwedischen Death Metaller HYPOCRISY (auf „The Fourth Dimension“, 1994) zwar zu covern, aber auch in ein Instrumentalstück mit ukrainischem Folkloreflair zu verwandeln. Das funktioniert. Ihrem vermutlichen Ziel, die Natur ihrer geliebten Heimat zu vertonen, sind KRODA hier viel näher gekommen als auf allen anderen ihrer Stücke.

Alles in allem ist KRODAs „Cry To Me, River“ eine Empfehlung für Freunde des eurasischen Black Metals, die eine Schwäche für sentimentale Naturverklärung haben und der typischen Black Metal-Ideologie etwas abgewinnen können (Das Christentum habe sich illegitimerweise auf dem heiligen, heidnischen Boden der Ukraine breit gemacht oder so ähnlich.), dann doch (fast) ganz harmlos sind und besonders Bands wie SATYRICON, DRUDKH, NOKTURNAL MORTUM oder, um den Schwenk zum “Neofolk” zu wagen, RITUAL FRONT, mögen.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung von www.Nonpop.de

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