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LAIBACH - SPECIAL: Anthology (DCD) / Videos and a Film about WAT (DVD) / A film from Slovenia (DVD)

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Artist LAIBACH
Title SPECIAL: Anthology (DCD) / Videos and a Film about WAT (DVD) / A film from Slovenia (DVD)
Homepage LAIBACH
Label MUTE RECORDS
Leserbewertung
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4.0/10 (2 Bewertungen)

Wenn eine Band sich mit Riesenschritten ihrem 25. Bestehungsjahr nähert, hat sie auf der einen Seite viel erlebt und natürlich ein entsprechendes Repertoire an Werken erschaffen. Eine Formation, auf die das in besonderem Maße zutrifft, ist die am 1.6.1980 in Trbovlje, kurz nach dem Tode Titos gegründete, slowenische Band LAIBACH. Ihr Ziel in den ersten Jahren war es, dem jugoslawischen Staat den Kampf anzusagen, indem sie dessen Methoden übernahm und übertraf. LAIBACH war eine Mission, die nach Fanatismus verlangte und entsprechend gefährlich war: Auftritte, die verboten oder von der Staatsmacht abgebrochen wurden, Aufrufe zur Lynchjustiz und zwei Bombenanschläge auf die Band zeigen, dass viele Leute den vorhandenen Zynismus, bei dem eigentlich der Welt nur der Spiegel vorgehalten wurde, nicht verstanden. Auch würde wohl kaum eine andere Band in einer Stadt auftreten, kurz vor deren „kriegsbedingten“ Bombardierung (Belgrad). Hier mussten sie übrigens von 100 Soldaten, wegen diverser Morddrohungen, beschützt werden. Wahrscheinlich passierte dies alles, weil sie sich für ihre Mission totalitärer und faschistischer Symbole bedienten, es strikt ablehnten irgendeine Stellung dazu abzugeben und nur sehr kryptische, für den Normalsterblichen nicht verständliche Aussagen trafen. Das Paradoxum, die Geschichte und der Dualismus sind ihre Waffen.

Auf einer Best of DCD sowie 2 DVDs kann man sich jetzt in geballter Form ein Bild über eine der wohl faszinierendsten, mysteriösesten und politischsten Bands auf unserem Globus machen. An der ersten Best of Scheibe erkennt man sofort, dass das Covern von fremden Originalen schon immer ein bevorzugtes Stilmittel LAIBACHs war: “God is God” (JUNO REACTOR), “In the Army now” (STATUS QUO) oder “The Final Countdown” (EUROPE). Auch die BEATLES oder QUEEN sind vor ihnen nicht sicher gewesen. Selbst einem “Künstler” wie DRAFI DEUTSCHER wurde nun diese Ehre auf vorliegender Compilation in Form von “Mama Leone” zu teil. Zur Musik selbst muss man nicht viel sagen, orchestrale Bombastsounds vermischt mit Chören, harten Industrialelementen und einer brachialen Stimme.

Aber nicht nur Musik war eine bevorzugte Ausdrucksmethode von LAIBACH, auch Kunst und Theater spielen in ihrem Schaffen eine wichtige Rolle, man denke nur an die Gründung der Neuen Slowenischen Kunst (NSK) und auch die Gestaltung von Videos wurde immer sehr kunstvoll, theatralisch, aber auch absolut provokant in Szene gesetzt. Ob “Opus Dei/ Life is Life” (OPUS), “Geburt einer Nation”(QUEEN) oder “Sympathy for the Devil” (ROLLING STONES), schamlos wird mit Symbolen gespielt: Trachten, Uniformen, Springerstiefel und Inszenierungen, die an das dritte Reich erinnern. Konfusion ergab sich zwangsläufig, trotzdem entwickelten sich LAIBACH zu einer Lieblingsband von Intellektuellen und Philosophen. Die zweite CD enthält übrigens Remixe einiger ihrer Werke, die größtenteils sehr technoid geworden sind, bei dem Optical Mix von “God is God” sind sogar Drum ´n´ Bass Elemente zu erkennen, hier hätte ich es allerdings sehr witzig/ passend gefunden, wenn JUNO REACTOR ihren eigenen Song quasi zurückgecovert hätten, dieses Paradoxum hätte irgendwie zu LAIBACH gepasst. Auch dem “Liewerk – 3. Oktober Kraftbach Mix“ von Mute-Labelchef Daniel Miller sollte man gebührende Aufmerksamkeit schenken. Aufgemacht ist die DCD übrigens in einem edlen “Buchformat” und einem knapp vierzigseitigen Booklet mit LAIBACHs Geschichte sowie etlichen Fotos und Illustrationen der NSK.

Auf den beiden DVDs sind zusätzlich zu den Clips noch ein Konzert der “Occupied Europe Nato Tour 1994-95, eine Dokumentation der “WAT” und eine weitere Abhandlung über LAIBACH (“A Film from Slovenia”) enthalten, alles wirklich hoch interessant und spannend. Auch in den vorhandenen Videosequenzen fällt auf, dass die Slowenen sich ständig recyceln und viele Szenen aus Clips wiederverwertet werden, aber dies passt perfekt zum Gesamtkonzept. Alles wird verzerrt dargestellt, gerade die Dokumentation über die “WAT”, in deren Inhalt es ja um Zeitgeschichte und LAIBACH selbst geht, enthält 2 Aussagen, die wohl kurz und prägnant die Philosophie erklären: “There is no force, no money and no power to stop us now and change our fate…” aus “B Mashina” sowie “…but when our beat stops and the light goes out and when we leave this place you will be left here all alone with a static scream locked on your face” aus “WAT”.

Besser kann man sie nicht erklären. Wie man mit LAIBACH und ihrem Inhalt umgeht, kann man nur selber in seinem Innern entscheiden.

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