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LAIBACH - Volk

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Laibach-Volk.jpg
Artist LAIBACH
Title Volk
Homepage LAIBACH
Label MUTE
Veröffentlichung 20.10.2006
Leserbewertung
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8.7/10 (3 Bewertungen)

LAIBACH waren immer mehr Künstlerkollektiv denn nur Musiker. Mit schwierigen, aber auch sehr anspruchsvollen Konzeptalben machten sie es der Hörerschaft und ihren Fans nicht immer einfach. Von Anbeginn mit politischen Themen gespickt merkte man gerade auch ihrem Veröffentlichungsrhythmus an, dass die Welt sich in den letzten 1 1/2 Jahrzehnten radikal gewandelt hat. Im kommunistischen Jugoslawien entstanden war lange Zeit der Ost/ West Konflikt das Thema Nr. 1. So wurden in den ersten Jahren ihres Bestehens die Alben fast im Jahresrhythmus auf das Publikum losgelassen. Als der Krieg auf dem Balkan sein Ende fand, schien es auch fast so, als ob LAIBACH in der neuen Welt nicht mehr so viel zu sagen hätten. Folgten ab 1996 doch, inklusive dem nun vorliegenden Album, nur noch drei neue Alben.

“Volk” beschäftigt sich auf 14 Tracks mit Neuinterpretationen von Nationalhymnen, jeder Song basiert auf einer Originalhymne oder wurde zumindest von ihr inspiriert. Stilistisch ist “Volk” eine vollkommene Abkehr vom technoiden Sound des Vorgängers “WAT”, was auch an der Art des Kompositionsprozesses liegt. Mitgewirkt haben einheimische Gastsänger, sowie in besonderem Maße die slowenischen Landsleute von SILENCE. Der gemeinsame Nenner zwischen den einzelnen Nationen, den LAIBACH sorgfältig herausgearbeitet haben, ist das Nationalgefühl, welches auf den blutigen und kämpferischen Grundfesten der einzelnen Länder basiert. Wie immer geben die Slowenen auf die einzelnen Länder bezogene Kommentare über deren aktuelle politische Situation ab, was mir manchmal textlich richtig aber auch etwas mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt, wenn man z.B. eine Textzeile aus “America” nimmt: “…trust in god and the religious fire”.

Von der Menge an Interpretationsmöglichkeiten der verwendeten Lyrik mal abgesehen, die jeder wohl anders sehen kann und wird, bietet der Silberling eine schiere Soundvielfalt. Da “Volk” für mein Ohr ein schwer zugängliches Album geworden ist, habe ich es mir jetzt schon sehr oft angehört, dennoch entdeckt man mit jedem Durchgang neue Ideen und Aspekte. “Volk” ist insgesamt sehr klassisch und ruhig ausgerichtet, so dass die Songs relativ nachdenklich wirken. Man kann sagen, dass es LAIBACH gelungen ist, den jeweiligen Aspekt der betreffenden Nation perfekt herauszuarbeiten. “Germania” und “Rossiya” sind zwar beide klassisch arrangiert, während die deutsche Interpretation aber schon ein wenig melancholisch und leidend rüberkommt (was zu unserem Volk ja perfekt passt), glänzt die russische Hymne mit Kinderchören und erzielt eine harmonische, beinahe fröhliche Atmosphäre. “Italia” beginnt so, wie man sich eine laue Sommernacht an der Riveria vorstellt, ebenso “Espana”, ein weiterer sehr fröhlicher Song. “America” knallt lärmig und mit vielen disharmonischen Breaks rein und spiegelt die Zerrissenheit wider, die dieses Land aktuell kennzeichnet. “Yisra el” und “Türkije” erinnern musikalisch noch a, ehesten an die “WAT”-VÖ, stehen ein wenig konträr zu den restlichen Stücken. Auch dies ist wiederum passend zu der Situation der beiden Länder, wissen sie doch beide nicht so recht, wo sie nun in dieser Welt hingehören (wollen). Gerade die Anfangsbeats von “Türkiye” schleichen sich sehr, sehr böse in den Gehörgang, was LAIBACH damit zum Ausdruck bringen wollten, würde mich schon interessieren, dennoch ist es fürs erste mein persönlicher Favorit.

Als nächstes widmen sich LAIBACH den beiden derzeit wichtigsten asiatischen Ländern. Auch hier im direkten Kontext der Vergleich zwischen den beiden Ländern sehr schön herausgearbeitet. Während China sich immer mehr erneuert, dementsprechend der Song modern klingt, zieht sich Japan derzeit ja zurück, lebt seine nationalistischen Tendenzen ein wenig aus. So klingt auch der Titel, in sich gekehrt und fragil. Er ist übrigens der längste Track auf “Volk”. Zwei Heimathymnen folgen noch: “Slovania” und “NSK”, ihres imaginären Kunststaates. Obwohl LAIBACH mit Gott und Religion nicht viel anfangen können, wurde auch dem Vatikan ein Song gewidmet, ist es Zufall, dass es die kürzeste Komposition geworden ist?

Ein brillantes Album, ungewöhnlich, schwer zu verdauen, in den ersten Anläufen beinahe unhörbar für mich, schält sich mit jedem neuen Hördurchgang die Tiefe und Tragweite dieses Werkes immer mehr heraus. Interessant wäre es gewesen, hätte man noch die eine oder andere Interpretation eines muslimischen Staates erstellt, z.B. für den Iran oder den Irak.

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Laibach 'Volk' Tracklist
1. Germania Button MP3 bestellen
2. America Button MP3 bestellen
3. Anglia Button MP3 bestellen
4. Rossiya Button MP3 bestellen
5. Francia Button MP3 bestellen
6. Italia Button MP3 bestellen
7. Espana Button MP3 bestellen
8. Yisra'el Button MP3 bestellen
9. Turkiye Button MP3 bestellen
10. Zhonghua Button MP3 bestellen
11. Nippon
12. Slovania Button MP3 bestellen
13. Vaticanae Button MP3 bestellen
14. Nsk Button MP3 bestellen
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