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LAMBERT - Sweet Apocalypse

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LAMBERT
Artist LAMBERT
Title Sweet Apocalypse
Homepage LAMBERT
Label MERCURY KX
Leserbewertung
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Seit dem Jahr 2000 leben wir in der Postapokalypse. Eine Apokalypse, die allerdings nie stattgefunden hat. Kein weltweiter Systemcrash, keine Außerirdischen, kein gigantischer Meteorit, kein Erlöschen unserer Sonne. Nicht einmal die alte Lieblingshose ist endgültig zerschlissen. Das heißt natürlich nicht, dass die Angst vor dem Weltuntergang deshalb verschwunden ist – ganz im Gegenteil: Die Angst der Menschen vor anderen Menschen und dem, was diese den lieben langen Tag so alles anstellen, ist riesengroß. Und bei Mutter Natur weiß man natürlich auch nie, was sie gerade im Schilde führt. Von der kosmischen Strahlung im Hintergrund einmal ganz abgesehen. So, jetzt wisst Ihr Bescheid. Oder doch nicht? Dann müsstest Ihr Euch vielleicht mal etwas näher mit dem feinsinnigen Exzentriker LAMBERT und seiner vierten Platte „Sweet Apocalypse“ beschäftigen.

Ein Dutzend Kompositionen hat der maskierte Pianist, der keinen Rummel um seine Person mag und lieber im Verborgenen agiert, geschaffen, um sich auf ganz persönliche Weise mit den diversen apokalyptischen Ängsten auseinanderzusetzen. Mal spendet der Mann mit der sardischen Stiermaske Trost, mal streichelt er sanft die Katze called Melancholie, dann entwickelt sich aus der Angst ein überlebensgroßer Pathos, der den Hörer geradezu über den Dingen schweben lässt. Das Ganze findet mitsamt Tasteninstrument, Gebläse und Streichern und in Abwesenheit von Gesang statt und man begegnet der Dramatik der Endzeitvorstellung mit einer sanften, melancholischen Klaviermusik, die durch Repetitionen und Rhythmen förmlich zu atmen scheint. Mit dem Kontrast kreiert LAMBERT ein berührendes Wechselspiel zwischen Musik und Imagination. Elemente aus Klassik, Jazz, Pop und Rock verschmelzen in den Kompositionen zu einem ganz neuen eigenständigen Stil. In bildhaft sprechenden Titeln wie „In The Dust of Our Days“, „Waiting Room“, „A Thousand Cracks“, „Sleeping Dogs“ oder „The End“ versetzt der Tastenzauberer die Ohren mit seinem einzigartigen Mix aus zarten elektronischen Sound-Elementen und atmosphärischen Melodie-Fragmenten in ferne Welten und Zeiten, deren konkrete Gestalt ganz offen bleibt und die zugleich das gesamte emotionale Spektrum in sich tragen. Romantisch und düster – und zugleich verträumt und entspannt – LAMBERT experimentiert mit leidenschaftlichem kompositorischem Feinsinn mit den kleinsten Nuancen, um seine Musik nicht durch plakative große Gesten, sondern durch minimale Wendungen und Schattierungen bis in den letzten Winkel auszugestalten. Das Ergebnis dieses „Weniger ist mehr“-Prinzips ist eine große authentische Strahlkraft mit erfrischend ungekünstelter Wirkung.

Mit „Sweet Apocalypse“ kreiert Lambert mithin eine bittersüße Endzeitstimmung, die unter die Haut geht und der eigenen Phantasie viel Raum lässt. Mit dem Album ist dem Komponisten und Pianisten ein faszinierendes musikalisches Gesamtkunstwerk gelungen, mit der man dem Weltenende doch gleich viel entspannter entgegensehen kann. Wenn man bekannten Wissenschaftler Stephen Hawking glauben darf, haben wir übrigens nur noch gut 100 Jahre auf diesem Planeten…

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