Terrorverlag > Blog > LEICHENWETTER > Urworte

Band Filter

LEICHENWETTER - Urworte

VN:F [1.9.22_1171]
Leichenwetter-Urworte.jpg
Artist LEICHENWETTER
Title Urworte
Homepage LEICHENWETTER
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (1 Bewertungen)

Deutscher HartPop mit pathetischen Texten? Maskenmänner an den Instrumenten? Da liegt ein Verriss zunächst mal gefährlich nahe, aber die Jungs aus Iserlohn haben (fast) auf jede Frage eine Antwort parat. Professionell fallen schon Aufmachung und Produktion der zweiten in Eigenregie entstandenen Scheibe aus (nach „Nachtwerke“ 1998) , über 70 Minuten Laufzeit gehört dann ebenfalls zu den positiven Attributen. In der aktuellen 5er-Besetzung musiziert man nun schon seit dem Jahre 2000 und konnte so zu einer homogenen Einheit werden, die bereits mehrere Songs auf Samplern untergebracht hat. Noch beeindruckender die bisherige Live-Bilanz: Man musizierte mit TANZWUT, SUBWAY TO SALLY und den CRÜXSHADOWS, wahrlich keine schlechten Referenzen.

Was aber ist denn nun eigentlich HartPop? Ganz einfach, eine Mischung aus harten Riffs und Elektronika, die etwas an Kapellen wie UNHEILIG erinnert (allerdings metallischer) und momentan in der Düsterszene sehr en vogue zu sein scheint. Besonderes Kennzeichen der maskierten „Leichen“: Shouter Numen, der über eine prägnante und eigenwillige Stimme verfügt. Wobei es schon EINE deutliche Referenz gibt: Tom von SILBER! Ich habe wirklich nachschauen müssen, ob der hier nicht eine Zweitband am Start hat… Aber zum einen gibt es zusätzlich auch gebrüllte Vocals und zum anderen klingt Numen etwas operettenhafter. Das passt natürlich zu den wie schon erwähnt sehr pathetischen Texten. Aber dieses mal kann keiner etwas dagegen sagen! Denn die Texte stammen nicht von der Band, sondern von klassischen deutschen Dichtern und Denkern wie Hesse, Hebbel oder Nietzsche. Und die Adaption in „singbare“ Reimform ist LEICHENWETTER größtenteils fehlerfrei gelungen, dafür mein Respekt. Wobei es 2 Ausnahmen von der Regel gibt: Bei „Jenseits von Eden“ handelt es sich um eine recht kuriose NINO DE ANGELO Coverversion mit NDH-Gesang, sicher als bierseliger Partyknaller verwendbar! Und das Schnitterlied wurde ebenfalls nicht adaptiert. Bei dem „durchschnittlichen“ LEICHENWETTER-Track wird mal mehr auf Gitarrenhärte, mal mehr auf tanzbaren Beat geachtet. Der Opener „Nur dich“ versteht sich als Düsterhymne mit klassischer RAMMSTEIN-Pose („Mein Herz pocht“ – aber von Else Lasker-Schüler), dann wird es beim Verführer metallisch riffig, wenngleich die nicht alle aus eigener Feder stammen (siehe “New World Order” von THE KOVENANT)… So geht es weiter, die Refrains wollen alle „Groß“ sein und sind es meistens auch, was zu einem durchgängig hohen Niveau führt. Zum Ende hin befinden sich noch 4 Remixe auf der Scheibe, welche das Produkt überzeugend abrunden.

Sehr charmantes Gebräu für Düsterkittel und aufgeschlossene Metaller, und trendy noch dazu. Man könnte den Iserlohnern einiges vorwerfen, aber wer so eine Inszenierung hinlegt, lässt die meisten Münder verstummen. Qualitativ noch nicht ganz an der Spitze des Genres, aber alle mal Plattenvertragswürdig!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

LEICHENWETTER - Weitere Rezensionen

Mehr zu LEICHENWETTER