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LÉTUM - Broken

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Letum-Broken.jpg
Artist LÉTUM
Title Broken
Homepage LÉTUM
Label COLD MEAT INDUSTRY
Leserbewertung
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7.3/10 (4 Bewertungen)

Etwas ist mir schon im Unterricht an der Schule aufgefallen: Das Lateinische beherbergt eine außergewöhnlich hohe Auswahl an Übersetzungen für „Tod“, „Untergang“, „töten“, „sterben“ usw.; wahlweise jeweils auch gewaltsam oder nicht. Jedenfalls dachte ich, tatsächlich alle Entsprechungen schon in meiner Jugend ausfindig gemacht zu haben, werde aber anlässlich des zweiten Full-Length-Albums des Schweden Matthias Hendriksson eines Besseren belehrt. Okay, LÉTUM heißt also auch Tod; wegen der Betonung ist da auch so ein Strich über dem e. Wieder was gelernt. 2001 kam „The Entrance to Salvation“ raus, damals auch schon bei CMI. Was nicht sonderlich wundert, denn Hendrikssons Kompositionen ziehen der Dark-Ambient-Katze zwar nicht das Höschen aus, sind jedoch solide genug, um sich neben RAISON D’ÊTRE und ATRIUM CARCERI brav in die Riege der atmosphärisch-getragenen Seelenlandschaften einreihen zu können.

Das Booklet gefällt mir überaus gut, als ob der Schwede gewusst hätte, dass man bei mir mit sehr ansprechenden, düsteren Photographien religiöser Symbole (Kruzifix, Pietà) gut landen kann. Das Cover ist auch sehr stylish: sehr modrig-dunkel gehalten mit einer interessanten Steinskulptur, die einen bloßen Jüngling mit Adler auf den Schultern darstellt. Vielleicht ja Ganymed, aber das ist meine Interpretation, wohlgemerkt. Abgedruckt sind auch die Lyrics zu den drei Songs, die so etwas wie Gesang aufweisen: „Broken“, „Betrayed“ und „Shadow“ – die grammatikalischen Fehlerchen sind dabei eher charmant als störend. So etwas wie Gesang sage ich deshalb, weil die Worte eigentlich zum einen eher gesprochen sind, und zum anderen sehr verfremdet und hervorgepresst klingen. Musik und Texte verstärken den fatalistischen, resignierten Eindruck, den ich von dem einlullenden und ruhigen Album habe. Störgeräusche, die zu einem Teppich werden; ein Kratzen, das an einen Fliesenschneider erinnert – nicht unangenehm, aber eher abgründig.

Die Tracks dauern durchschnittlich fünf, sechs Minuten. Hendriksson sagte mal in einem Interview, auf die Kürze angesprochen, dass man einfach auf Repeat drücken soll. Das ist eine interessante und durchaus wirtschaftliche Einstellung. Bei „Broken“ erwarten den Hörer zehn Stücke, zu insgesamt gut 55 Minuten mit fast schon sakralem Dark Ambient (Orgelsynthesizer, Glockengeläut, opernhafter Frauengesang – der aber gut passt). Anstatt einer uneingeschränkten Kaufempfehlung, lege ich vorheriges Reinhören ans Herz. Auf Hendrikssons Homepage kann man sich übrigens auch mp3s mit unvervollständigten Tracks und Experimenten herunterladen, sowie in diversen Interviews schmökern, die durchaus lesenswert sind.

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