Terrorverlag > Blog > LUNAR ABYSS DEUM ORGANUM > Brusnika

Band Filter

LUNAR ABYSS DEUM ORGANUM - Brusnika

VN:F [1.9.22_1171]
Lunar-Abyss-Deus-Organum-Brusnika.jpg
Artist LUNAR ABYSS DEUM ORGANUM
Title Brusnika
Homepage LUNAR ABYSS DEUM ORGANUM
Label DRONE RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Jahrelang arbeitet das Lunar Abyss Quartet (neuerdings: LUNAR ABYSS DEUM ORGANUM) schon im Untergrund, ohne jemals wirklich in das Bewusstsein der Experimentalgemeinde gekommen zu sein. Kleinstauflagen, darunter auf 22 Exemplare limitierte Veröffentlichungen, waren bislang die Norm, die meisten davon auf obskuren russischen Labels. Mit „Brusnika“ gelingt nun endlich der Sprung in die erste Liga – und die Perfektion dieser nur knapp 11 Minuten Musik ist atemberaubend.

In nur zwei Stücken malt diese EP Bilder unbeschreiblicher Plastizität und Intensität auf die geistige Leinwand, setzt nahezu dreidimensional vielfältige Klangschichten voneinander ab. Schon die Titel deuten an, wohin die Reise geht: In Richtung des sanften Zwielicht der Abenddämmerung, wenn der Tag sich dem Ende entgegenneigt und der schwere Schleier der Nacht über das Land fällt. Die A-Seite, „Veet Vecher (Appears Evening)“ ist dabei der Moment schleichender Spannung und süßer Erwartung, in dem der Hirte seine Schafe von den Hügeln treibt und sich die Sicherheit des Tageslichts langsam verflüchtigt. Zunächst blubbert und fiepst es, steigen Blasen an die Oberfläche, als werde sich der müde Geist seiner selbst bewusst. Dann ziehen die Nebel auf, ein warmer Bass pulsiert und metallisch raschelnden Schlieren treiben wie dicke weiße Wolken über den nun graulich-grünen Wiesen. An seinem Ende verdichtet sich die Atmosphäre zu einem Punkt höchster Intensität und explodiert dann in einem Wassertropfen. Auf dem Gegenstück „Zasnuli zveri vse (Animals all have fallen asleep)“ wird der Faden direkt weiter gesponnen – ziehende Sägezahnhaken bohren sich ins Gehirn, ehe eine niedlich-himmlische Melodie einsetzt, gesungen von den Elfen der Nacht. Leicht leiernd schweben sie über der unwirklichen Traumlandschaft, die sich gegen einen pechschwarzen Himmel absetzt. In der Ferne scheinen sich gewaltige Gesteinsbrocken zu lösen, krachend, doch unendlich gedämpft dringen die brachialen Verschiebungen zum Ohr des Hörers hinüber, ehe das Stück sich langsam verflüchtigt.

Musik an der Grenze zur bildenden Kunst, umgeben von einer zugleich harmonischen, wie Angst einflößenden Aura. „Brusnika“ führt einen an einen Ort zurück, an dem der Mensch der Natur und ihren Geheimnissen sowie Gefahren direkt ausgeliefert war. Man darf nun gespannt sein, ob LUNAR ABYSS DEUM ORGANUM der gleiche Coup auch auf Albumlänge gelingt. Doch trotz der geringen Spieldauer ist dies mehr als nur ein Vorgeschmack.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu LUNAR ABYSS DEUM ORGANUM