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MACBETH (D) - Zeit der Zeiten (Demos & Raritäten 1985-1989)

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Artist MACBETH (D)
Title Zeit der Zeiten (Demos & Raritäten 1985-1989)
Homepage MACBETH (D)
Label GERMAN DEMOCRATIC RECORDINGS
Leserbewertung
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9.2/10 (12 Bewertungen)

Was ist eigentlich mit Heavy Metal aus der DDR, gab es das? Natürlich! Eine der beliebtesten und auch ältesten Gruppen waren MACBETH. Sie gründeten sich 1985 in Erfurt. Alle aktiven DDR-Bands mussten, bevor sie öffentlich auftreten oder etwas aufnehmen durften, sich einer sogenannten „Einstufungs-Kommission“ stellen, die darüber entschieden, ob das Gebotene dem „sozialistischen Kulturauftrag“ gemäß sei. MACBETH nahmen zunächst diese Hürde und spielten fortan mit ihrem charismatischen Sänger Detlev Wittenburg einige Konzerte. Da jedoch die Gruppe eine der wenigen in der DDR waren, die den bei der Obrigkeit unbeliebten Metal spielten, herrschte bei ihren Konzerten ein dementsprechender Andrang und so kam es 1986 nach einem Konzert in Erfurt zu Ausschreitungen enttäuschter Fans, die nicht mehr in den Saal durften. Das Verbot der Gruppe ließ nicht lange auf sich warten. Man kündigte ihr den Proberaum, erteilte dem Band-LKW keine Zulassung und bestrafte sie darüber hinaus noch mit einem empfindlichen Bußgeld. MABETH saßen nun auf 25000 Ostmark Schulden. Im Stasibericht hieß es zu der Band: „Bei den Gruppenmitgliedern handelt es sich um 4 Amateurmusiker… deren bewußtseinsmäßige Einstellung internen Informationen zufolge in keiner Weise den Anforderungen bei der Durchsetzung eines hohen Niveaus der sozialistischen Kunst- und Kulturpolitik entspricht.“ Somit war das Ende von MACBETH vorerst besiegelt. Unter der Auflage sich umzubenennen durfte es dann dennoch ein Jahr später mit CAIMAN, wie sie sich jetzt nannten, weitergehen. Doch die Stasi beobachtete sie weiter mit Argusaugen. Sänger Wittenburg musste 1988 für ein Bagatelldelikt über eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Zu Wendezeiten wurde er als gebrochener Mann entlassen. Kurze Zeit später beging er Selbstmord.

Das frisch erschienene Album „Zeit der Zeiten (1985-1989)“ fasst nun diese ereignisreichen Jahre MACBETHs zusammen. Zu hören gibt es die ersten Demoaufnahmen, Livemusik und Mitschnitte aus dem DDR-Jugendradio DT 64, mitsamt heute etwas skurril wirkenden Anmoderationen. Schlussendlich folgen noch ein paar interessante Impressionen aus dem Proberaum, sogar unfertige Songs, die man gerne vollendet gehört hätte. Bei all dem darf man natürlich keine Tonqualität erwarten, wie das heute Standard ist, aber das ist auch nicht der Sinn der Sache. „Zeit der Zeiten“ besticht durch seine Authentizität, den dokumentarischen Wert und schlicht durch die musikalischen Fähigkeiten MACBETHs. Ihr Stil war brachial, düster und orientiert an Bands wie SAXON oder GRAVE DIGGER, jedoch auf das Wesentlichste reduziert und eher stampfend schleppend ohne direkt Doom Metallisch zu sein. Ausgeprägte Gitarrenleads gibt es nicht. Im Unterschied zu ihren Kollegen aus dem Westen sang die Gruppe fast ausschließlich auf Deutsch, weshalb ihre Musik mitunter wie ein Vorgriff auf die sogenannte „Neue Deutsche Härte“ (RAMMSTEIN etc.) wirkt. Bei den Texten darf man ebenfalls keine lyrischen Hochleistungen erwarten, doch sind sie bodenständig, ernst und vollkommen unpeinlich. Kurz, das ganze Album verströmt, vor allem weil man es ja mit dem dazugehörenden Hintergrundwissen hört, eine gewisse Tragik.

Interessant auch das der CD beigefügte Heft, sowie die Homepage der Band (s.o.), in und auf dem sich die bewegte Geschichte der unbeugsamen Truppe, mitsamt Auszügen aus den Stasiakten nochmals nachlesen lässt 2002 wurde MACBETH abermals durch zwei Gründungsmitglieder neu zum (er)Leben erweckt. Letztes Jahr erschien das Debütalbum dieser zweiten Inkarnation. Nach wie vor spielt man Metal mit guten deutschen Texten, doch MACBETH sind nun eine Band von vielen.

1 Kommentar

  1. kai sagt:

    Macbeth nur noch eine Band von vielen?
    Das grenzt ja schon an Beleidigung.
    Macbeth sind mit nichts zu vergleichen im Deutschmetalsektor und selbst Rammstein und Co werden diese Qualität niemals erreichen.

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