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MALIKA AYANE - s/t

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Artist MALIKA AYANE
Title s/t
Homepage MALIKA AYANE
Label SUGAR MUSIC
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Was passt besser, als wenige Wochen nach einem entspannten Strandurlaub an Italiens Adria, einen neuen Stern am italienischen Pop-Himmel zu rezensieren. Hätte ich noch ein wenig länger verweilen können, hätte ich mich gleich im Nachbarort von den Live-Qualitäten von MALIKA AYANE überzeugen können, doch nun steck ich leider schon wieder im Hamsterrad des Alltags und muss mit der Konserve vorlieb nehmen. Aber auch die weiß über weite Strecken zu gefallen. MALIKA AYANE, die Cello studierte, als Gesangssolistin bereits an der Mailänder Scala zu hören war und fünf Sprachen spricht, konnte mit ihrem hier vorliegenden Debüt in ihrer Heimat bereits ordentlich punkten. Hierauf vereint sie wohlwollend formuliert eine große stilistische Bandbreite oder schlicht gesprochen ein nettes Sammelsurium von Pop, Chanson, Schlager und Musical.

Aus meiner Sicht am entbehrlichsten sind dabei die englischsprachigen und somit weltweit kompatiblen Radiopopnummern der Marke „Niedlicher Jungmädchencharme“ – „True live“, „Feeling better“ und das bedächtigere „Blue Bird“. Komischerweise kommt bei mir auch die englische Fassung „Soulwaver“ schlechter weg als die italienische Originalversion „Sospesa“. In ihrer Muttersprache hat Frau Ayanes Stimme einfach mehr Seele. „Moon“ und vor allem „Someday“ jedoch gefallen durch eine ausgefallene Darbietung und bieten das, was ich eigentlich gerne vom Italienischen Pop erwarte: Ein Hauch Dramatik, ein Schuss Melancholie, auf jeden Fall eine große Geste. So klingt gerade „Someday“ fast nach Musical, Malikas Stimme erzählt eine Geschichte, indem sie sich über mehrere Oktaven schraubt, vergleichbar und aufwendig orchestral instrumentalisiert ist „ Il giardino die Salici“. Das sehnsuchtsgeschwängerte „Come foglie“ (auf Deutsch: wie Laub), mit dem Malika beim angesehenen San Remo Festival teilnahm, geht fast schon in Richtung Schlager. Voll großer Gefühle wird sich auf den Refrain zugearbeitet, Trommelwirbel, Frau Ayane wechselt eine Oktave höher, um mit wuchtigem Pathos den Refrain zu intonieren. Die Höhepunkte meiner privaten Bewertungsskala sind schließlich das sehr sparsam instrumentalisierte „Briciole“, das aus Malikas eigener Feder stammt und das man frei wohl als „kümmerliche Reste“ übersetzen könnte. Egal ob zart und zerbrechlich oder kraftvoll und stark hat Malikas Stimme hier eine überzeugende Präsenz. Und wunderbar düster ist schließlich „Fandango“ geschrieben von Paolo Conte. Obwohl oder vielleicht gerade weil Frau Ayane überwiegend nur Lautemalerei von sich gibt ein fesselnder Titel.

Hin und her gerissen zwischen Kunst und Kommerz ist dieses Debüt für mich schlecht einzuordnen. Setzt MALIKA AYANE in Zukunft auf die austauschbaren Wohlfühltitel, wird sich zumindest kurzfristig ihr Konto füllen und ihr Name über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Widmet sie sich eher ihrer Muttersprache und dem Chanson, was sie für meinen Geschmack viel besser kann, wird sie wohl weiterhin als Geheimtipp gehandelt werden.

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