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MANDO DIAO - MTV Unplugged – Above and Beyond

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Artist MANDO DIAO
Title MTV Unplugged – Above and Beyond
Homepage MANDO DIAO
Label VERTIGO
Leserbewertung
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7.9/10 (176 Bewertungen)

„MTV Unplugged“ ist eine vom Fernsehsender MTV produzierte Konzert-Reihe, bei der seit 1989 Bands und Einzelkünstler eine Auswahl ihrer Lieder sowie oftmals auch Cover-Versionen anderer Interpreten ohne den Einsatz von Keyboards und E-Gitarren spielen. Stattdessen kommen häufig klassische Instrumente zum Einsatz, das Arrangement wird entsprechend angepasst und die Gigs haben eher den Charakter kleiner Club-Konzerte, bei denen Musiker und Publikum in entspannter Atmosphäre in einer Kulisse sitzen. Den Anfang haben seinerzeit BON JOVI gemacht, legendär ist der NIRVANA-Gig aus 1993, HERBERT GRÖNEMEYER war 1994 der erste Deutsche, der für MTV stromlos spielte und jetzt folgt mit MANDO DIAO die nächste Auflage des Dauerbrenners, der vor 250 geladenen Gästen am 02. September 2010 in den Union-Filmstudios in Berlin-Tempelhof entstanden ist.

Von der Kulisse aus vier Räumen, die exemplarisch die Welt von MANDO DIAO präsentieren, bekommt man natürlich auf der CD nichts mit, die Idee links eine Garage, welche die Anfänge der Band symbolisiert, zu installieren, finde ich jedoch durchaus erwähnenswert. Von hier aus ging es vor elf Jahren und fünf Longplayern los. Der Raum daneben ist ein typisches Hotelzimmer, in dem die Jungs (die übrigens in traditionellen schwedischen Trachten statt speckigen Lederjacken und engen Jeans performt haben) mehr Zeit verbringen, als ihnen lieb ist. Die dritte Szenerie ist ein schwedisches Wohnzimmer, das Zuhause. Und rechts außen? Ein Speicher, der die Zukunft widerspiegeln soll. Auf ihm landen eines Tages die Erinnerungen an eine großartige Bandkarriere.

Musikalisch starten die Jungs aus dem beschaulichen Borlänge mit dem auch unplugged gewaltig krachenden „Long Before Rock’N’Roll“ vom 2006er „Ode To Ochrasy“, bevor es mit dem bissigen „Sheepdog“ in die Anfangstage der Band zurückgeht. Natürlich haben sich MANDO DIAO auch Gäste eingeladen. Etwa die Newcomerin LANA DEL REY aus den USA, die sich bei „Gloria“ im Zwiegesang mit Björn Dixgård hervorragend behauptete. Auch große Namen sind auf der Platte vertreten. Genannt sei hier JULIETTE LEWIS, die wohl als ideale Duettpartnerin für das verruchte „High Heels“ und Gustaf Norén bezeichnet werden darf. Mit dem KINKS-Leader RAY DAVIES erfüllten sich die BEATLES/STONES/KINKS-Fanatiker einen Kindheitstraum, indem sie gemeinsam mit ihrem großen Vorbild seinen Klassiker „Victoria“ interpretieren. Am wenigsten erwarten durfte man jedoch den Auftritt von Daniel Haglund. Von wem? Der heutige Musik- und Deutschlehrer fungierte beim Debütalbum „Bring ‘em In“ 2002 noch als Organist der Band. Er hatte MANDO DIAO ursprünglich gemeinsam mit Björn gegründet; im Streit trennte man sich schließlich 2004. Jahrelang war das gegenseitige Verhältnis angespannt, doch diese Differenzen scheinen jetzt aus der Welt geschafft zu sein. Entsprechend werden Klassiker wie „Down In The Past“ und „God Knows“ (beide „Hurricane Bar“ 2004) oder die Hits „Dance With Somebody“ und „Mean Street“ vom letzten Silberling „Give Me Fire“ abgefeiert. Doch auch Nummern wie das seltener gespielte „Mr. Moon“ oder das schwungvolle „Song For Aberdeen“ dürfen nicht fehlen. Als emotionale Fanclub-Favoriten sind „How We Walk“, „Hail Your Sunny Days“ und „Your Lover’s Nerve“ – bisher versteckte B-Seiten – mit von der Partie. Besonders kurios: „No More Tears“. Ein Song, der bislang lediglich als unfertiges Demo existierte und den Björn und Gustaf schon vergessen hatten. Wie er seinen Weg ins Internet fand und dort zum Fan-Klassiker avancierte, können die zwei sich selbst nicht erklären. Doch die stetige Nachfrage der Fans brachte MANDO DIAO dazu, dieses Lied wieder auszugraben und eigens für diese Performance neu zu arrangieren. Unerwartet zudem eine Coverversion von SIMON & GARFUNKEL: auf „Bleecker Street“ zeigen die Schweden, dass sie genauso federleicht harmonieren können wie die Original-Autoren. Naturgemäß werden bei MTV unplugged auch jede Menge ruhige Töne angeschlagen. So ist aus „You Can’t Steal My Love“ wieder die Pianoballade geworden, die sie ursprünglich mal war, bevor das Lied zum Rocksong umfunktioniert wurde. Auch „Ochrasy“ und „Ringing Bells“ sind eher stille Vertreter, die sich jedoch ausnehmend gut machen und auch MANDO DIAO bestens zu Gesicht stehen.

Die komplette Tracklist der limitierten 2-CD-Special-Edition liest sich folgendermaßen:

Long Before Rock’n roll
Sheepdog
Losing My Mind
Chet Baker
Gloria
Song For Aberdeen
All My Senses
Dance With Somebody
High Heels
Down In The Past
How We Walk
No More Tears
You Can’t Steal My Love
Ochrasy
The New Boy
Ringing Bells
Mean Street
Your Lovers Nerve
Mr. Moon
Hail Your Sunny Days
Victoria
Bleecker Street
If I Don’t Live Today
God Knows

Die 24 Songs machen samt und sonders Spaß, lediglich ”Chet Baker” ist für meinen Geschmack ein bisschen zu reduziert ausgefallen und bewegt sich zu sehr Richtung Jazz. Was aber irgendwie auch keine große Überraschung ist, wenn ein Jazzmusiker besungen wird… Ansonsten sei abschließend gesagt, dass die skandinavischen Rotzlöffel offensichtlich auch mit zarten Streichern umgehen können und auch mit gezogenem Stecker immer noch jede Menge Druck machen.

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