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MARILLION - Marbles on the Road (DVD)

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Marillion-Marbles-Road.jpg
Artist MARILLION
Title Marbles on the Road (DVD)
Homepage MARILLION
Label EDEL RECORDS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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In dem auf dieser DVD enthaltenen Promofilm sprechen die Musiker offen über die schwere Geburt des letzten Studioalbums. Es ist die Rede von zweieinhalb Jahren ununterbrochener Arbeit, von Abkapselung, Maß- und Zügellosigkeit, Selbstverliebtheit, von stundenlangen Diskursen über einen einzigen Akkord und den nackten Wahnsinn. Die im Titel angedeutete Redewendung „to have lost one’s marbles“ war uns beim ersten Kontakt vollkommen entgangen, doch fiel schon damals auf, dass Steve Hogarth reichlich oft krächzte, als habe er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Die Musik aber wirkte weder verkopft, noch paranoid, sondern ruhte in schlichter und stiller Schönheit.

Der gleiche gefühlte Gegensatz stellt sich nun beim Genuss von „Marbles On the Road“ ein. Hogarth verdreht so häufig und angsterregend die Augen und verrenkt den Körper in derart unmögliche Positionen, dass man um seine geistige Gesundheit bangen muss, doch ist die Harmonie der Bandmitglieder bis über die hintersten Reihen hinaus spürbar. Genau wie viele andere dienstalte Musiker haben MARILLION irgendwann die Gesetze ihres Schaffens hinterfragt, das Unbekannte aufgesucht und dabei mehr als einen Faux-Pas begangen. Doch hat keiner jemals am Fortbestehen gezweifelt, an der schicksalhaften Verbundenheit. Davon zeugen vor allem die beiden Zugabenblöcke, in denen junge und alte Klassiker einträchtig nebeneinander stehen und sich reibungslos ineinander verschränken. „The Party“ und „Cover my Eyes“ klingen gar frischer, „Living with the big lie“ noch verbitterter und wütender als zur Zeit ihrer ersten Veröffentlichung. Doch sind dies nur die Murmeln auf dem Marmorkuchen, denn das Hauptprogramm besteht aus einer integralen und bis auf eine Aufnahme auch in der Abfolge der Titel identischen Live-Darbietung des Studiowerks: Lediglich das bizarre „Drilling Holes“ wurde durch das von der Doppeldisc-Ausgabe bekannte und heftig rockende „The Damage“ ersetzt. Ort des Geschehens ist das ausverkaufte londoner Astoria, das Publikum mutet erfrischend gemischt an – die Singleauskopplung „You’re Gone“ war vollkommen überraschend in die Top 10 eingestiegen und hat der Band offensichtlich den einen oder anderen neuen Fan beschert. Es ist schwer vorstellbar, dass nicht jeder einzelne von ihnen sich nach dieser Performance den gesamten Backkatalog ins Haus holt. Steve Rothary erinnert mit Bäuchlein und Halbtonsur eher an einen Benediktiner als einen Rockstar, begeistert jedoch mit subtilen, bluesigen Licks und brillianten Soli. Pete Trewavas widerlegt alle Klischees zum Thema Bassist und entwickelt sich mit ebenso viel Energie in den Füßen wie dem Daumen zum Aktivposten. Und Steve Hogarth musste sich – möglicherweise nach dem Schmieren eines Schinkensandwichs – den Finger bandagieren lassen, doch klingt seine Stimme selbst nach einer Stunde Dauerbelastung unversehrt und klar. Es ist der letzte von zwei Abenden, man ist entspannt und hungrig und zu Späßen und kleinen Seitenhieben aufgelegt. „You’re all going to be checking if I said the same things as last night“, scherzt Hogarth vor dem Anstimmen von „Don’t hurt yourself“ und fügt sardonisch hinzu: „Like Paul McCartney“. An einer anderen Stelle, beim Intro zu “Marbles IV” verspielt man sich, setzt jedoch lachend und mühelos erneut an. Die Makellosigkeit der Musik bleibt auch unter den erschwerten Bedingungen einer Show niemals auf der Strecke: Selbst ein halbes Jahr nach dem ersten Hören sind noch nicht alle Mysterien von „The Invisible Man“ geborgen, noch immer wünscht man sich, der taumelnde, rauschhafte Mittelteil möge ewig andauern, nur um dann vom ebenso magischen Finale versöhnt zu werden. Und auf der Platte ein wenig untergegangene Tracks wie „Fantastic Place“ bekommen eine zweite Chance.

Die Kameraführung ist schnell, ohne zu nerven und wenn es überhaupt etwas auszusetzen gäbe, dann die Tatsache, dass die tanzenden Smarties, Computeranimationen und Fotomontagen auf dem großen Projektionsschirm reichlich abgeschmackt überkommen – ein leicht zu verschmerzendes Manko. Das Risiko einer langen Abwesenheit nach gerade geglücktem Comeback hat sich für MARILLION und alle, die diese Band lieben, mehr als ausgezahlt. Auch wenn viele das Gequälte, hermetisch geschlossene und Eigenbrötlerische von „Brave“ vorziehen werden – der neue Optimismus steht der Band gut zu Gesicht und eine stärkere Einheit als auf „Marbles on the Road“ wird man derzeit nirgendwo finden.

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