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MARTYR DROID - The Journey

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Artist MARTYR DROID
Title The Journey
Homepage MARTYR DROID
Label MESCALINUM MUSIC RESEARCH
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Was man versprochen hat, muss man auch halten! Diejenigen von Euch, die meine Rezension zum Sampler “Mescaline Injection” gelesen haben, werden sich vielleicht an mein Vorhaben erinnern, einige von den Künstlern bzw. Wissenschaftlern des viel versprechenden Mescalinum-Teams unter die Lupe zu nehmen… Eine hervorragende Gelegenheit dazu bietet das vor kurzem auf eben jenem Label erschienene zweite Opus des Ein-Mann-Projekts MARTYR DROID, dessen düsterer Elektro-Dub mich auf der Kompilation schon sehr beeindruckt hatte. Offensichtlich hatte ich bezüglich dieses Albums sehr hohe Erwartungen, jedoch war jenes diesen in jeder Beziehung gewachsen. Eins steht fest: mit “The Journey” handelt es sich zweifellos um das, was man unter Musik fürs Kopfkino versteht. Und wenn diese Reise für jeden Hörer vermutlich woanders hinführt, für mich war es schon ab den ersten Klängen klar: es sollte das Eintauchen in eine dieser futuristischen Städte werden, wie man sie aus den Comics oder Mangas kennt, in eine Welt, wo die Maschinen die noch herrschenden Menschen herausfordern…

In dem Augenblick, wo sich das Album mit rückwärts gespielter Synthetik, digitaler Klassikinstrumentierung und einer ungewohnten GODFLESH-Rythmusmaschine eröffnet, befindet man sich noch im daherschwebenden Flugzeug. Langsam entschleiert sich vor unseren Augen die grenzenlose, dicht bebaute und bedrückende Stadtlandschaft. Mit dem Ohrwurm “Lost in Transition” beginnt zum Klang der typischen 90er-Techno-Soundflächen der Anflug. Die Rhythmik à la SCORN und das geniale analoge Gekurbel reißen uns von nun an weiter in die Tiefe, denn alsbald die ersten Dub-Beats des dritten Stückes erklingen, befinden wir uns schlagartig in einer der dunklen Gassen der grauen Stadt. Während sich das Unheil verkündende Dröhnen der Metropole ins Trommelfell legt, sammeln sich schon im Dunst der dampfenden Kanalisation die ersten beunruhigenden Figuren der heimischen Fauna. Auf “Into the Unknown” verlangsamt sich der Dubrythmus und die Atmosphäre wird beklemmender, da der Weg des Protagonisten uns in die Untergeschosse der Stadt mitreißt, in eine Art unterirdisches Rotlichtviertel oder verbotene Zone, wie etwa im Mangaklassiker AKIRA oder im “Nuitnal” von FULBER YOULOU. Dort erwartet uns der Unrat der Welt, der da von Gitarrenakkorden und symphonischen Einlagen getragen wird. Mitten in der Dunkelheit bemerkt man aber jedoch dann und wann Lichtstrahlen die sich durch die Schießscharten und Luftschächte hineinschleichen, wie auf “When a machine dies”, wo hellere, melodische Flächen ein plötzliches Gefühl der Ausgeglichenheit vermitteln – bevor die mit Reverb geladene metallische Stimmen uns in die urbane Hölle zurückreißen. Auf “Reactor” machen der beschleunigte Rhythmus und die gespannte Stimmung die Bedrohung deutlich spürbar. Im Hintergrund tönen die Fanfaren der Verfolgenden, Flugscheiben düsen über die Häupter hinweg, während der Protagonist vor einer Armee der Cyberwesen die Flucht ergreift. Bald gerät er noch ein Stockwerk tiefer, irrt auf “Black Dimension” in endloses Gängegewirr, und weitere Geheimnisse offenbaren sich, während er Zeuge einer andachtsvoll in gleißendes Licht marschierende Horde von Gugeldroiden wird (“Photon Zone”). Endlich erreichen wir im Klang der Klaviermelodie von “Facing Serenity”, ein Wärme-ausstrahlendes Stück à la RELOAD, das Herz des Wirbelsturms, das große Geheimnis der Stadt, ihre innere Sonne. Ein paar Minuten der Ruhe und Schönheit bevor “The End of it all”: im Wiederaufkommen der Hoffnungslosigkeit vermengt sich der Protagonist mit dem scheinheiligen Licht und wird für alle Ewigkeit gezwungen, den Fluch der Droidenherde zu teilen…

Am Ende der Reise, kehrt man begeistert zur Erde zurück, und wünscht sich nur eins: die Platte noch einmal aufzulegen, um sich in den Film erneut zu vertiefen. Was mit solch einer spannungsgeladenen, ständig dramatischen CD immer wieder möglich sein dürfte. Musikalisch ist zwar der vom Künstler selbst zugegebene Einfluss von Mick Harris nicht zu überhören, aber die Musik MARTYR DROIDS ist viel zu symphonisch, um sich auf diesen Einfluss reduzieren zu lassen. Man befindet sich hier halbwegs zwischen SCORN und dem DARK VINYL Sound (HADIT, PHALLUS DEI). Man erkennt zwar bekannte Elemente wieder, jedoch gehen die Stücke letztendlich immer ihren eigenen, nicht vorhersehbaren Weg. Atmosphärisch gleichen die Tonbilder den Werken eines Bilal oder Jodorowsky, indem das düstere Gesamtbild durch die kontrastreiche und farbenvolle Ästhetik nie beklemmend oder bedrohlich wird. Diese “Reise” eines gemarterten Droiden beweißt wieder mal, dass Martyrium und wahres künstlerisches Schaffen Hand in Hand gehen. Hut ab, Herr Droid!

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