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MERZBOW VS NORDVARGR - Partikel

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Merzbow-Nordvargr-Partikel.jpg
Artist MERZBOW VS NORDVARGR
Title Partikel
Homepage MERZBOW VS NORDVARGR
Label COLD SPRING
Veröffentlichung 14.09.2004
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

Eine Frage darf man im Musik-Business niemals stellen, nämlich die, ob man das alles wirklich braucht. MERZBOW weiß das besser als jeder andere, denn er hat seine Karriere in entscheidendem Maße auf den Überfluss gebaut, auf das Nicht-Sortieren, das Nicht-Editieren, den Wildwuchs. In derselben Zeit, in der man seine neue Scheibe hört, spielt er am anderen Ende der Welt schon wieder eine weitere ein – man kann dieses Wettrennen nicht gewinnen. Die „Merzbox“ enthielt fünfzig CDs, davon zwanzig mit neuem Material, „NoisEmbryo“ wurde in die HiFi Anlage eines Mercedes eingeschweißt (geschätzter Preis für das Album somit 100.000 Euro). Weil das alles schon jetzt viel zu viel ist, hat sich Masami Akita in eine Art Sackgasse manövriert: Sein Kunstwerk ist nicht das einzelne Album, sondern der Prozess. Er wird niemals aufhören dürfen.

Da steht NORDVARGR auf einem besseren Posten. Auch er veröffentlicht unter derart vielen Pseudonymen, dass der Speicherplatz für diese Seite bedrohlich schrumpfen würde, wollte man sie allesamt hier unterbringen. Doch reicht es stets zum Durchatmen, zur Rückschau und zur Einordnung. Auch wenn man es nicht genau sagen kann, muss man deswegen davon ausgehen, dass die entspannten Stellen auf „Partikel“ auf sein Konto gehen, während die ungehobelten Noise-Attacken von seinem japanischen Partner stammen. In zwei der drei hier versammelten Tracks (Gesamtlänge beinahe eine Stunde) führt das zu einem immerhin streckenweise faszinierenden Aufeinanderprallen – zu einer Verschmelzung kommt es jedoch niemals. „Tardyon Storm“ beginnt wie ein wirrer Krautrockfiebertraum mit einer tiefen, sich ständig verstimmenden Bassfläche auf schleichenden Rhythmuspantoffeln, über der Geistergemurmel und ätherisches Zwitschern schweben. Plötzlich verdichten sich die Klangwellen zu einem dringenden Geflecht, zu bröckelnden Micro-Claps und wesenlosem Fiepsen. Richard Wagners These, dass Musik ohne Melodie nichts sei, wird hier kongenial widerlegt. Die danach einsetzenden Industrial-Gewitter sind hingegen so frisch wie Tiefkühlpizza, selbst wenn sie diesmal von Dr. Oetker stammt. Leider haben die beiden Protagonisten zudem darauf verzichtet, die auf zwei Seiten des indischen Ozeans aus dem Rechner gekratzten Trümmer zu einer geschlossenen Komposition zusammenzuschweißen und ebenso bruchstückhaft wirkt sie dann auch. Trotzdem: In den besten Momenten überragend. Das abschließende (und mit 7 Minuten geradezu miniaturistische) „Tachyon Paradox“ fährt im Gegensatz dazu von Anfang an auf zwei parallele laufenden Ebenen: Während auf der obenliegenden ein dichter Klangteppich gleißt und gleitet, bewegen sich darunter glucksende Muster von links nach rechts und auf der Stelle, klingeln Alarmwecker und schnickseln schnurrende Sounds. So weit so gut, doch ob man das beinahe halbstündige „Kyoufu-O“ wirklich gebraucht hätte, soll an dieser Stelle offen bleiben. Böllernde Beats hüpfen wie Wüstenspringmäuse, mysteriöse Harmoniesprengsel erscheinen wie asthmatische Dub-Effekte aus dem Echo und im Hintergrund röchelt eine auslaufende Badewanne, durch deren Abfluss die ganze Schose irgendwann hinausgesogen wird, nur um mit klappernden und klackernden Eisenspänen beim Nachbarn wieder aufzuschwemmen. Und das, lieber Leser, hört sich spannender an, als es ist.

Man darf jetzt danach fragen, ob es das nicht vorher schon mal so oder so ähnlich gegeben hat. Ob mit ein wenig mehr Sorgfalt und Mühe aus dem Flickenteppich eine nahtlose Einheit hätte werden können. In wieweit das hier Gebotene dem von Akita aufgeworfenen Bild von dem Zeichner und seinen Ölfarben entspricht. All das darf und muss man vielleicht sogar fragen. Nur nicht, ob man das wirklich braucht. Es muss ja irgendwie weiter gehen.

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