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MUSIKTHEATER DINGO - Es stunt ein frouwe alleine

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Artist MUSIKTHEATER DINGO
Title Es stunt ein frouwe alleine
Homepage MUSIKTHEATER DINGO
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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5.1/10 (43 Bewertungen)

Vorweg, die vorliegende Scheibe ist Musik für den Feingeist, der sich auch an „alten“ Klängen erfreuen kann. Nun gibt es die „alte Musik“ ja mittlerweile in rockiger und metallener Form, dennoch existieren auch einzelne Barden wie SÖREN VOGELSANG oder Formationen à la FAUN und DUNKELSCHÖN, die sich dieser Sparte eher von der akustischen Seite her annähern und alte Lieder traditionell vortragen oder mit humorigen Texten darbieten. Andere wiederum bleiben komplett traditionell. Zu ihnen gehören beispielsweise TRISKEHLE und ganz besonders das MUSIKTHEATER DINGO. Die KünstlerInnen rund um Lothar Jahn fühlen sich der Musik des Hochmittelalters verpflichtet. Mit dem vorliegenden Album wird der weibliche Blick auf die Minne gezeigt. Der Minnesang hatte immer ein Thema: Der Mann, der wie ein Hund leidet, weil ihm die Angebetete nicht einmal ein Lächeln gewährt. Auf Mittelaltermärkten, Spektakeln und Sängerwettstreiten sind die Barden und Spielleute heute wieder anzutreffen und erfreuen das feiernde Volk. Das MUSIKTHEATER DINGO ist zur Begleitband der Musiker geworden. Die Mitglieder recherchieren und forschen in längst vergangenen Zeiten. Einen Teil ihrer Ergebnisse präsentieren sie regelmäßig in musikalischer Form auf CDs. Mit dem vorliegenden Werk versuchen sie, die Kompositionen weiblicher Liederschreiberinnen und Troubadours („Trobairitz“ genannt) einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu holen. Herausgekommen ist eine CD mit liebreizenden, mittelalterlichen Weisen, gespickt mit Monologen und Dialogen eines Sprechtheaters.

Ganz verträumt startet die Scheibe mit „Es stunt ein frouwe alleine“ – weiblicher Gesang und die sanfte Laute regieren. Darauf wird ebenso sanft „Quan vei los praz verdesir“ altprovenzalisch vorgetragen, nachdem zuvor der deutsche Text vorgestellt wurde. Bei der Sanftheit bleibt es bei diesem aus Südfrankreich stammenden Lied nicht, es wird zunehmend von kräftigen Rhythmen unterstützt und geht dann wieder in ruhige Sphären über. Kraftvolle Trommeln begleiten die Trauer und Wut auf den Geliebten in „A chantar“. Doch dann geht es mit Jubel und Heiterkeit und Trötenstimmung mit dem Tanzlied „A l’entrada“ auf die fröhliche Spur. Eintauchen in die Geschichte heißt es mit „Eleonores Monolog“, wenn Eleonore von Aquitanien von ihrem Mann Henry Plantagenet und ihrem Sohn Richard Löwenherz berichtet. So schwungvoll die europäische Geschichte, so schwungvoll der musikalische Abschluss dieses Tracks. Eher orientalisch mutet das in Altfranzösisch gesungene Lied „Amours ou trop“ aus dem 13. Jahrhundert an, welches aus der Feder Blanka von Kastiliens, einer Enkelin Eleonores, stammt. Im Lied „Eifersüchtig ist mein Mann“ macht sich die Frau über ihren eifersüchtigen Mann lustig und setzt ihn schließlich vor die Tür. Während dessen unterhalten sich die „Dame Margot et Dame Maroie“ über die Liebe. Aus der Feder Hildegards von Bingen stammt „Caritas abundat“, was einem gregorianischen Choral gleicht und seine Nähe zur christlichen Musik demonstriert. Aufgelockert wird dieses Lied durch Klänge von Gemshörnern, die das Ende beschließen. In einem weiteren musikalischen Block geht es um den Falken, der als Jagdwaffe zur damaligen Zeit gezüchtet wurde. „Ich zog mir einen Falken“ ist eine wunderschöne, mittelalterliche Ballade, die heute durchaus im Genre der mittelalterlichen Unterhaltungsmusik Platz hätte. „Die Trappgans“ klingt aufgrund der Klänge von Drehleier und Bass-Cornamuse überwiegend keltisch und lädt zum Tanzen ein. Ebenfalls wird mit „Töchterlein“ zum Tanzen aufgespielt. Bei diesem Lied kommt der Hörer kaum umhin, das Bein zu schwingen. Eher von Trauer befallen, gleichfalls im gedämpften Tempo, das Lied „Minne, traute Minne“. Schließlich „Mütterlein“ vom selben Troubadour wie „Töchterlein“ mit ähnlicher Melodei. Die Texte der letzten beiden Songs der CD, „Mariam matrem“ und „Dy Minne“, stammen von Mechthild von Magdeburg. Die Musik ist aus traditionellen Liedern abgeleitet, wobei die Bearbeitung von „Dy Minne“ auf Frank Wullf von OUGENWEIDE zurückgeht.

Das MUSIKTHEATER DINGO unter der Leitung von Lothar Jahn präsentiert mit dem Album eine hervorragende Arbeit in Sachen Kombination von Originaltexten und ihren deutschen Übersetzungen mit musikalischen Arrangements. Liebhaber der Szene werden dieses Album lieben lernen.

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