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MYSTONS - Alkaem

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Mystons-Alkaem.jpg
Artist MYSTONS
Title Alkaem
Homepage MYSTONS
Label ELUCCAARTS
Leserbewertung
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7.7/10 (3 Bewertungen)

Dass Musiker aus dem schönen Finnland gelegentlich ein wenig verrückt sind und noch viel häufiger einen deutlichen Hang zum Mystischen haben, dürfte an dieser Stelle hinlänglich bekannt sein. Allerdings besitzt diese Aussage plötzlich noch eine ganz andere Qualität, nachdem man sich mit den MYSTONS beschäftigt hat. Letztere bestehen aus den drei Herren M, Jay und John Paul Myston, dem Dritten, die Gerüchten zufolge die letzten Überlebenden einer norditalienischen, religiösen Gruppierung aus dem 14. Jahrhundert sein sollen. Ääääh ja, genau. Die meiste Zeit müssen sie seitdem im Verborgenen agiert haben, denn auf den bisher ausschließlich finnischen Bühnen dieser Welt sind sie erstmals 2007 in Erscheinung getreten, und mit „Alkaem“ liegt nun ihr zweites Studioalbum vor.

Passenderweise zelebrieren sie darauf dann auch ihre ureigene Version des „Mystic Rock“, die tatsächlich sehr konsequent den leicht modrigen Charme von feuchten und dunklen Klosterkatakomben in die heimische Stereozone transportiert. Gewöhnungsbedürftig ist das zunächst schon, was nur zum Teil an dem doch stark garagenlastigen Sound der Scheibe (übersteuerter Rotzgesang inklusive), sondern auch an den im ersten Moment ein wenig platt bis teilweise sogar albern wirkenden Melodien liegt. Nach wenigen Minuten reift dann jedoch die durchaus beruhigende Erkenntnis, dass sich die Gebrüder Myston wohl selbst nicht unbedingt so ganz ernst nehmen. Man beginnt ein Konzept hinter der Selbstironie zu entdecken, mit der hier bestehende Klischees aufgegriffen, praktiziert und anschließend mit weiteren Klischees kontrastiert werden. Die Riffs eines noch sehr jungen TONY IOMMI nehmen den Kampf mit dem dämonischen Pathos eines GLENN DANZIG auf, während im Hinterhof ein verirrter Werwolf die STRAY CATS ankreischt, die soeben noch fingerschnippsend die „bullet through the fucking head“ besungen haben. Ein Glück, dass bei soviel Verwirrung allerorten noch Platz für ein Gläschen Wein am lauschigen Lagerfeuer bleibt. Erstaunlich daran ist, dass all diese so unterschiedlichen Elemente in kompakte 36 Minuten gepackt werden, ohne dass das Gesamtpaket dadurch inhomogen wirkt. Ein wenig versponnen, ja, aber dennoch insgesamt aus einem Guss. Dabei kommt den MYSTONS zugute, dass sie trotz der leicht humorigen Note in ihrer Musik die verwendeten Stilelemente niemals ins Lächerliche ziehen, sondern ihnen stattdessen mit einer schmunzelnden Verbeugung die ihnen gebührende Ehre erweisen. Und obwohl die zehn Songs auf „Alkaem“ durchweg eher simpel gehalten sind, bekommt man doch eine Ahnung davon, dass man es hier mit Musikern zu tun hat, die durchaus wissen, was sie tun, nämlich vor allen Dingen niemals mehr, als sie tatsächlich kompetent rüberbringen können.

Nicht zuletzt dadurch bezieht „Alkaem“ schlussendlich seinen sympathischen Charme. Insgesamt sicherlich ein Album, was mehrere Durchläufe braucht, um alle seine Qualitäten zu beweisen, am Ende dann aber doch vor allem eines: Mystic Rock!

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