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NARCISO IBANEZ SERRADOR - Ein Kind zu töten… (DVD/ CD)

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Artist NARCISO IBANEZ SERRADOR
Title Ein Kind zu töten… (DVD/ CD)
Homepage NARCISO IBANEZ SERRADOR
Label BILDSTÖRUNG
Veröffentlichung 13.02.2009
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Spanien und Science Fiction? Ausser der Tatsache, dass beide Begriffe mit “S” anfangen, wird man sonstigerweis kaum Berührungspunkte finden. Na gut, da gibt es Paule Naschbär, aber dessen Exkursionen ins Land der Feen und Elfen mit ernsthafter Zukunftsmär in Verbindung zu bringen, grenzt an Blasphemie… Da handelt es sich ja vielmehr um abgefahrenen Retro-Trash. Aber eine Ausnahme gibt es (sieht man einmal von dem glänzenden ABRE LOS OJOS ab, der neueren Datums ist): TÖDLICHE BEFEHLE AUS DEM ALL aus dem Jahre 1976 vom damals 40jährigen Narcisco Ibanez Serrador. Dieser wohlklingende Namensträger hatte davor erst einen Film verbrochen, DAS VERSTECK mit Lilli Palmer aus dem Jahre 1969 (in Deutschland erschienen auf VCL) und hinterher wurden`s noch weniger. Seine grosse Zeit begann erst in den 80ern als Regisseur diverser äusserst erfolgreicher Game-Shows in Spanien. Wobei auch bei seinem Meisterwerk mal wieder der deutsche (Video-)Titel stumpfsinnig ins Nirvana führt, denn mit Ausserirdischen hat dieser feingewobene Suspense-Shocker nicht das geringste zu tun. Vielmehr wird man nicht einen einzigen Spezial-Effekt in dem Streifen finden, kein Armageddon, keine Supernova, einfach nur eine gute Geschichte. So was ist selten gewesen anno 70er Jahre und über die heutige Situation braucht man gar nicht erst nachzudenken.

Die Handlung sei kurz skizziert:
Ein amerikanisches Urlauberehepaar (Fiander und Ransome), sie schwanger und leicht naiv, er ein pseudointellektueller Grübler, wandern abseits Zlatkomässiger Pauschaltouristen auf einer kleinen spanischen Insel. Dort angekommen mehren sich die Zeichen unheilvoller Begebenheiten. Die staubigen Strassen wie ausgestorben sind lediglich einige Kinder zugegen, welche zwischen Ablehnung und Spott gegenüber den “Eindringlingen” pendeln. Das “Inselduell” kann beginnen, der Preis ist der Tod. Schon auf der Hinfahrt werden mehrfach mehr oder weniger geschickt Anspielungen auf das Schicksal der Kinder dieser Welt gegeben. Bürgerkriege, Hungersnöte, das fehlerhafte Betragen der Erwachsenen allgemein lässt die unschuldigen Bälger leiden und nun schlagen sie gnadenlos zurück. Ohne konkret auf den unmittelbaren Anlass einzugehen (im Gegensatz zum deutschen Titelversuch) entlädt sich die Agression in gnadenloser Brutalität. Die beiden Erwachsenen und gleichzeitig die einzigen Identifikationsfiguren schlagen erst spät zurück, nachdem der Selbsterhaltungs- den Niedlichkeitstrieb ablöst. Doch Eva ist schwanger, was den Drehbuchautor zu einer besonders perfiden Idee trieb. Schon allein der Name “Eva”, die Urmutter, beinhaltet eine gewisse Symbolik und diverse Situationen und Diskussionen gehen in dieselbe Richtung. Ist es heute noch legitim Kinder in die Welt zu setzen? Haben die Erwachsenen überhaupt genug Verantwortung? Müssen die Kinder dieser Welt nicht geradezu eine Art Selbstreinigung durchführen?

Das Ende ist hoffnungslos und erinnert mich stark an Cronenbergs PARASITENMÖRDER, wo das Unheil für diese Welt auch von einer Insel ausging. Inhaltlich gibt es natürlich auch Parallelen zu Kierschs KINDER DES ZORNS, der diesem kleinen Meisterwerk aber nicht das Wasser reichen kann. Technisch ist der Streifen ausreichend solide und die latente Bedrohung, die erst relativ spät offen ausbricht, zieht den Zuschauer in seinen Bann. Die beiden Hauptdarsteller stammen selber von einer Insel, und so spielen sie auch: ausgesprochen isoliert. Ransome und Fiander gehören beide nicht zur Elite absoluter Weltstars, haben aber ganz ordentliche Filmographien vorzuweisen. Prunella spielte in DIE HERRIN VON THORN HILL (J. Schlesinger) und ALFRED, DER GROSSE (Clive Donner, mit David Hemmings in der Hauptrolle). Ausserdem durfte sie eine Folge der Krimiserie (im Original) DIE ZWEI veredeln. In Italien partizipierte sie an der Miniserie KILLERMÖWEN GREIFEN AN von Nestore Ungaro (Zusammenschnitt auf ARCADE erschienen). Lewis Fiander, 1938 geboren, begann seine Karriere mit den Horrorstreifen DR JEKYLL UND SISTER HYDE sowie DIE RÜCKKEHR DES DR. PHIBES und trat letztens noch in der erfolgreichen Brit-Serie HALIFAX auf. Das Fehlen bekannterer Mimen stellt aber überhaupt kein Manko dar, weil die Story den Filme locker allein trägt (Wohin eigentlich?).

Bestimmt nichts für oberflächliche Action Junkies, aber dieser kulturpessimistische Soziofictioner wird für nachdenkliche Zeitgenossen sicher eine spannende Diskussionsgrundlage sein.

Anhang 2010: Mittlerweile ist der Film in einer nahezu perfekten DVD bei dem sehr anerkennenswerten Label Bildstörung erschienen. Uncut (inkl. der immens wichtigen Einleitung), mit Extras (Interviews, Trailer, Lobbycards), einem inhaltlich „richtigen“ Titel und sogar einer Soundtrack CD (Komponist Waldo de los Ríos beging übrigens 1977 in schwer depressivem Zustand Selbstmord…). Wer hier als Genrefreund nicht zuschlägt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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