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NID - mus:pellsheim

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NID-Muspellsheim.jpg
Artist NID
Title mus:pellsheim
Homepage NID
Label EIGENPRODUKTION
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Wie mus:pellsheim wohl aussehen mag? Ganz so unangenehm kann es dort nicht sein, denn NID halten sich nun schon ganze zehn Jahre dort auf. In dieser Zeit haben sie einer Armada aus Plattenfirmen jeweils genau eine Veröffentlichung geschenkt (nur den Franzosen von Amanita und den Engländern von D.A.R.K. zwei) und sind europaweit auf den kleinen Bühnen einer kleinen Szene zu kleinen Stars geworden – oder zumindest zu Gesichtern, die man wiedererkennen würde, wenn sie um halb vier Uhr morgens an der Tanke neben einem ein Bier kaufen würden. Das wird dieses Trio, dessen Konstanten an teure Parfums angelehnt (mit leichten Abzügen in der B-Note) Bern-Bremen-München lauten, wenig kümmern – denn wer seine Musik ohnehin nur für den Moment konzipiert, wird in den Annalen der Popmusik nicht einmal zu einer Fußnote gelangen.

Zur Erklärung: Ausgangsbasis der Bemühungen ist der Gedanke, dass Klang im Augenblick verharren und nicht wiederholbar sein sollte. Deswegen entstehen sämtliche NID-Kompositionen (falls dieses Wort in diesem Zusammenhang überhaupt Sinn ergibt) aus Sessions und sind als solche nicht reproduzierbar. Damit stehen sie CAN, aber auch BLIND FAITH näher als so manchem Dark Ambient Projekt, mit dem sie in der Vergangenheit auf der Bühne standen – und war nicht auch ERIC CLAPTONS improvisatorische Phase bei weitem inspirierender als seine handwerklich soliden, gutbürgerlich gemächlichen Tribute an Bob M. und den Blues? Überhaupt sollte man nicht vergessen: Improvisation bedeutet nicht sofort Unstrukturiertheit und so ist es auch hier. NID sind keine Schlafzimmernerds, ihr Zusammenspiel gleicht viel mehr dem einer Band als einem Austausch von Elektronen. Man konnte das auf dem Konzert im Cuba gut beobachten: Die stärksten Momente fanden immer dann statt, wenn sich die Protagonisten nicht anzusehen brauchten, wenn die Kommunikation wortlos erfolgte und die einzelnen Elemente sich telepatisch zu einem neuen Sinnzusammenhang verbanden. Großartig auch auf dieser CD zum Beispiel „yme:“: Da wird man zunächst in den Zoo geleitet, während einen eine wahrscheinlich zufällige Melodie a la THE ORB im Hintergrund beunruhigt. Verstörende Sequenzen, die Nebel lichten sich und plötzlich ist da ein klassisches Symphonieorchester, dessen Spiel seltsam vertraut anmutet. Lediglich ein tumbes Klopfen verstört die Ruhe – da will jemand aus dem Sarg! Trotzdem ist das niemals altbackene, stumpf-dunkle Mucke, sondern „Picture Music“ erster Güte. Selbst dann, wenn NID nur Versatzstücke kopieren und eigentlich langweilig sein müssten, sind sie es nicht, wie in „s:urt“, bei dem wirre Sprachbahnen unter einem gurgelnden Dröhnen ihren Weg suchen. Lediglich „aeg:ir“ gerät mit seiner berechenbaren Geräuschkulisse und einem wenig aufregenden Sprachsample recht beliebig.

5 Stücke, 20 Minuten, danach ist schon wieder Schluss. Doch gerade weil diese Stücke so kurz, knapp und präzise auf den Punkt sind, taucht man um so tiefer in sie ein. Als der letzte Ton von „jotu:n“ verklungen ist, setzt man die imaginäre Nadel wieder an den Anfang und wandert erneut durch dieses merkwürdige, doch sympathische Städtchen. Man würde gerne mal nach „mus:pellsheim“ kommen.

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