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ORDEN OGAN - Testimonium A.D.

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Artist ORDEN OGAN
Title Testimonium A.D.
Homepage ORDEN OGAN
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Wie viel Schönheit kann man vertragen? Man mag – etwas einfältig, aber effektiv – entgegnen: Wenn es sich dabei um Laetitia Casta handelt, sehr viel! Doch wird dabei wohl kaum die Frage beantwortet, ob Perfektion durch Bruchlosigkeit oder gerade durch Ecken und Kanten entsteht. ORDEN OGAN lässt dieser Diskurs vollkommen kalt – sie ignorieren die streitenden Parteien einfach und gehen ihrer ganz eigenen Definition von Ästhetik nach.

Die Trendhüpfer und Schubladendenker werden es mit „Testimonium A.D.“ nicht ganz einfach haben, vermeidet das Album doch den einfachen Vergleich und lässt als Referenz nur sich selbst oder die etwas fernere Vergangenheit zu. Was vor allem daran liegt, dass die Truppe um den Komponisten Sebastian Levermann sich nie zu schade oder zu cool dafür ist, in Gefühlen zu baden und die Pracht des Augenblicks ruhig ein wenig länger als üblich auszukosten. Entgegen der aktuellen Lage artverwandter Genres vermeidet man auch die Durchsetzung der eigenen Kunst mit modischen Elektronikelementen, ätherischen Gesängen oder pompösen Arien opernhaft trällender Diven, sowie gelegentlicher Growls. Stets mehr Rock als Metal, mehr STEELEYE SPAN als THE BAND bewahren sich ORDEN OGAN einen gewissen Pop-Appeal bei vollkommener Wahrung ihrer Folk-Traditionen und Erdung am härteren Ende des musikalischen Spektrums. Das mutet vom Ansatz her beinahe altmodisch an, doch wer dabei derartige Songwritertugenden ins neue Jahrtausend herüberrettet, dürfte wohl nur von notgeilen Fortschrittsfetischisten als konservativ verschrien werden. Sieben Stücke stehen auf diesem Album und sieben Volltreffer sind es geworden: Vom nahtlos von furiosem Rifferama zu einfühlsamen Tönen wechselnden „“Ethereal Ocean“ über das mit immer neuen magischen Melodien verblüffende „Moods“ bis hin zum brillanten Finale „The Step away“, einem einzigen großen Refrain, der mit himmlischen Stimmen und verschiedensten Variationen bis zum letzten Tropfen ausblutet. Nach vierzig Minuten, genau zwei Plattenseiten später, ist der Traum schon wieder vorbei – keine Sekunde zu früh, keine zu spät.

Ein Meileinstein für die Band mit Sicherheit, doch mit Vorsicht gesprochen auch einer für das ganze FolkMetal-Genre. Perfektion, so lernen wir, braucht beides – den rauen Schmelz des Whiskeys und die Süße der Wärmfläsche. Auf „Testimonium A.D.“ gelingt diese Gratwanderung manchmal so gut, dass man es kaum erträgt.

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