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OVERLOAD (FR) - The Imagery Process

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Artist OVERLOAD (FR)
Title The Imagery Process
Homepage OVERLOAD (FR)
Label KLONOSPHERE
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

In China wird bekanntermaßen gerne mal die ein oder andere Produktidee der westlichen Wirtschaft aufgegriffen und mit dekadenter Trivialität reproduziert. Obwohl Händler und Verkäufer eigentlich gar nicht genau wissen, was es mit Festen wie Weihnachten genau auf sich hat, sagt es ihnen sehr zu, dass gerade kurz vor den Festtagen haufenweise lustig singender und in Augenkrebs verursachenden Intervallen blinkender Elektroschrott verscherbelt werden kann. Erwartungsgemäß verebbt das äußerst beängstigende Quieken des ulkig hin- und herschaukelnden Weihnachtsmanns daheim jedoch bereits nach fünf Minuten Betrieb in heiseres Geröchel. In Anbetracht dessen sollte man der versammelten Mannschaft von OVERLOAD umgehend gehörig auf die Finger hauen, besitzen die erst 2006 gegründeten Franzosen doch tatsächlich die Kühnheit, sich ähnlich peinlichen Machenschaften hinzugeben.

Obwohl man mit dem dargebotenen Schwedenmetal-Theater den großen interkontinentalen Schritt nicht einmal wagt, fällt das bereits zweite Album „The Imagery Process“ vergleichbar ernüchternd aus. Zwar gehört das Röcheln und Grunzen hier zum durchaus zu begrüßenden Standard, technische Probleme sind auch nach Ende der rund 40 Minuten lang durchlaufenden Platte nicht zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil wird das durch die echt nordischen Marktführer vorgeführte Handwerk mit besonderem Eifer verrichtet, bevorzugt in zermalmenden Melodiemärschen und Solo-Pilgerfahrten. Doch genau an dem Punkt verarmt auch die Scheibe, da einfach keines der zehn Stücke so richtig den mutigen Schritt zur Eigenständigkeit wagen will und kleine Umwege in Kauf nehmend, den vorgegeben Pfad auch mal verlässt. Stattdessen wird dermaßen aggressiv Richtung Ziel gesprintet, ohne dabei wenigstens ab und zu die durch die eröffnende Titeltrack-Walze vorgelegte BpM-Zahl etwas nach unten zu schrauben. Der industrielle Einfluss könnte durch Zufuhr weiterer, markanter Härte und, gepaart mit den düsteren DARK TRANQUILLITY-Pianos, einen möglichen Ausweg aus der Misere weisen, wie „Burden“ zumindest ansatzweise vorführt. Doch man kann diesen Ansatz nur noch einmal kurz in einem zweiminütigen Cyber-Interlude handfest aufgreifen und reitet ansonsten wie gewohnt wild auf den Melodien, Doublebass und Skandinavien-Riffs herum. Energiegeladen und unerwartet heftig steigt „My Odyssey“ aus der Asche der eher mittelprächtigen ersten Hälfte hervor, hackt mit versteckten Keys und anstandsloser technischer Macht natürlich direkt auf den Nerv und klingt somit deutlich am längsten nach. Könnte dies der wichtige Fingerzeig sein? Den Knackpunkt markiert es auf diesem Album zumindest nicht. Zum Ende hin stößt man sich die Hörner nur etwas thrashiger an „First Dead Born“ ab, ansonsten geschieht im Folgenden nichts, was noch einmal benannt werden müsste.

Man kann daher wohl nur mit der Omnipräsenz absoluter Sturheit erklären, dass der Modern-Melodeath-Baukasten weiterhin so häufig und derart tölpelhaft verwurstet wird. Nun ist das zweite Album der falschen Schwedenhasen aus Frankreich nicht als absoluter Schrott zu bezeichnen, dennoch verhält es sich mit OVERLOAD nunmal wie mit diesen weihnachtlichen Stromfressern: zu schnell sind die Ressourcen aufgebraucht, die Einfälle versickert. Immerhin ein Austausch der Batterien sei hiermit erbittet. Danke.

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