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PAUL MCCARTNEY - Kisses On The Bottom

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Artist PAUL MCCARTNEY
Title Kisses On The Bottom
Homepage PAUL MCCARTNEY
Label CONCORD MUSIC GROUP/ UNIVERSAL MUSIC
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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7.2/10 (5 Bewertungen)

„Paul’s personal tribute to personal favourites“, heißt es auf der Webseite des Meisters über das neue Album. MACCA interpretiert amerikanische Evergreens aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts, Lieder, mit denen er aufwuchs und die sein Vater und seine Verwandten bei Familienfeiern zu singen pflegten. Eine ganz persönliche Sache also, eine Herzensangelegenheit.

Nun könnte man natürlich einfach sagen: Tolle Sache, der Mann macht, was ihm Spaß macht, kompromisslos und ohne Rücksicht auf die kommerzielle Verwertbarkeit. Wer wie er seit vierzig Jahren erfolgreich im Geschäft ist, kann sich das ja auch leisten. Und im Trend liegt er damit ja gewissermaßen auch, schließlich haben schon andere Altstars, angefangen mit ROD STEWART, ähnliche Projekte durchgezogen, wenn auch nicht unbedingt erfolgreich. Aber vielleicht landet ja PAUL damit den großen Wurf. Schließlich hat er aus seiner Vorliebe für Music-Hall-Songs nie einen Hehl gemacht, schon zu BEATLES-Zeiten nicht. Und dass er ein Händchen für diese Art von Pop hat, die man bei anderen als schmalzig bezeichnen würde, steht wohl schon seit „Yesterday“ außer Frage. Natürlich ist seine Adaption von Klassikern wie „I’m Gonna Sit Right Down And Write Myself A Letter“ handwerklich gut gemacht, auch dank der Jazzpianistin DIANA KRALL, die MCCARTNEY mit ihrer Band bei diesem Abenteuer begleitet hat. Und dass es einen Markt für die wiederaufbereiteten Nettigkeiten aus der Vorkriegszeit gibt, zeigt ja auch der enorme Erfolg von Schmachtlappen wie MICHAEL BUBLÉ. Für einen Rockfan ist „Kisses On The Bottom“ allerdings eher eine Herausforderung – das Arrangement ist enorm zurückhaltend und so fürchterlich soft und nett, dass man aufpassen muss, nicht am Sirup von „More I Cannot Wish You“ kleben zu bleiben. „Paper Moon“ ist launig und mit seinen schrammeligen Geigen originell und knackig, aber damit auch schon einer der wenigen Höhepunkte der Platte, die insgesamt ein knappes Stündchen ohne große Stimmungswechsel freundlich vor sich hin plätschert.

Ein ums andere Mal klimpert Kralls Klavier, zischen die Besen über die Snaredrum, tiriliert die Akustikgitarre. Jene Songs, bei denen MCCARTNEY gesanglich ein bisschen mehr auf die Tube drückt – wie bei „Valentine“, einem der zwei Songs aus eigener Feder, die er unter das Altmaterial geschmuggelt hat – lassen ein wenig aufhorchen (ebenso wie die meisterlich von Eric Clapton gespielte Gitarre bei „Get Yourself Another Fool“). Vielfach zieht MCCARTNEY sich aber auf ein zartes Halbflüstern zurück, das den letzten Rest Dynamik aus den Titeln saugt und ihm auch nicht wirklich steht: Wenn schon Schmalz, dann doch bitte mit Timbre.

Auf die Gefahr hin, dass mich zufällig hier hereinlesende Feuilletonisten für einen Banausen halten: „Kisses On The Bottom“ ist trotz hübscher Ideen und schöner Melodien auf ganzer Länge schlicht fürchterlich langweilig. Im besten Fall vermittelt diese Platte dieselbe Art von Romantik wie eine halbdunkle Hotelbar in den frühen Morgenstunden, wenn ein letztes Pärchen mit geschlossenen Augen zwischen den ausgetrunkenen Gläsern schwoft. Aber auch da hätte der Barmann nach zehn Minuten das Licht ausgemacht.

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