Terrorverlag > Blog > PHASED > Music for Gentlemen

Band Filter

PHASED - Music for Gentlemen

VN:F [1.9.22_1171]
Phased-Gemtleman.jpg
Artist PHASED
Title Music for Gentlemen
Homepage PHASED
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Man stellt sich die Schweiz zumeist als ein kühles und korrekt sauberes Fleckchen unversehrter Natur vor, als ein in Schnee gekleidetes Kindermärchen. Unter dem Banner von NID und mittels verstörender Industrial- und Noiseexperimente hat Chris Sigdell den ersten Teil dieses Bildes bereits gehörig durcheinandergebracht und macht sich nun mit seiner zweiten (nicht Zweit-!) Band PHASED daran, auch noch die letzten Gletscherkappen zu schmelzen. Aus den Anfangstagen mit zwei Bässen und einer gedoppelten Gitarrenfraktion hat sich ein Kerntrio herauskristallisiert, dem es nicht mehr um klinische Klangsektion geht, sondern um die heilige Dreieinigkeit des Rock: Being hot, being high, being horny.

Nun, das klingt vielleicht ein wenig zu sehr danach, als hätten wir es hier mit ein paar derben Sprücheklopfern zu tun. Wahr ist aber immerhin, dass PHASED erst gar nicht versuchen, den falschen Eindruck aufkommen zu lassen, ihnen sei an einer Aufweichung der ewigen Gesetze oder gar einer Revolution gelegen. Stoner ist für sie in erster Linie Riff-Rock und als solcher weder feingliedrig noch kunstsinnig – am Klavier sollte man diese Songs jedenfalls nicht nachzuspielen versuchen. Doch in der sengenden Hitze des Feedbackglühens eröffnen sich Visionen erstaunlicher Schönheit und Klare. Die grundlegende Frage: Wie oft kann (oder muss) man ein einziges Gitarrenmotiv wiederholen? Die Band glaubt dabei ganz fest an das Gesetz der großen Zahlen und so ungefähr nach dem fünfzigsten Durchlauf in „His Sordid Past“ (wir haben nicht nachgezählt), beginnt das Stammhirn die Kontrolle zu übernehmen. Mag man kompositorisch im goldenen Zeitalter verharren, ist man in Punkto Produktion der gesamten Konkurrenz eine gute Knutenlänge voraus. Sogar MONSTER MAGNET klingen gegen „Music for Gentlemen“ wie Höhlenmenschen! Der Sound ist fett und unmittelbar, steht direkt vor einem, statt in den letzten Windungen eines analogen Röhrenverstärkers zu krepieren. Das wird Ewiggestrige, Unbelehrbare und die Flintstones verstören, allen anderen aber als der willkommene und längst überfällige Schritt ins nächste Jahrtausend gelten. Überhaupt scheinen die Eidgenossen das Kiffen und Schweben ihrem Publikum zu überlassen – hier wird konzentriert und auf den Punkt gespielt. Marko Lehtinen (der größte ELVIS-Verehrer jenseits der Alpen) gibt ein minutiöses Metrum vor und der funky Bass von Michael Greilinger wabert und wummert nicht bloß, sondern zieht den Karren den Berg hinauf. So entstehen für dieses Genre ganz neue Assoziationen: „Alien Think Tank“ zum Beispiel poltert und kracht, als seien die SISTERS OF MERCY und KYUSS in einen Schlamm-Catching Wettkampf verwickelt, während „Illiterate Snob“ von einer rasenden Strophe in das Himmelbett eines frisch bezogenen Refrains pflügt.

Mit wenigen Ausnahmen unterliegt „Music for Gentlemen“ einer strengen Gniedelkontrolle und einem strikten Frickelverbot. Lediglich in den letzten Momenten des Rausschmeißers N.T.T. (lächerliche acht Minuten lang) kann man Sigdells Beschäftigung mit Klangkorruption und Musikmanipulation heraushören – ohne dass daraus gleich der Soundtrack zu einem feuchten Stockhausen-Traum würde. PHASED sind der beste Beweis dafür, dass wir unsere eisigen Klischees bezüglich der Schweiz dringendst überdenken müssen. Es wird immer heißer dort drüben.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

PHASED - Weitere Rezensionen

Mehr zu PHASED