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PLAYFELLOW - Penumbra

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Playfellow-Penumbra.jpg
Artist PLAYFELLOW
Title Penumbra
Homepage PLAYFELLOW
Label SWEET HOME RECORDS
Leserbewertung
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7.9/10 (68 Bewertungen)

Manchmal trägt mein Herz eine Bleiweste. Wer das Gefühl nicht kennt, der wird auch mit der Musik von PLAYFELLOW wenig anfangen können. Der Rest sollte ihrer Einladung zum genießerischen Traurigsein folgen. 2003 haben sich die Chemnitzer formiert und 2005 den „NewChance“ Bandwettbewerb gewonnen. Und das nicht mit derzeit angesagter Upbeat-Party-Mucke, sondern mit Musik, auf die man sich ein wenig einlassen muss, wo man zuhören sollte, in die man eintauchen kann. Mit „Penumbra“ wird nun ihr erstes Album veröffentlicht, das Material dafür ist schon ein paar Tage alt und live-erprobt, derzeit arbeiten die vier Jungs und Bassistin Katharina bereits an neuen Songs.

Und so wirken die 8 Titel auf diesem Debüt sehr stilsicher und in sich geschlossen, verbreiten trotz hoher Variabilität eine nahezu homogene Stimmung ohne zu langweilen. Zwar mag der Gesang von Toni (auch Gitarre), der sich vor lauter Verzweiflung oft zu überschlagen droht, zunächst gewöhnungsbedürftig sein, doch passt die Qual, den richtigen Ton zu finden, hier hervorragend ins Programm. Christian, Andre, Katharina und Tom basteln dazu an Drums, Tasten- und Saiteninstrumenten den passenden Klangteppich, mal leicht psychedelisch wie beim Opener „Wolves“, mal somnambul wie beim folgenden „Saigon“. Herrlich elegisch der Weltschmerz-Schunkler „What was that again“, ehe bei „Penumbrella“ erste Sonnenstrahlen einen Hoffnungsschimmer setzen. „Palehalo“ vereint wunderbar diese entrückte Stimmung mit wuchtigem Indie-Geschrammel. Schwebende Momente und hervorragende Gitarrenarbeit dann wieder in „(Ampli)Fire“, bei dem PLAYFELLOW mal eben locker Herrn Molko und Gefährten an die Wand musizieren. Mit eigenwilliger Handschrift geht es mit „Singing low“ fiebrig weiter, ehe Toni zum Abschluss seelenvoll und doch irgendwie im Orbit verloren „Red“ intoniert. Hätte für mich auch gut zum Film „Sunshine“ gepasst. Und da schließt sich der Kreis zum Albumtitel „Penumbra“, lateinisch für Halbschatten, nach dem auch Gebiete innerhalb von Sonnenflecken benannt sind, die dunkler als die normale Sonnenoberfläche sind.

Mission erfüllt, kann ich da nur sagen. Was für ein Einstand, der sich mit jedem Hördurchgang immer weiter ins Bewusstsein schleicht. Zwar könnte man nun Einflüsse von MUSE bis SIGUR ROS an den Haaren herbeiziehen, aber letztlich ist PLAYFELLOW hier ein ganz großes eigenes Kopfkino gelungen. Und gibt es ein schöneres Kompliment an eine aufstrebende Band, als sie nicht in irgendeine Schublade zu stecken, sondern eine neue für sie aufzumachen?

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