Terrorverlag > Blog > POWDER FOR PIGEONS > Circus Kinda Times

Band Filter

POWDER FOR PIGEONS - Circus Kinda Times

VN:F [1.9.22_1171]
Powder-For-Pigeons-Circus-Kinda-Times
Artist POWDER FOR PIGEONS
Title Circus Kinda Times
Homepage POWDER FOR PIGEONS
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (1 Bewertungen)

Alle Jahre wieder, wenn es Frühjahr wird, gibt es ein neues POWDER FOR PIGEONS-Album. So auch dieses Jahr. „Circus Kinda Times“ heißt der frische Dreher und ist, genau wie die drei bisherigen Outputs, von der ersten Note bis zum letzten Feinschliff komplett in Eigenregie entstanden.

Das australisch-deutsche Duo ist erneut dem hässlichen, hiesigen Winter in Richtung Down Under entflohen und hat unter Einfluss der südlichen Sonne acht Songs konserviert, die mal wieder vor Energie nur so strotzen. Man hört dem Post-Grunge-Stoner-Riff-Prog-whatever-Fuzz-Rock den Staub und die Hitze deutlich an, vor allem, weil trotz der gefühlt im Vergleich zum Vorgänger dunkleren und mitunter beinahe bösartigen Riffs keinerlei graue, urbane Depression in die Musik einfließt. „Black Out“ zum Beispiel beginnt und endet mit einem waschechten Doom-Riff, entpuppt sich letztlich aber in seiner Gesamtheit als beschwingter und frech grinsender Rocker, der einem mit Anlauf in den Arsch tritt und einfach nur Spaß macht. Letzteres gilt allerdings für das gesamte Album, mit dem POWDER FOR PIGEONS gerade in puncto Vielseitigkeit und Tiefgang ein fettes Ausrufungszeichen setzen. Ich habe im letzten Jahr die MELVINS als lose, konzeptionelle Referenz genannt. Mit „Circus Kinda Times“ rückt die Band ein weiteres Stück in die Nähe derselben. Zum einen aufgrund des kraftvoll wummernden Sounds, zum anderen wegen der strukturellen Schrankenlosigkeit, mit der die Songs leichtfüßig zwischen laut und leise, schnell und schleppend, geradeaus und vertrackt hin und her springen, ohne dabei an Eingängigkeit zu verlieren. Man höre nur das – zwischendurch sogar in einen leichten Swing verfallende – „Spiral Down“ oder den Titelsong, der Sänger (und Gitarrist) Rhys Jones in unterschiedlichen Stimmlagen von seiner psychotischen Seite zeigt. Trotz dieses etwas kopflastigeren Zugangs mangelt es POWDER FOR PIGEONS auch anno 2016 keineswegs an Direktheit. Angepeitscht von Meike Hindemiths treibenden Drums feuert Jones eine Hookline nach der nächsten aus der Hüfte und versprüht dabei instrumental wie stimmlich den rotzigen Charme früher NIRVANA, ohne dabei auch nur ansatzweise zu klingen wie Kurt Cobain (den er technisch ohnehin um gleich mehrere Längen schlägt). Die Seattle-Ikonen seien hier lediglich exemplarisch für eine musikalische Epoche genannt, die hier immer wieder zitiert wird, immer ehrerbietig, nie allzu direkt, vielmehr auf eine (letztendlich der Band ureigene) Identität stiftende Weise.

Fazit: Mit ihrem vierten Album in vier Jahren sind POWDER FOR PIGEONS endgültig in der Premier League des fuzzigen Rock n’ Rolls angekommen und verbinden Power mit Ausdruck, Wut mit Freude, Steppe mit Strand, oder auch KYUSS mit (härteren) FOO FIGHTERS, dass es überall nur so zuckt. „Circus Kinda Times“ eben. Großartig!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

POWDER FOR PIGEONS - Weitere Rezensionen

Mehr zu POWDER FOR PIGEONS