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PRADA MEINHOFF - s/t

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PRADA MEINHOFF
Artist PRADA MEINHOFF
Title s/t
Homepage PRADA MEINHOFF
Label FREUDENHAUS RECORDINGS
Leserbewertung
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8.9/10 (7 Bewertungen)

Kürzlich habe ich mich zu dem Satz hinreißen lassen, „Death’s-Head Hawkmoth“ von LONELY KAMEL sei mein Album des Jahres. Da hatte ich allerdings auch das selbstbetitelte Debüt von PRADA MEINHOFF noch nicht gehört… Deshalb konkretisiere ich an dieser Stelle meine Aussage noch mal hinsichtlich des jeweiligen Genres: „Death’s-Head Hawkmoth“ ist mein Heavy-Blues-Stoner-Favorit und der PRADA-MEINHOFF-Erstling lässt mein Elektro-Punk-Rock-Herz höher schlagen.

Ziemlich hoch sogar und das ab den ersten Klängen des Openers „Brand“. Die Nummer geht direkt ins Ohr und zudem auch sehr nonchalant auf die Hüften. Kurz blitzt bei mir ein Gedanke an die HUMPE-Schwestern auf, Christin Nichols und René Riewer dürften in ihrem Plattenschrank zweifellos einige Platten von IDEAL oder 2RAUMWOHNUNG haben. Mit der ersten Single „Maske“, die rotzfrech aus den Boxen schallt, lassen GROSSSTADTGEFLÜSTER grüßen? Vielleicht, aber PRADA MEINHOFF gehen ihren ganz eigenen Weg, dessen Sound aus Renés Bass und Synthies sowie Chrissis Gesang besteht. Von der enormen Bühnenpräsenz gar nicht zu sprechen, die sie bereits als Support für PEACHES, FISHER-Z und DAF oder als Tourbegleitung für MILLIARDEN unter Beweis stellen konnten. Demnächst ist das Duo mit MIA. unterwegs, da wird Mieze Katz wohl aufpassen müssen, dass ihr die explosive Christin nicht die Show stiehlt. Einer meiner Favoriten ist „Schluss“, das nicht ganz so temperamentvoll daherkommt, aber mit seinem zwingenden Beat frisst sich der Track unmittelbar ins Hirn. Zum groovenden „Cocktail“ darf alsbald wieder getanzt werden. Ach was sage ich: muss getanzt werden! Gleiches gilt für das straighte „Gold“, das mit grummelndem Bass und fiepender NDW-Elektronik nach vorn drängt. Apropos Neue Deutsche Welle: mit „Eisbär“ haben PRADA MEINHOFF den 1981er Hit von GRAUZONE nicht nur behutsam restauriert, sondern ihm ganz neuen Glanz verliehen. Großes Kino! Wie auch das spannungsgeladene „Komplizen“, das den leicht unterkühlten Tonfall von „Eisbär“ aufnimmt, ehe „Krieg“ Bertolt Brechts „Resolution der Kommunarden“ein elektro-punkiges Gewand verpasst. Mit seiner zweiten Auskopplung „Express“ sorgt der umtriebige Zweier erneut für treibende Melodien mit melancholischer Changierung, die mit dem nachdenklichen „Dilemma“ noch zunimmt, ehe „Sieben“ den Reigen mit cooler Elektronik enden lässt.

PRADA MEINHOFF? Bislang noch nicht gehört? Das sollte sich ab sofort ändern! Nicht nur, dass es auch 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst bei einem Wortspiel auf Baader-Meinhof was klingeln sollte, PRADA MEINHOFF muss man erlebt haben. Einzige Ausrede: Man ist bereits tot. Dann ist man entschuldigt.

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