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RAGE AGAINST THE MACHINE - The Collection

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Artist RAGE AGAINST THE MACHINE
Title The Collection
Label SONY
Veröffentlichung 01.06.2010
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

1992. Ein Jahr wie jedes andere. Zumindest für viele. Naturkatastrophen, Klatsch und Tratsch, kommerzieller Nonsense, und kosmopolitische Aktivitäten schleichen sich unter aggressiver Abwechslung und Schnelllebigkeit durch die Medienlandschaft. Bill Clinton wird gewählt, die USA entfernen alle taktischen Atomwaffen aus Europa, Honecker kehrt aus seinem Politexil in Chile nach Berlin zurück und wird festgenommen, der Main-Donau-Kanal wird geöffnet, Dänemark wird Europameister, Polen ändert seine Verfassung und Arte geht erstmalig auf Sendung. Sicherlich. Für viele Musikliebhaber sind das leider Gottes nur Bagatellen. Doch 1992 sollte eben auch ein Jahr werden, in welchem viele Puristen sich demgegenüber öffneten, was anfangs von ihnen eher als uninteressant und nebensächlich empfunden wurde: der Politik und dem Weltgeschehen.

Ursache für dieses neu aufkeimende Interesse ist ein 1991 gegründetes musikalisches Phänomen mit dem kuriosen Namen RAGE AGAINST THE MACHINE. Zack de la Rocha, Tom Morello, Tim Commerford und Brad Wilk, die vorher in verschiedenen Gruppen tätig waren, finden sich unter dem Banner einer neuen Mission zur Stunde Null zusammen (Morello und de la Rocha trefen sich tatsächlich in einer Bar in L.A., wo Zack mit ein paar Kumpels zusammen rappt). Ihre Erfindung (wie viele glauben): der politische Crossover. Man braucht nicht gerade lange, um einen Plattenvertrag bei Epic abzustauben. Ein Demo-Tape genügt. Der Major erkennt das Potenzial trotz oder vielleicht auch gerade wegen des kosmopolitischen Anspruchs. Das selbstbetitelte Debüt schlägt auf jeden Fall ein wie eine Bombe. Verzeihung. Wie ein „Bomb Track“. Sprung in die Gegenwart: Wir schreiben das Jahr 2010…

„Ach wie herrlich, ach wie schön, diese Diskographie zu sehn!“ Ja, ja. Für schlappe 24,99 € bringt Sony Music Entertainment eine kompakte und hübsch aufgemachte Box heraus, die in kleinen liebevollen Quasi-Vinyl-Replica-Hüllen die gesamten Outputs einer der innovativsten und schlicht fettesten Rock-Acts auf diesem Planeten beherbergen. Dabei ist die Box gerade einmal minimal dicker als die Summe von zwei Jewelcases. Die scharz-weiß-rote Farbgebung verprüht Schlichtheit und sozialistische Eleganz und der lose Deckel symbolisiert einfache MP3-hafte Handlichkeit. Sogar für die Original-Booklets findet sich in den Cases ausreichend Platz, ja diese besitzen sogar einen schmalen und niedlichen Buchrücken. Einziges Manko ist sicherlich die Tatsache, dass anstelle der schwarzen Vinyloberfläche man sich einfach mit dem CD-Aufdruck der regulären Editionen begnügt hat. Das ist nicht sonderlich innovativ oder nostalgisch, erfüllt aber nichtsdestotrotz seinen Zweck.

Hier nun en Detail zu den einzelnen Releases:

Rage Against The Machine (1992)

„Die erste ist die beste!“ Das sagen sehr viele RATM-Fans. Gänzlich zu Recht, ist das selbst betitelte Debüt doch ein regelrechter orkanartiger Groovefetzen, bei dem schon Anfang der 90er keinen Zweifel daran bestand, dass diese Platte Kult und Kultur prägen würde. Nicht nur die Fotographie von Thích Quang Duc, einem vietnamesischen Mönch, der sich am 11. Juni 1963 in beispielloser Körper- und Geistbeherrschung in Saigon selbst anzündete, um so gegen die Unterdrückung der Buddhisten in Vietnam durch die Regierung unter Präsident Ngo Dinh Diem zu protestieren, sorgte für interessiertes und neugieriges Runzeln, Staunen, Verblüfftsein – und nicht zuletzt für die Sehnsucht nach dem Protest und der Revolution des Herzens. Mit dem Cover bezeugte man zugleich Nähe zu Solidarismus, Linksautonomismus und sonstigen politischen Freiheitsbewegungen auf diesem Planeten. Letzten Endes sprach man sich kollektiv für eine gerechtere und nachhaltigere Weltanschauungs- und Systemalternative aus. Bei RATM war schon in den ganz frühen Tagen der international ikonographisch missbrauchte rote Stern nicht nur oberflächliches Marketing-Emblem, sondern eben ernst gemeinter Ausdruck von sozialistischem Idealismus. Woraus sich auch das krachig infernalische Wutrepeat der Zeile „Fuck You, I won’t do what you tell me“ aus dem heute noch größten Hit der Band „Killing The Name“ ableiten lässt. Zack de la Rocha kaufte man es ab. Der Mann klang echt, man konnte seine Emotionen fast am eigenen Leib fühlen. Sein Rap des eindringlichen und authentischen Angepisstseins wusste sofort zu fesseln. Ebenso die völlig individuelle und sehr trickreich-erfinderische Gitarrenarbeit von Tom Morello (im Gegensatz zu den Virtuositätsgestörten seiner Zeit besaß Morello schon sehr früh das Talent mit seiner Klampfe Geräusche zu imitieren und mit neuen Spieltechniken, wie Skalen zu experimentieren), sowie die knackig funkige Rhythmusarbeit von Brad Wilk und Timmy C. So etwas hatte die Welt noch nicht gehört. Ja, gerade diese monolithische Jump-Gewalt, diese Crossover-Radikalität aus Rock, Punk, Funk und Hip Hop gepaart mit diesem eher für die Spät-60er und 70er bekannten Content haute jung und alt aus den Latschen. Jeder einzelne gottverdammte Song auf dieser Platte bringt das zustande. Auch heute noch reinster Sündstoff (selbst wenn manche munkeln das Anfangsriff von „Wake Up“ sei von LED ZEPs ‘Kashmir’ geklaut)!

Nach dem ersten erfolgreichen Release folgen ausgedehnte Tourneen und vereinzelte Konzerte. Doch es wird erstaunlich schnell still um die neuen Crossover-Überflieger, so dass manche munkeln, die Band befände sich kurz vor der Auflösung. Letzten Endes kann man die Zweifler eines Besseren belehren.

Evil Empire (1996)

Kaum zu glauben. Vier ganze Jahre ließ man sich Zeit für den nächsten Streich. Führt man sich die minimalistischen und sehr organischen Arrangements vor Augen erscheint es einem mitunter eigenartig, dass ein Kommando wie RATM solch Legislatur-Zeitspanne für nötig befindet, um eine neue Scheibe rauszuhauen. Doch das Ergebnis kann sich hören lassen, wenngleich man merkt, dass die Wut der Maschine doch ein wenig lascher geworden ist – wohlweislich eine unerwünschte Nebenwirkung der schlagartigen Berühmtheit aus der Vergangenheit. Aber vielleicht liegt es doch an der stilistischen Betonung des Rap (‘Roll Right’)? Gute Frage. Nichtsdestotrotz rocken Songs wie „Bulls On Parade“, „People Of The Sun“ oder „Snakecharmer“ wie ein jungfräulicher Klitoris-Orgasmus. Die Musik kitzelt einem erneut die schiere Lebens- und Tanzfreude ab. Und auch wenn der Sound etwas kontrolliert-produzierter klingt und das Experimentieren mit Köpfchen und Diktiergerät seine tektonische Protektoratsmacht an Raum gewinnen lässt, fehlt nie dieses gewisse Etwas, dieser besondere Individualismus, den vielen musikalischen Rivalen von RATM einfach schlicht und ergreifend abhanden geht. Aber macht ja nichts, zum Glück hat man dafür eine unbedarfte Superman-Karikatur auf gelbem Hintergrund und die unverbrüchliche, zeitlich unbegrenzte Qualitätsgarantie „All sounds made by guitar, bass, drums, and vocals“. Manche Bands kriegen noch nicht mal mit einem 200-Syntheziser-Keyboard so was hin. Also von daher: Hut ab, bitte!

Danach geht’s mit dem WU-TANG CLAN auf Welttournee. Man unterstützt parallel dazu wie gewohnt zahlreiche politische Bewegungen in und außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika. So nimmt man etwa an einem Benefiz-Konzert für den zum Tode verurteilten Mumia Abu-Jamal (ein Opfer der Einäugigkeit amerikanischer Polizisten) teil. Denn schließlich…

The Battle Of Los Angeles (1999)

…geht der Kampf weiter. Gegen Missstände, soziale Ungerechtigkeit und das falsche Gesicht der amerikanischen Demokratie. Wieder mit RATM. In Los Angeles, für außerparlamentarischen Aktionismus mit einem Guerilla Radio in der Tasche. Drei Jahre später sollte nämlich Tom Morello die „Axis Of Justice“ (in ironischer Anlehnung an Bushs „Axis Of Evil“) gründen, eine Organisation mit dem Zweck, Musikfreunde, Musiker und politisch Engagierte zu einem Kampf für höhere soziale Gerechtigkeit zusammenzuführen – axisofjustice.net/ -. Obwohl ursprünglich als reine Kommunikationsplattform ins Leben gerufen, betreibt die Organisation seit 2004 offensiv Gesellschaftskritik, Aufklärungsarbeit und grassroots political actions. Das ganze (wie wunder?) in Los Angeles. Spätestens mit dem Erscheinen von “The Battle Of Los Angeles” weiß die Mehrzahl der Fanscharen, dass Gitarrist Morello auch gerne mal einen Gig schmeißt, wenn eine fette Demonstration eine Straße weiter ansteht. Das schindet mächtig Eindruck und inspiriert nicht gerade wenig. Kein bewusst stilisiertes Erfolgsrezept der Rot-Stern-Rocker, sondern einfach ehrliche politische Provokation und Programmatik. Und das ist auch das, was die Fans an der Band lieben. Keine Drachen, keine Aliens, kein Satan, keine Bitches und erst recht kein Poser-Scheiß. Und trotz der Radikalität hat die Band auch mit dieser Platte wieder mächtig kommerziellen Erfolg. Im Gegensatz zum experimentellen “Evil Empire” setzt man ’99 wieder auf knallhartes, rappendes Punk’n’Roll-Feeling mit einer Prise Arschtritt-Funk. Groovy, Motherfucker! So sehr, dass man kaum sitzen bleiben kann. Davon zeugen nicht nur Hooklinemonster a là „Sleep Now In The Fire“ und „Calm Like A Bomb“ oder eben das lässig funkende, Waschbrett-artige „Guerilla Radio“. Mit „Born Of A Broken Man“ beweist man gar einfühlsames Erzählergeschick. “The Battle Of Los Angeles” ist schlussendlich vor allen Dingen eins: Ein weiteres besonderes, herausragendes, süchtig machendes, verdammt reinhauendes und tanzbares Stück Musik einer musikalischen Ausnahmeerscheinung.

Es wird gerockt und gerockt. Doch hinter dem Stolz auf das musikalisch und politisch Erreichte lauert auch das ein oder andere Schreckgespenst. Im Jahre 2000 stört Bassist Commerford beispielsweise vor laufenden Kameras die Übergabe eines MTV Video Music Awards an LIMP BIZKIT – und geht dafür in den Bau. Im selben Jahr erscheint obendrein das bislang letzte Studiowerk der vier Politmusiker. Nicht gerade erbaulich.

Renegades (2000)

Das letzte quasi-reguläre Album: eine Cover-Platte. DAS Cover-Album der Wut gegen die Maschine. Mit „Microphone Fiend“ fängt die rotierende Scheiblette an. Da will man es auch noch nicht so richtig wahr haben. Denn RATM haben kurz vor Veröffentlichung die scheinbar unvermeidliche Trennung ihrer Formation bekannt gegeben. Vocalist Zack de la Rocha warf das Handtuch und wenig später entstand aus dem Rest der Truppe AUDIOSLAVE. Wir finden namhafte Cover-Versionen u.a. von BRUCE SPRINGSTEEN, BOB DYLAN, den STOOGES, MINOR THREAT, ERIC B. & RAKIM, EPMD, MC5, den ROLLING STONES und CYPRESS HILL. Einem Musikkultur-Jüngling dürfte das noch nicht einmal mehr auffallen, drücken RATM auf “Renegades” jedem einzelnen Song doch ihren ganz unverkennbaren und das Original ja fast schon nur streifenden Stempel auf. Dieser Stempel wirkt dabei so ehrlich und kompositorisch dem typischen RAGE-Sound so nahe, dass man gern glauben könnte und möchte (was manche auch wirklich leichtgläubig machen, siehe dazu Kundenrezensionen auf Amazon und Co.), die einzelnen Songs entsprängen de facto dem tonalen Exzentrismus einer der außergewöhnlichsten Rock-Bands aller Zeiten. Das Besondere an “Renegades” ist letztendlich das Besondere darin. Denn gerade der Bruch mit der Vorgaben- und Vorlagentreue wirkt ungemein künstlerisch, eigenwillig und spielerisch. Phantastisch zu hören bei „Down On The Street“ vom 70er Werk “Fun House” der STOOGES: Die akkumulierten Ghost-Anschläge, das schräge atektonische Soli und die besondere, vom Original abweichende, rhythmische ternär wirkende Verlagerung der Noten. Eben mehr als ein reguläres Cover-Album.

Nach der Trennung wird zwar lange über Zacks Solo-Album spekuliert (als mögliche Produzenten fallen u.a. die Namen von DJ Premier und DJ Shadow), allein sollte es nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Die Gerüchteküche braut ihr Gebräu und man hört hie und da, dass Zack de la Rocha sich als Gast auf Underground-Gigs von lokalen Bands Präsenz verschafft.

Dagegen bleibt den übrig gebliebenen Mitgliedern nichts anderes übrig als weiterzumachen. Nach einer anfänglichen Krise und misslungenen musikalischen Wiederbelebungsversuchen gründet man (wie oben schon erwähnt) mit Ex-Soundgarden-Sänger Chris Cornell das neue Flagschiff AUDIOSLAVE. 2003 folgt dann noch der dringlich benötigte Nachschmiss “Live At The Grand Olympic Auditorium” in CD-, wie DVD-Form, welcher die Live-Qualitäten der alten Band nachdrücklich zur Schau und zu Ohre stellt.

Im Zuge von “Out Of Exile” integrieren AUDIOSLAVE vereinzelt und meist aus spontanem feierlichen Anlass heraus alte RATM-Tracks in ihr Live-Programm. Diese werden entweder instrumental abgefeuert oder von Cornell intoniert: Bei Tracks wie ‘Killing In The Name’ rastet das Publikum völlig aus. Die neuen Helden werden abgefeiert wie einst die Mordsmaschinenwut, obwohl sie oft und breit und ausführlich ein ums andere Mal den Fans versuchen klarzumachen, dass die Zeit von RAGE vorbei ist.

Womit sie sich selbst irren. Denn noch im selben Jahr, nämlich 2005 sieht man Morello und de la Rocha bei einer Solidaritätsveranstaltung für ein Sozialprojekt in L.A. Januar 2007 ist es dann endlich soweit: Das, was sich Unzählige wünschen, geht in Erfüllung. Ersten handfesten Gerüchten dem Billboard-Magazin zufolge soll es eine Reunion tatsächlich geben. Kurze Zeit später werden diese auf der offiziellen Homepage von RATM beglaubigt: Die Jungs treten im Sommer 2007 beim Coachella-Festival in Kalifornien auf. Seitdem headlinen sie viele weitere Festivals der Superlative, wie auch dieses Jahr erneut das Rock am Ring. Ob dabei ein neues Langeisen herauskommen wird, steht allerdings in den Sternen…

Mehr gibt es eigentlich kaum zu sagen. Wer auch nur ein paar Songs oder ein ganzes Album der Truppe kennt, aber keins von beidem physisch besitzt, sollte hier ohne Zögern zugreifen. Denn was sind schon 27,99 € im Vergleich zu ein paar Tausend Stunden Spaß und Musikgenuss?

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Rage Against the Machine 'The Collection' Tracklist
1. Bombtrack Button MP3 bestellen
2. Killing In The Name Button MP3 bestellen
3. Take The Power Back Button MP3 bestellen
4. Settle For Nothing Button MP3 bestellen
5. Bullet In The Head Button MP3 bestellen
6. Know Your Enemy Button MP3 bestellen
7. Wake Up Button MP3 bestellen
8. Fistful Of Steel Button MP3 bestellen
9. Township Rebellion Button MP3 bestellen
10. Freedom Button MP3 bestellen
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