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RESURRECTURIS - The Cuckoo Clocks of Hell

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Artist RESURRECTURIS
Title The Cuckoo Clocks of Hell
Homepage RESURRECTURIS
Label EIGENPRODUKTION
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Hier lebt er noch, der Untergrund. Carlos Strappa, seines Zeichens Rhythmusgitarrist und eine der treibenden Kräfte hinter RESURRECTURIS, war lange Jahre Autor für Fanzines und kleine Publikationen, erlebte den Aufstieg des Death Metal aus dem Nichts und der Tapekultur bis zu dem Punkt der medialen und wirtschaftlichen Vereinnahmung. Als man ihm eine ausführliche Berichterstattung über die neulich formierten POSSESSED verweigerte, schmiss er den Stift zur Seite und machte fortan das Plectron zu seinem alleinigen Ausdrucksmittel. Seine Konsequenz in kommerzieller Verweigerung kennt dabei keine Grenzen: „The Cuckoo Clocks of Hell“ kann man sich für schlappe fünf Euro im ansehnlichen Digipack bei der Band bestellen oder kostenlos und komplett mit dem Artwork von der Seite herunterladen.

Frei von Kalkül ist dieses dennoch feine Angebot selbstverständlich nicht, dient es doch maßgeblich der Suche nach einem neuen Label. Fünf Jahre sind inzwischen bereits seit „Nocturnal“ vergangen, dem einzigen vollwertigen Album in einer langen Reihe an inzwischen ausverkauften Cassetteneditionen. Dazwischen lagen enttäuschte Erwartungen und ein beinahe fataler Autounfall. Mit ihrem neuen Werk wollen die Italiener nun offensichtlich aus dem Schatten des übermächtigen Kultstempels und hinein ins helle Licht der großen Bühnen treten – die Bemusterungsmaschine läuft inzwischen schon auf vollen Touren und hat die Zahl der Hits bei Google für die Gruppe in kurzer Zeit beinahe verdoppelt. Die eher zurückhaltenden oder gar unverblümt negativen Kritiken belegen dabei schon einmal, dass es RESURRECTURIS schwer fallen dürfte, sich von einer gut geölten Szeneband, die bis zu 2000 Demos verkaufte, in einen anerkannten Haushaltsnamen zu verwandeln. Ihre Musik wird nicht der neue Trend im Death Metal werden, doch gerade deswegen sind sie so wertvoll. Bunt, brutal und bizarr sind die Adjektive, welche ihren Stil am Besten beschreiben und von allen Vergleichen zieht höchstens der mit SIX FEET UNDER. Ebenso wie bei Chris Barnes treten Ivan Di Marcos Vocals vordergründig in Erscheinung, lassen trotz einiger Effekte stets den Menschen hinter der Maske erkennen. Da hören die Parallelen aber auch schon auf und darf man „The Cuckoo Clocks of Hell“ mit Fug und Recht als von exzentrischer Eigenartigkeit bezeichnen: Starke Riffs mit niemals überzogenem Thrasheinschlag, irres Geheule und Gekeife, verhallte Stimmen aus dem Off, Blast Beats und Cross-Over Augenblicke. Auf Sleeping Reason gibt es ein unerwartetes und unerhörtes Duett zwischen einem scheinbar auferstandenen Jim Morrison und einem Grunzschwein und „Helmet Logic“ wartet mit einem sehr langen und sehr coolen Instrumentalintro auf.

Wenn dann im Rausschmeißer und einzigen italienischsprachigen Titel „I Corpi Privi di Vita“ reinrassiger Death mit fettem Grind kombiniert wird, ist der Coup perfekt. Wer meinte, das Interesse am harten Stoff verloren zu haben, wird wieder rote Ohren bekommen, wer dem Experiment nicht aus dem Weg geht, wird voll bedient. Den Traum vom großen Geld kann sich die Band gleich abschminken, doch die Vision eines aufregend anderen Untergrunds hält sie mit „The Cuckoo Clocks of Hell“ wagemutig am Leben.

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