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RHETORICA - Ganduri

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Artist RHETORICA
Title Ganduri
Homepage RHETORICA
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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Nichts gegen eine satte Produktion und fette Studiotechnik, wenn sie der Musik zur Seite steht. Doch kommen die wahren und schönsten Überraschungen doch zumeist aus einer anderen Ecke, aus einem sympathischen Niemandsland oder gleich direkt aus dem Wohnzimmer. RHETORICA präsentieren mit „Ganduri“ ihr erstes Album und eines der frühen Highlights des gerade begonnenen Jahres – und haben dafür gewiss nicht tief in die Tasche langen können.

Denn trotz gelegentlicher guter Nachrichten befördert die chronisch angeschlagene Lage der rumänischen Wirtschaft eine einfache Recordingsession zum Fall für Venture Capital und Wucherkredite. Das Ergebnis der Investitionen kann sich jedoch mehr als hören lassen und klingt niemals nach Entwicklungsland. Vielmehr fühlt man sich durch den kompakten Sound wohlig in eine Zeit zurückversetzt, als noch nicht jeder Quadratmillimeter im Spektrum zugekleistert war und die Arrangements Platz zum Atmen hatten. Mit FATES WARNING oder QUEENSRYCHE wollen RHETORICA wohl auch gar nicht verglichen werden und wenn dies überhaupt noch Prog ist, dann ohne den heutzutage obligaten Metal und zudem äußerst zersplittert: 18 Tracks in 52 Minuten, eine Symphonie der Puzzlestücke. Sauber aneinandergeschweißt zu einem durchgehenden, frei assoziierenden Track freilich und durch einen roten Faden aus Kontrastpaaren miteinander verbunden. Melancholisch-feurig, schleppend-ungestüm, gut geerdet-spacig. Konstant bleiben lediglich die an alte Folklieder geschulten Vocals und das äußerst effektive Schlagzeug. Der technische Aspekt spielt dabei nur die zweite Geige: Was für Freunde von YES wohl zu simplistisch anmuten mag, wird Freunden von MIKE OLDFIELD und PINK FLOYD Freudentränen in die Augen treiben. Ersterer taucht durch häufige Querverweise auf sein Tubular Bells-Thema (das manchmal auch auf Carpenters Halloween anspielt) und den Einsatz von traditionellen Instrumenten auf, letztere vor allem durch die einfühlsam-melodischen Gitarrensoli mit Gilmour-Touch. Um so weiter das Album voranschreitet, je stärker rücken die Instrumentalbeiträge in den Vordergrund und verleihen dem Werk einen traumhaften, irrealen Charakter. Vollkommen zurecht beschreibt die Band „Ganduri“ selbst als „a unique journey into an intimate universe“.

RHETORICA beweisen wieder einmal, dass man weder ein Millionenbudget, noch kilometerbreite Mischpulte braucht, um faszinierende Musik zu schaffen. Der im Netz gefundene Vorwurf, mit englischen Texten sei diese Scheibe bedeutend besser, ist nicht nur deswegen absurd, weil sich auf der Homepage eine komplette Übersetzung findet, sondern auch, weil das ohnehin schon eigenwillige Rumänisch den hypnotischen Effekt noch verstärkt. Eine echte exotische Entdeckung.

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