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SEASICK - Bestie Mensch

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Artist SEASICK
Title Bestie Mensch
Homepage SEASICK
Label PAGAN WINTER PROUCTION
Leserbewertung
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Nichts werden sie daran verdienen, keine müde Mark! Glaubt Ihr denn im Ernst, irgendein Radiosender wird auch nur so was wie ein Intro dieser Scheibe spielen? Irgendein noch so kultiges Undergroundfanzine auch nur eine Zeile verlieren? Und auf den für Gleichgesinnte erstellten, inzwischen ja schon in Ausstellungen zum Kunstobjekt sublimierten, Mixtapes stehen heutzutage wohl eher MIA, ANGELIKA EXPRESS oder, wenn’s mal „hart“ werden soll die DEFTONES. Eine der beiden Vorgängerbands von SEASICK hiess DEEP END und genau dort werden sie bleiben: Ganz unten.

Diese völlige kommerzielle Aussichtslosigkeit hat natürlich auch so Manches für sich. Man darf zwar nicht wie JUSTIN „The Dude“ TIMBERLAKE JANET JACKSONs silbersternbesetzte Nippel entblößen, muss aber dafür auch nicht nachher verlogene Statements abgeben. Und die Freundin heisst vielleicht nicht Cameron, sondern Katja, aber die hat trotzdem einen ganz tollen Schmollmund. Nur der Kater am nächsten Morgen bleibt, ganz egal ob nach Koks und Veuve Cliquot oder Kippen und Öttinger. Obwohl „Bestie Mensch“ ganz im Gegensatz zu den meisten, sich im Kneipensud wälzenden Prollrockkombos stets hellwach und ganz bei Sinnen ist. Und der Hörer, der sich auf dieses Album einlässt, ist es dann auch recht schnell, denn die zehn Album- und drei Bonustracks wollen sich nicht anbiedern, sondern anprangern, aufrütteln und anecken. Die Musik ist eine bissige Promenadenmischung aus Grind, Metal und Punk, die Texte ein Manifest des Widerstands gegen „Nazi-Bastarde“ und den autoritären Staat. Die Aufnahme ist von elender Qualität, blechern, hohl und gänzlich undifferenziert, doch so klingt es eben, wenn man die Dinge in die eigene Hand nimmt – wer mit „Alternativ“ einen Wollpullover und Sandalen meint und die Lieder von TON, STEINE, SCHERBEN nicht auf holperndem, knackenden Vinyl, sondern als mp3 auf dem Rechner liegen hat, kann das nicht verstehen.

„Bestie Mensch“ ist schlicht gesagt nichts anderes als ein Geschenk an diejenigen, welche die Botschaft nicht rechtzeitig erhörten und das bereits 1998 in Eigenregie auf Konzerten vertriebene und inzwischen längst ausverkaufte Album nicht mehr erwerben konnten. Mit einer Aufgabe der Selbstbestimmung oder marketingtechnischem Kalkül hat das rein gar nichts zu tun. Wer ihre Vergangenheit kennt, weiss dass diese Jungs nicht naiv sind: Die andere der beiden Vorgängerbands von SEASICK hieß BREADLESS ART. Sie habens immer gewusst.

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