Terrorverlag > Blog > SHAPE OF DESPAIR > Illusion’s Play

Band Filter

SHAPE OF DESPAIR - Illusion’s Play

VN:F [1.9.22_1171]
Shape-of-Despair-Illusions-Play.jpg
Artist SHAPE OF DESPAIR
Title Illusion’s Play
Homepage SHAPE OF DESPAIR
Label SPINEFARM
Veröffentlichung 21.01.2005
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Die Kenner haben es gewiss geahnt: Beim dritten Streich würde alles anders werden. Andeutungen gab es im Vorfeld genug, doch schon ein kurzer Blick auf die Diskographie der Finnen erklärt, warum „Illusion’s Play“ sich noch mehr von den Anfängen der Band absetzen musste, als dies der Zweitling „Angels of Distress“ bereits getan hatte: Es ist das erste Mal seit ihrem so vielbedeutenden ersten Demo, dass die Songs wieder zeitgleich mit der Produktion entstanden und nicht einen Rückgriff auf weit zurückliegende Phasen darstellen. Auch gingen Anführer und konzeptionellem Kopf Jarno Salomaa die ewigen Fragen bezüglich der auf den frühen Veröffentlichungen gewählten Kürzel und fehlender Fotos auf den Senkel – weswegen nun das komplette Sextett voll abgelichtet auf der Rückseite der CD zu sehen ist.

Dies ist bei weitem kein rein symbolischer Akt. Man kann sogar davon ausgehen, dass es so manchen beinharten Puristen geben wird, der SHAPE OF DESPAIR nun endgültig nicht mehr im Doom verorten mag. Dort war die Gruppe natürlich immer schon ein gewisser Exot, doch obwohl man sich immer wieder gegen eine eindeutige Etikettierung wehrte, war es doch eher so, dass diese dem Death Metal entsprungene Formation die typischen Stimmungen und Themen des Genres aufgriff, um sie neu zu verorten. „Shades of…“ war die Dunkelheit hinter den vor gleißendem Licht geschlossenen Augen und „Angels“ eine Stunde im eigenen Sarg – der jedoch bequem gepolstert war. Suizid schien bei den Kollegen von SCEPTICISM eine bittere, unausweichliche Notwendigkeit, zu SHAPE OF DESPAIR wollte man ihn mit einem Lächeln im Gesicht begehen. Die Keyboards trugen die Sänfte auf Engelsschwingen durch fremde Landschaften und der Hörer konnte endlich das tun, was er sich bei KHANATE nicht traute: Die Augen schließen. „Illusion’s Play“ ist nun moderner und revolutionärer, als alles, was bisher auf diesem Gebiet veröffentlicht wurde und zugleich traditioneller und erkennbarer. Echte Songs stehen an der Stelle, wo früher Meditationen waren, Gravitation dort, wo früher Schwerelosigkeit wirkte. Wer einen offenen Geist hat und nicht erst die bitteren Tränen ob der unerwünschten Kurskorrektur im samtbestickten Seidentaschentuch ersticken muss, dem tritt das Album einladend entgegen: Sanft wie der Abendwind winken wehende Flächen im Opener „Sleep Mirrored“ dem Hörer: Möge er eintreten! Ein Instrumental nur, doch das berauschende „Still Motion“ markiert bereits früh auf der Reise den Höhepunkt: Klarer Gesang und klare Melodien verschmelzen mit einer mystischen Gitarre und selbst die folgenden Todesgrunts werden von offenen Riffs und erkennbaren Harmonien getragen. Wie der Herzschlag eines langsam in den Schlaf sinkenden Schizophreniepatienten wird das Tempo immer langsamer, die Vocals immer animalischer, ehe der Puls gänzlich aussetzt. Die zweite Hälfte des Stücks wird nun von flüchtigen, sich wie Gaswolken umkreisenden Pianobläschen und Streichernebeln gebildet, ein himmlischer Ausklang ohne Auflösung. Das zentrale melodische Motiv leitet aber unmittelbar in „Entwined in Misery“ über, mit dem sich das Blatt wendet. Die Akkordfolgen vermeiden offensichtliche Cliches, die Synthesizer klingeln wie die Glocken in der Kirche und dennoch: Ein eher konventioneller Track. Überhaupt begibt sich die Band nun in diejenigen Gefilde des Funeral, die sie eigentlich zu umgehen gedachten: Kaum noch zu erkennendes Stimmdröhnen, krachende Saitenarbeit und schleppende Rhythmen. Das im Doom so häufig praktizierte und regelmäßig entnervende Stop-and-Go lässt man hier immerhin einigermaßen interessiert über sich ergehen, da das thematische Material die langen Pausen zwischen den Abschnitten jederzeit rechtfertigt.

Den entscheidenden letzten Schritt haben SHAPE OF DESPAIR aber dennoch nicht gewagt: Irgendwo in den ersten zwanzig Minuten schien sich ihre Musik wie Weihrauch in den Himmel zu erheben, doch kondensiert sie schon bald am dreckigen Spiegel der eigenen Zweifel. Was im übrigen nicht wegnimmt, dass ihr drittes Werk eine manchmal schwierige, aber zu jeder Zeit spannende Selbstfindung geworden ist. Wenn doch nicht nur alles eine Illusion sein sollte, befindet sich die Band auf einem Weg voller Wagnisse, den man weiterhin gerne mit ihr gehen möchte.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Shape of Despair 'Illusion’s Play' Tracklist
1. Sleep mirrored
2. Still-motion
3. Entwined in misery
4. Curse life
5. Fragile emptiness
6. Illusion's play
Shape of Despair 'Illusion’s Play' online bestellen
Verkäufer Porto Preis
Amazon.de Marktplatz (Gebraucht) Amazon.de Marktplatz (Gebraucht) € 3 € 58,21 Online bestellen

Mehr zu SHAPE OF DESPAIR