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SIDDHARTA - Rh-

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Siddharta-RH.jpg
Artist SIDDHARTA
Title Rh-
Homepage SIDDHARTA
Label MINISTRY OF SOUND
Veröffentlichung 01.02.2010
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Na, schon mal Gedanken darüber gemacht, wie man eine mehrköpfige Band dazu bringt, auf einem Pressefoto kollektiv dämlich zu gucken? Die Formationen aus dem Bereich Alternative, Gothic oder Metal grinsen dabei natürlich nicht – Gott bewahre! Dafür präsentieren sie fast immer einen äußerst verbissenen Gesichtsausdruck, dass man glatt denken könnte, die Musiker leiden allesamt an einer fürchterlichen Verstopfung. Oder sagt etwa der Fotograf so was wie: „Und jetzt alle mal ganz böse gucken, sonst ist das Mittagsessen gestrichen!“, oder gar: „Und jetzt alle denken: STIRB!“? Fragen über Fragen, die mich immer dann quälen, wenn ich einen Infozettel von Bands aus den o.g. Stilrichtungen in meinen Händen halte. Und was das Ganze mit einer CD Kritik zu tun haben soll? Gar nichts – deswegen zu Sache:

Neben der nach allen Regeln der Promofotografie-Kunst gefertigten Aufnahme von sechs jungen Männern (einheitlich bekleidet in einer Art Lack-Talar) standen auf dem Waschzettel zur „Rh-“-CD auch lauter interessante Dinge. Z. B. dass SIDDHARTA aus Slowenien kommen. Prima. Da zwei meiner Lieblingsbands – LAIBACH und SILENCE – ebenfalls aus dem kleinen Land stammen, hatten die böse dreinblickenden Herrschaften meinerseits kurzerhand einen dicken Sympathiebonus erhalten, bevor ich die „Play“ Taste meines CD Spielers betätigte. Weiter im Pressetext: “… eine geniale Mischung aus Rock, Metal, Folk und mittelalterlichen Einflüssen…“ Na gut, auch wenn das gerade nicht zu 100% meinen musikalischen Vorlieben entspricht, so klingt es zumindest interessant, also rein damit! Na bitte, der etwas über eine Minute lange Opener „Rh-“ hört sich gar nicht schlecht an. Als dann „Japan“, das nächste Stück, anfängt, wird mir klar, dass hier ein Metal „light“/ Alternative Rock Zwischending angesagt ist. OK, festentschlossen den Slowenen eine Chance zu geben, horche ich brav weiter, dann setzt endlich die Stimme ein und… aaaarrrrghhhh! Das Hörvergnügen wird, gelinde gesagt, etwas vermindert. Der starke Ost Akzent, der bei LAIBACH als quasi Markenzeichen seit Jahrzehnten so gut funktioniert, verursacht an dieser Stelle bei mir leider leichte Kicherattacken. Es wäre echt gut zu wissen, wie sich das Album auf Slowenisch anhört, da es dort bereits seit 2003 in Landesprache zu kaufen gibt. Geht leider nicht, meine Kopie ist anscheinend für den westlichen Markt gedacht und enthält nur die englischen Versionen. Schade. Ungeachtet dessen begebe ich mich aber weiter auf die Rh- Entdeckungstour. Nanu, das nächste Ding kommt mir irgendwie bekannt vor… „My Dice“ ist allerdings keine Coverversion, sondern rotierte vor einiger Zeit abends tatsächlich auf MTV, oder war es vielleicht VIVA? Kein Wunder, da SIDDHARTA den Hörern sehr eingängige, hymnische Melodien anbieten, die zweifelsohne auch bei uns auf Anhieb viele neue Fans finden werden. Hymnisch mit eingeflochtenen Irish Folk-Elementen geht es weiter mit „Insane“. Die Arrangements werden opulenter und ich versuche mich auf das Gesungene zu konzentrieren. Das Englisch des Sängers Tomi M. klingt weiterhin mittelmäßig bis schlimm, interessanterweise je nach Lied variierend.

Meine Redaktionskollegin CS, die vor einiger Zeit die Vorab EP „Rave“ besprochen hat, bemerkte ja ebenso, dass die Sängerstimme streckenweise zu „artig“ rüberkommt, was man allerdings von den Texten nicht behaupten kann. Als ich bei „Kloner“ die Zeile mit den Worten „Blind“, „Love“ und „Erection“ höre, denke ich unfreiwillig an das Märchen, welches Großeltern einst ihren Kindern erzählt haben über die Erblindung als Folge die Selbstbefriedigung… Das nächste Stück namens „Rooskie“ klingt wiederum so, dass man sofort der festen Überzeugung ist: “Mensch, die Herrschaften MÜSSEN armenische Vorfahren haben, so wie es sich nach SYSTEM OF A DOWN anhört!“. Und was meinen sie bitte mit „We don’t need to fuck each other of“?! Sollen wir es eher anatomisch oder im übertragenen Sinne verstehen?! Fragen über Fragen. Derweilen horche ich „Rh-“ weiterhin mit vollem Interesse. Kurz nach Halb(Abspiel)zeit kristallisiert sich mein Fazit bereits heraus: Hardcore Metaller werden SIDDHARTA wohl nicht so gerne mögen, dafür wird sich aber um so mehr die „light“ und „quasi Alternative“ Fraktion, die auch Bands wie NIGHTWISH, WITHIN TEMPTATION und dergleichen verehren, für die Band begeistern. Es war auch nicht anders zu erwarten: 2003 haben die Slowenen ein Sportstadion in Ljubljana mit 30 000 Leuten gefüllt. Angesicht dessen, dass die Bevölkerung des Landes gerade mal 2 Millionen beträgt, war dort an jenem Tag jeder 70ste Bürger anwesend. Wahnsinn, oder? Das Album „Rh-“, welches hier zu Lande am 21. März 2005 erscheint, enthält ein paar potentielle Hits, wie z.B. „Kloner“, „Rooskie“ oder eine sehr 1Live taugliche Ballade namens „Marslander“. Überhaupt scheinen gefühlsvolle, opulent arrangierte Balladen die Stärke der Band zu sein. Sie werden auch vermutlich das schlagkräftigste Kaufargument des Albums sein. Schade eigentlich, dass der Silberling nur in einer „normalen“ Version und als „Special Edition mit Bonus DVD“ über die deutschen Ladentheken gehen wird. Die limitierte – und leider längst vergriffene – slowenische Ausgabe in Form eines Blutkonservenbeutels hätte ich mir gerne zugelegt, nicht unbedingt nur der Musik wegen.

Übrigens, nomen ist omen. Den Namen SIDDHARTA hat die Band angeblich dem gleichnamigen Roman von Herman Hesse entliehen. Das ist aber nur eine Hälfte der Geschichte. Vor gut 2500 Jahren lebte in Indien eine reiche Familie namens Gautama. Sie nannte ihren Sohn Siddharta, was im Sanskrit „einer, der das Ziel erreicht“ heißt. Bis heute kennen wir den Mann übrigens unter dem Namen Buddha. In Slowenien haben SIDDHARTA tatsächlich alles erreicht, ob das restliche Europa bereit für eine musikalisches Erleuchtung ist, wird sich zeigen, der erste Schritt in diese Richtung ist auf jedem Fall getan.

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Siddharta 'Rh-' Tracklist
1. RH- 01:17
2. Japan 04:20
3. My Dice 03:27
4. Insane 03:53
5. Crazy 04:47
6. Kloner 04:21
7. Rooskie 03:32
8. Rave 04:40
9. Rain 03:47
10. Core 04:44
11. T.h.o.r. 03:43
12. You Betray 04:43
13. Venom E 04:26
14. Marslander 03:27
15. Etna 04:24
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