Terrorverlag > Blog > SKINNY PUPPY > Mythmaker

Band Filter

SKINNY PUPPY - Mythmaker

VN:F [1.9.22_1171]
Skinny-Puppy-Mythmaker.jpg
Artist SKINNY PUPPY
Title Mythmaker
Homepage SKINNY PUPPY
Label SPV
Veröffentlichung 26.01.2007
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
5.9/10 (17 Bewertungen)

Wenn man einer Band drei Tätowierungen verdankt, ist es einem wohl nicht zu verübeln, dass man mit zittrigen Händen und feuchten Augen den Briefkasten öffnet, weil man weiß, dass die neue CD seiner Heroen in eben jenem liegt. “Mythmaker” von SKINNY PUPPY. Das letzte Mal im Jahre 2004, zur Veröffentlichung von “Tgrotw”, wich Freude zwar schnell blankem Entsetzen und tiefster Enttäuschung, diversen Onlineshops sei dank, war es aber bei “Mythmaker” möglich, sich schon mal einen ersten Überblick zu verschaffen und der berechtigte durchaus zur Vorfreude. Zum äußerlichen, für das Cover zeichnet der philippinische Künstler Manuel O’Campo verantwortlich, der hier eine abstrakt wirkende Streitsituation entworfen hat, die zweierlei Interpretationsmöglichkeiten bieten könnte. Ein subtiles, ironisches Understatement zur derzeitigen Weltlage, oder eine bildliche Parabel des kreativen Schaffensprozesses von “Mythmaker”. Waren doch schlussendlich hauptsächlich vier Personen daran beteiligt. Andere Musiker nur punktuell, im Vergleich zur “Tgrotw”, wo ein wahres Kuddelmuddel an beteiligten Personen herrschte. Da das Frontcover ebenso wie die Tracknamen ehr an cEvin´s Solowerke bzw. DOWNLOAD erinnern, taucht die Frage auf, ob er, im Gegensatz zur “Tgrotw”, auch hier musikalisch “die Hosen an hat”?

Gleich der Opener “magnifishit” lässt zu Anfang, bis auf untermalende, sehr ruhig gehaltene Klänge unterbrochen von kurzen “Paukenschlägen”, eins der tragenden Elemente von “Mythmaker” zu voller Blüte kommen: Ogres Stimme, zuerst mehr sprechend als singend eingesetzt. Durch sie geht der Song schließlich in einen opulent verschachtelten Fluss voll einzigartiger Tiefe über, eher elektronisch gehalten. Ruhige, reduzierte Zwischenparts sorgen für kurze Verschnaufpausen. Die Textzeile: “Master of it all, Oh yeah” zeugt einerseits von Selbstironie, andererseits von gehörigem Selbstvertrauen, ob dieser Idee, dies gleich beim ersten Track rauszulassen. “dal” beginnt so, wie man sich eine typische cEvin Key Komposition vorstellt: Schräge Breakbeats, verfremdete Samples leiten dieses Song ein, um dann als weitere tragende Elemente Drums und Percussion einzubauen, trotz aller Schärfe und der rockigen Ausrichtung kommt “dal” ehr unterschwellig brachial rüber, hier können wir das erste Mal hören, wie facettenreich sich Ogres Stimme auf diesem Album noch präsentieren wird. Auch “haZe” setzt die Spielerei mit Niveks Vocals fort, am Anfang hört sich das so an, als ob er einen ordentlichen Hieb Helium zu sich genommen habe, um dann zu einem anklagenden Herauspressen der Wörter überzugehen, soundtechnisch ist der Titel balladesk und ruhig gestaltet, ebenso wie bei “dal” wechseln sich melancholische und brachiale Parts ab. Auch hier siegt die unterschwellige Bedrohung, welche dieser sehr melancholische Song ausstrahlt. Sachte analoge Synthklänge leiten “pedafly” ein, auch die dann einsetzenden stampfenden Basslinien lassen noch nicht erahnen, in welche Richtung schlussendlich der Track mutieren wird – ein gitarrenversetztes Industrialbrett. Auch hier folgt nach einiger Zeit wieder das, was “Mythmaker” so unberechenbar macht, ein kaum zu erwartendes musikalisches Wechselspiel, kalt wirkende Drums und Synths, mit choraler Untermalung und einer um einige Oktaven höheren Stimme, die sich zum Schluss in wildem Gekreische entlädt, ein förmlich auseinander gerissenes Sample beendet “pedafly”

“jaHer” könnte förmlich als Zwillingsstück zu “haZe” durchgehen und setzt die Tradition fort, die SKINNY PUPPY auf “The Process” mit z.B. “Amnesia” eingeleitet haben, ist es doch wohl DIE Ballade, welche aus ihrer Feder stammt, dieser Song lebt und atmet durch die akustischen Gitarrenklänge, den wohl mit Abstand eindringlichsten Gesang, den Ogre je abgeliefert hat, und Klavierklängen, die einem Schauer über den Rücken jagen. Von einem der absoluten Höhepunkte von “Mythmaster” zum nächsten. “politikil”: Treibende, bedrohliche Basslines zeichnen dieses Brett aus. Eine schnelle, aggressive Stimme wird untermalt von rauen, schmutzigen Beats. Gesampelte Schreie sind zu vernehmen, ruhige Synthflächen lassen diesen Song ausklingen, der zu 100 % im Liveprogramm auftauchen wird und irgendwie der legitime Nachfolger von “Worlock” werden könnte. Zeit für Drum ’n’ Bass und eine typisch schleppende Synthfläche, die fast die gesamte Zeit unterschwellig das nun folgende “lestiduZ” prägt. Ogres Stimme wurde hier völlig durch den Wolf gedreht, immer mehr verliert der Titel in der Mitte an Tempo, scheint fast zum Stillstand zu kommen, um dann wieder kräftig aufzudrehen, es dröhnt und wummert nur so aus den Boxen. Locker hätte dieses Stück auch auf dem ebenfalls für dieses Jahr angekündigten neuen DOWNLOAD Album Platz finden können. Zu “pasturN” fällt mir ehrlich gesagt nichts ein, läuft ganz nett vor sich hin, ist aber der einzige Song, der bei mir nicht wirklich gewuppt hat. Lässig geht es dann, was Gesang und Soundflächen betrifft, mit “ambientz” weiter, die Synths laufen wie so oft unterschwellig, lassen bei jedem weiteren Durchlauf neues entdecken und Ogres ruhige Stimme entlädt sich auch hier nach Bedarf in wüsten Attacken, auch dieses Lied geht sehr in Richtung DOWNLOAD. Von bedrohlichen Maschinenklängen, die die Soundkollage für übelste Horrorfilme bilden könnten, wird “ugLi” eingeleitet, um dann in eine Breakbeatorgie überzugehen, die sich schlussendlich in einen OHGR-Song verwandelt, diese Stilmittel werden nach Lust und Laune getauscht, zusammengerissen, neu aufgebaut und untermalt von dem wohl prägendsten Satz “Mythmakers”: “Jesus wants to be ugly”. Man kann sich förmlich vorstellen, wie cEvin die Knöpfe seiner Instrumente zum qualmen brachte, immer mehr fallen die Klänge zum Schluss in sich zusammen.

“Mythmaker” ist ein völlig unberechenbares Album geworden, welches vor Ideenreichtum überquillt. Kein Song entwickelt sich so, wie es der Anfang vermuten lässt, Haken werden geschlagen, Stimmungen nach Bedarf aufgebaut und wieder eingerissen. Selbst nach fast 2 Wochen Dauerrotation schält sich immer wieder neues heraus und immer mehr wird einem die Tiefe dieser Produktion bewusst. Hauptursache dürfte sein, dass hier eine geniale Balance zwischen cEvins und Niveks Solowerken gefunden wurde und sich so das Album in seiner Gesamtheit als Meilenstein voll bizarrer, verstörender Schönheit präsentiert. Einziges “Manko”: Die große Aufmerksamkeit, die dieses Ausnahmewerk verdient hätte, wird ihm wohl nicht zuteil. Wenn NINE INCH NAILS dieses Album herausgebracht hätten, wäre es als Jahrtausendwerk gefeiert worden. So freuen sich halt nur die Fans, dass SKINNY PUPPY rund 20 Jahre nach “VivisectVI” wieder ein göttliches Album produziert haben. Der typische Industrialrockfan wird einiges verpassen, weil kein Majorlabel hinter “Mythmaker” steht und die große Marketingtrommel rührt.

Da man sich als Fan schon Gedanken macht, was live umgesetzt wird: Meine Favoriten wären “magnishit”, “pedafly”, “jaher”, “politikal” und was würde sich besser anbieten, wie wenn als Opener ein alter Song à la “Fritter” oder “Jahya” die Einleitung für “ugLi” darstellen würde und Ogre käme dann als blutbesudelter Jesus, festgenagelt an ein umgedrehtes Kreuz auf die Bühne getaumelt. Auch “Death” oder “Morter” würden diesbezüglich sicherlich gut ins Konzept passen. Lassen wir uns überraschen…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Skinny Puppy 'Mythmaker' Tracklist
1. Magnifishit Button MP3 bestellen
2. Dal Button MP3 bestellen
3. haZe Button MP3 bestellen
4. pedafly Button MP3 bestellen
5. jaHer Button MP3 bestellen
6. politikiL Button MP3 bestellen
7. lestiduZ
8. pasturN Button MP3 bestellen
9. ambiantz Button MP3 bestellen
10. ugLi Button MP3 bestellen
Skinny Puppy 'Mythmaker' online bestellen
Verkäufer Porto Preis
Amazon.de NEU (ab EUR 20,00 Porto frei) Amazon.de NEU (ab EUR 20,00 Porto frei) € 3 € 14,38 Online bestellen
Amazon.de Marktplatz (Gebraucht) Amazon.de Marktplatz (Gebraucht) € 3 € 1,99 Online bestellen
Amazon MP3 Downloads Amazon MP3 Downloads - € 9,99 Online bestellen
SKINNY PUPPY - Weitere Rezensionen

Mehr zu SKINNY PUPPY