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SPELLBREAKER - Manifest Destiny

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Spellbreaker-Manifest-Destiny.jpg
Artist SPELLBREAKER
Title Manifest Destiny
Homepage SPELLBREAKER
Label DB AGENCY
Leserbewertung
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7.7/10 (16 Bewertungen)

“Manifest Destiny”: die Ausrede und Rechtfertigung der US-Amerikaner am Völkermord an den Indianern aufgrund der angeblich „offensichtlichen/ unabwendbaren Bestimmung” der USA, sich auszubreiten und den gesamten Kontinent in Besitz zu nehmen – auch mit Gewalt. Eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden – finden auch SPELLBREAKER. Die Bielefelder Thrash-/ Deathmetal-Kapelle, deren eigene Geschichte nunmehr genau fünf Jahre umfasst, widmet diesem Thema zu ihrem Band-Jubiläum nach dem 2007er Werk “More” und “Rising From The Dark” aus dem Jahre 2008 jetzt seinen dritten Output, der eben jenen Titel trägt: “Manifest Destiny”. Ein Silberling, der in vielerlei Hinsicht deutlich mehr ist, als eine simple Thrashmetal-Scheibe.

Das Branden der Wellen kündigt den Opener “The New World” ähnlich an, wie auch schon die Ankunft der Wikinger in Amerika (noch weit früher als Herr Kolumbus). Ein Ereignis, welches dieser Opener auch direkt thematisiert. Doch anders als man es von SPELLBREAKER vielleicht gewohnt ist, feuern diese nicht gleich aus allen Rohren ihrer Kriegs-Galeere, sondern geben sich ganz im Gegenteil sehr gefühlvoll, was auch hervorragend zur gegebenen Thematik passt, um so die Unsicherheit gegenüber dem Neuen, Unbekannten widerzuspiegeln. Weder neu noch unbekannt ist Sänger und Bassist Lance dagegen der Klargesang, so hat er ja auch auf dem Vorgänger-Silberling “Rising From The Dark” cleane Parts beigesteuert, worin er sich allerdings in der Zwischenzeit äußerst positiv weiterentwickeln konnte. Das Eröffnungsstück entpuppt sich so als leicht progressive Metalkomposition und bildet einen starken, weil sehr passenden Einstieg. Mit “Wilderness Of War” gibt sich das ostwestfälische Trio dann allerdings schon wieder gewohnt thrashig. Gitarrist Tobias prescht mit markantem Riff-Wildpferd in den Kampf, während Börgy seine Tomahawks zielsicher auf seinem Schlagzeug einschlagen lässt. Die Schlachtrufe erhallen dabei von Lance herrlich kräftig und tief, wandeln sich im Refrain dann wieder zu ohrwurmfähigen Gesang. Wer “Der letzte Mohikaner” gesehen hat, weiß auch ungefähr, was inhaltlich auf ihn zukommt. Die Zerrissenheit der Indianer zu dieser Zeit (um 1757) wird in dem Klangwerk dabei trotz der Härte auch akustisch liebevoll dargaboten. Überhaupt ist das ganze Konzept wirklich sehr einfühlsam umgesetzt. Bestes Beispiel dafür die folgende Nummer “The Long Walk (A Shaman’s Prayer)”. Die sehr emotional vertonte Ballade steht der Thrash-/ Death-Kombo erstaunlich gut. Neben der filigranen Saitenarbeit von Tobi an der Gitarre, sowohl generell als auch bei den Gänsehaut-Soli, sticht hier natürlich der Stimmeinsatz des eigentlichen Tieftöners Lance heraus. Sein klarer Gesang wird dabei noch vom reibigen Stimmeinsatz des EDDIE’S REVENGE-Sängers Markus Brand glänzend untermalt, mit dem Lance auch gemeinsam bei KINGS OF WINTER musiziert. Definitiv ein Kunstwerk, in dem es um die militärisch unterstützte Deportation der Cherokee im Jahr 1838 geht, also zur Zeit des aufkommenden Goldrausches. Thrashmetal-Liebhaber und SPELLBREAKER-Fans der ersten Stunde brauchen allerdings nicht befürchten, der flotte Dreier würde ebenfalls in einen solchen Goldrausch verfallen und sich darum jetzt mit Mitteln wie Balladen kommerzialisieren – weit gefehlt: mit dem anschließenden “Warsong Of The Badlands” gräbt man nämlich wieder das Metal-Beil aus! Kerbige Basslines, fixe Drums und schneidige Riffs ebnen die Steppe für Lance röhrigen und knurrigen Guttural-Stimmeinsatz. Hier werden die Köpfe derart in Rotation versetzt, dass Skalpieren definitiv unmöglich ist. Verdammt tighte Nummer, bei dem sich einem die Zeile “I’ll die on my feet before I live on my knees” wie ein Pfeil in den Kopf bohrt und zusammen mit dem phasenweise eingestreuten melancholischen Gesang gekonnt die Brutalität und Verzweiflung der zahlreichen Schlachten um 1876 ausdrückt. Und über all dem schwebt Tobis Gitarrensolo hinweg wie ein Adler, der sich fragt, wie es nur soweit kommen konnte. Den Abschluss der ersten Hälfte des Konzepts bildet dann das angespannte “March Of The Ironhorse”, bevor es mit “Destiny’s Manifest – Scandinavia” weitergeht, einer Geschichte, aufgeteilt in drei Akte: “Act I: The Summoning”, “Act II: The Trial” sowie “Act III – The Sentence”. Inhaltlich geht es (ohne zuviel verraten zu wollen) um einen skandinavischen König, der all seine Feinde besiegt hat und nun von einem Zauberer verlangt, dass er ihm mittels dessen Zauberkraft seinen Nachkommen herbeischaffen soll – und zwar aus der 1000jährigen Zukunft. Dabei erzählen SPELLBREAKER diese Story auf musikalischem Weg und schöpfen dabei grandios ihr spielerisches Können aus. Mittels Wechselgesang vermittelt Lance beispielsweise die geführten Dialoge, während Tobi und Börgy an der Instrumentenfront die jeweilige Atmosphäre und Stimmung vertonen. Die Fusion zwischen der Erzählstruktur und (thrash)metaligem Songwritung funktioniert dabei einfach nur bewundernswert; ohne den Faden zu verlieren wird da geknüppelt, gegroovt (wobei besonders “Act III – The Sentence” auftrumpft) und gerifft, wie auch mal inne Gehalten. Gleichzeitig verknüpft man auch diese Geschichte mit dem Hauptthema von “Manifest Destiny”. Wie man das macht? Das müsst ihr euch schon selbst anhören!

Mit “Manifest Destiny” ist SPELLBREAKER ein schlichtweg geniales und spannendes Album gelungen! Die fast 43 Minuten Gesamtspielzeit, auf acht (von ex-AXXIS-Gitarrist Guido Wehmeyer gut produzierte und gemasterte) Songs verteilt, bieten einfach alles, was ein fesselndes Album ausmacht: ein historisch wichtiges Thema, behandelt mit wirklich tollen und klugen Lyrics, im musikalisch einwandfrei passendem und unglaublich facettenreichem Gewand. Gleichzeitig zeigen SPELLBREAKER aber auch, dass sie als Band gewachsen sind und sich enorm weiterentwickelt haben. Man kombiniert längst nicht mehr “nur” Thrash- und Deathmetal-Elemente, sondern erweitert seit Spektrum auch etwas in Richtung Moderne, ohne die “alten Tugenden” dabei zu vernachlässigen. So ist man enorm vielschichtig geworden, eine Eigenschaft, die ein solches Album bestens aufzeigt und auch ausschöpfen kann. Mit dieser Scheibe ist den Bielefeldern etwas richtig Großes gelungen!

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