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STEVEN WILSON - Grace For Drowning (2-CD)

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Artist STEVEN WILSON
Title Grace For Drowning (2-CD)
Homepage STEVEN WILSON
Label KSCOPE
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.8/10 (5 Bewertungen)

Der vielleicht kreativste Kopf der britischen Prog-Szene, STEVEN WILSON, präsentiert heuer sein zweites Soloalbum, was gleich mal als Doppel-CD daherkommt und – ganz Wilson-typisch unfröhlich – mit „Grace For Drowning“ betitelt ist. Entstanden ist das Werk über einen Zeitraum von 1,5 Jahren in Zusammenarbeit mit diversen Musikern, unter anderem auch einigen aus dem Jazz-Bereich. Das Ergebnis ist ein Stück erwachsener Rockmusik, das einen Facettenreichtum offenbart, unter dem andere Musiker schier zusammenbrechen würden. Nicht so jedoch Mr. Wilson. Wo dieser Mann allerdings zwischen seiner Arbeit als OPETH-Produzent, PORCUPINE TREE-Mastermind und Remix-Beauftragter für die alten KING CRIMSON-Alben noch den Elan und die Kreativität für ein derartiges Projekt her nimmt, ist mir schleierhaft.

Der Grundtenor von „Grace For Drowning“ ist, verglichen mit PORCUPINE TREE, eher ruhig, dabei allerdings nicht unbedingt balladesk im ursprünglichen Sinne, sondern viel mehr getragen von einer bedrohlich wabernden, ambienten Stille, die auf seltsame Weise gar nicht so still ist, wie es im ersten Moment den Anschein hat. Nur spielt sich vieles, was zu der ungeheuren atmosphärischen Dichte des Albums beiträgt, auf einer subtilen Ebene ab. Gerade die erste der beiden CDs (Untertitel: „Deform To Form A Star“) lebt von ihren jazzigen Spielereien und ihren dezenten instrumentalen Feinheiten im Hintergrund, die den Hörer förmlich elegant umschmeicheln, bevor sie gelegentlich in eruptiven Ausuferungen geradezu überbordend werden. Ja, es gibt sie, die „härteren“ Passagen, nur äußern sie sich eben nicht in Riffgewittern, sondern in jazzigen Elegien mit schrägen Saxophonen und allerlei ähnlich ungewöhnlich anmutenden Instrumenten. Die zweite CD („Like Dust I Have Cleared From My Eye“) ist soundtechnisch „zeitgemäßer“, der Jazz-Anteil ist weniger raumgreifend und macht Platz für elektronisches Pluckern und eine tief unter die Haut gehende Düsternis, die eine epische Breite erreicht, wie man sie ansonsten mitunter aus der Filmmusik kennt. ENNIO MORRICONE, anyone? Und da spürt man sie dann doch, die Nähe zu PORCUPINE TREE, zeitweise jedenfalls, wenn man in der Mischung aus Psychedelia, progressiver Verspieltheit und unterschwelliger Aggressivität die Handschrift des Meisters deutlich zu erkennen vermag.

Fazit: ein höchst intensives Werk, für das man sich Zeit nehmen muss, damit es seine volle Wirkung entfalten kann, sich dann aber als „ein echter Wilson“ erweist: durchdacht komponiert, homogen arrangiert, bunt und voller Grauschattierungen zugleich. Meisterhaft.

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