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SÜTTERLIN NACHF. - Elektrofüsse

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Suetterlin-Nachf-Elektrofuesse.jpg
Artist SÜTTERLIN NACHF.
Title Elektrofüsse
Homepage SÜTTERLIN NACHF.
Label PLASTIC FROG RECORDS
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Nachdem die Bielefelder SÜTTERLIN 2004 beim Kernkrach Festival in Warendorf ihr großes Comeback feiern konnten, kehren sie nun auch veröffentlichungstechnisch in den Fokus zurück. Der Begriff „SÜTTERLIN“ steht eigentlich als Kurzform für eine kunstvolle Schriftart, welche Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Inwieweit man sich in den 80ern von diesem Motiv hat leiten lassen, kann hier nur vermutet werden, jedenfalls war man damals schon mit einigen Tape-Stücken im NDW Underground aktiv. Darum auch das Kürzel „NACHF.“ im Namen für die „Second Generation“. Die beiden Gralshüter elektronischen Minimalismus’ sind Heinz Stelte (Co Chef des Kernkrach Labels) und HILTRUD HECKE, welche kürzlich erst mit ihrem emanzipatorischem Werk „Herdplatte“ auf sich aufmerksam machen konnte. Beide sind natürlich auch auf dem Cover abgebildet: Die erste rot-grüne Koalition, die funktioniert… Lediglich die titelgebenden „Elektrofüsse“ wird man vergeblich suchen, da hinter Asphalt verborgen, was der Künstler uns damit wohl sagen möchte?

Derlei Fragen werden aber auch beim Genuss des Tondokuments immer wieder aufkommen, denn die Texte spielen mit Metaphern, sind oft hintersinnig, fast in der Tradition von Karl Valentin. Was hier und da zusammenhangslos und absurd wirkt, kann nach genauerer Beschäftigung durchaus als Gesellschaftskritik verstanden werden. Die dazugehörige Musik klingt keinesfalls so retro, wie man es vielleicht vermuten würde. Der Opener „Schöne Lieder“ kommt als dubbig lässiges Intro daher, der nun folgende Titelsong fußt auf einem putzigen, kinderliedartigen Beat. Dazu intoniert das Elektropärchen gemeinsam den einprägsamen Refrain. Im weiteren Verlauf werden vielerlei Einflüsse der Populärkultur ausgegraben. Die SÜTTERLINsche LAIBACH-Variante „Achtung“ (man siehe auch den Orden an des roten Herren Brust), Calypso-Einflüsse bei „-chen“ (?!), französisches Flair umweht das Beziehungsdrama „Nur“, gesampelte TRIO-Parts geben „Leichtes Herz“ den letzten Schliff und der Song „Discofox“ erklärt sich selbst. Das größte Single Potenzial (in Anführungszeichen) besitzt der schon vom Kernkrach Festival 2005 bekannte Track „Ein Traum“.

Der ein oder andere Moment fällt vielleicht etwas beliebig aus, doch solche Betrachtungen sind im Grunde obsolet bei so viel spaßiger Spielfreude, die trotz oder gerade wegen der bewussten Vereinfachung erstaunliche Komponierkunst offenbart. Auch produktionstechnisch durch die hilfreichen Hände von Matthias Schuster (DAS INSTITUT) auf dem neuesten Stand. Da freut man sich doch auf die nächste Live Performance mit Pedro dem dauerbetrunkenen Mexikaner und der Frau von der Käsetheke…

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