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THE KNIFE - Silent Shout

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Artist THE KNIFE
Title Silent Shout
Homepage THE KNIFE
Label RABID RECORDS
Veröffentlichung 17.03.2006
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

Hinter THE KNIFE verbergen sich die Stockholmer Olof und Karin Dreijer Andersson, die seit 1999 regelmäßig auf ihrem eigenen Label Rabid Records ihre Produktionen veröffentlichen. Nun liegt mit „Silent Shout“ bereits das vierte Album dieser Formation vor.

Sehr poppig startet der Titelsong mit Keyboardläufen und düster eingestreuten, verfremdeten Vocals durch. Eine sehr interessante Elektro-Mischung ist „Neverland“ geworden, mit seiner weiblichen Stimme, sowie den fernöstlichen und mittelalterlichen Klängen. Diese orientalische Note wird bei „The Captain“ noch weiter verstärkt. Erinnert an eine Mischung aus den 80er-Stars LEE MARROW („Shanghai“) und ANEKA („Japanese Boy“). Experimenteller und dabei dennoch Dancefloor-orientierter klingt „We share our Mothers’ health“. Nachdem es mit “Na na na” wieder ruhiger und “chilliger“ wurde, geht „Marble House“ in eine Richtung, die ganz leicht an A-HA erinnert. Auch die weiteren Titel schlagen einen Weg ein, der sich vielleicht am Besten mit Elektro-Clash bezeichnen lässt.

THE KNIFE haben hier ein Album produziert, dass einen eigenen, nicht leicht zu beschreibenden Weg einschlägt. Vergleiche mit den bereits o.g. Bands charakterisieren das Werk jedoch nur teilweise. Vielmehr handelt es sich um eine Elektromixtur, die keinem aktuellen Trend unterworfen ist – vielleicht kann man von einer eigenen kleinen Welt sprechen. Interessant für Minimal, Retro- und 80er Freunde. Anspieltipp: „Neverland“
Darkun

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„With our music, we go into characters to tell our stories,” erklärte Karin Dreijer Andersson, Sängerin der Indietronicband THE KNIFE, Anfang 2006. Das war kurz nach der Veröffentlichung des dritten Albums „Silent Shout“, an dem sie gemeinsam mit ihrem Bruder Olaf Dreijer eineinhalb Jahre gearbeitet hatte. Vor 10 Jahren gründeten die aus Schweden stammenden Geschwister die Band und trotzdem weiß man nicht viel über sie. Interviews und Konzerte gibt das Duo kaum. Und wenn, dann nur maskiert (oder gar komplett verkleidet) und mit am Computer veränderten Stimmen. Geheimnisvoll, introvertiert und schüchtern kommen sie daher. Es ist, als würden sie sich durch ihre Musik Gehör verschaffen können. Als könnten sie nur auf diese Weise mannigfaltig existierenden Charaktere Leben einhauchen und sie performen lassen. Und im Gegensatz zu den Vorgängern „Deep Cuts” und „The Knife” merkt man es dieser Platte an – und kauft es den beiden auch ab – denn sie ist „something new”, dunkler, kontroverser, gesellschaftskritischer, aber eben defensiv. Es wird angeklagt, angeprangert, aber leise. Man muss sich herantasten an diesen “stummen Aufschrei”, sich richtig damit auseinandersetzen und auf sich wirken lassen, bevor man Zusammenhänge verstehen, deuten kann. So wirken die 11 Songs vielleicht vorerst heiter elektronisch, beim genaueren Hinhören allerdings düster, traurig, schon schwarz. Umso verzerrter die Stimmen, umso weiter entfernt wirkt die Sängerin, als würde sie in Parallelwelten, in Träume, abdriften, gar verstört und persönlich verletzt ihre eigenen Geschichten erzählen.

So beginnt es mit dem ersten Song „Silent Shout“. Emotional, die Stimme eher im Hintergrund gehalten, bereitet er auf das Kommende vor, trägt einen hinein in die Traumwelt dieser Platte. „It’s kind of a sexy way to start the album,” sagen THE KNIFE über diesen Track und haben zurecht gerade diesen Titel als Intro gewählt. Mit „Neverland” geht es kraftvoller weiter, was nicht nur durch den Beat, sondern auch durch die Lyrics zum Ausdruck kommt. Sätze wie „I’m singing for money that burns in my hand” machen ihn ausdrucksstark, sehr kritisch und verdammt echt. „The Captain” ist sehr viel ruhiger und eher düster – als würde man nun in der anfangs betretenen Traumwelt umherirren, sich nicht zurechtfinden, aber mit dem Willen und der Neugier etwas fremdes und neues zu entdecken voranschreiten. Total passend auch der quietschig, klagend vorgetragene Text. „We Share Our Mother’s Health” ist dagegen sprunghafter und belebter, besticht mit einer scharfen und unverkennbar verzerrten Stimme und abgerundeten Beats. Kaum zu glauben ist gerade bei dieser Nummer, dass es nur Karin ist, die hier singt. Mit einem sogenannten Voicepitcher experimentieren die beiden gekonnt mit den Vocals, lassen sie höher, schriller, industrieller oder auch männlicher klingen. Beim nächsten Track „Na Na Na” zum Beispiel schlägt sie lieblich kindliche Töne an, was allerdings im Kontrast zum Inhalt des Songs steht: „What I need is chemical castration, hope and godspeed” und „I’ve got shoes that run faster than a rapist rapes“! Der nächste Track “Marble House” (featering Jay-Jay Johansson) fängt verspielt mit Kastaniettenrythmus an und geht dann über in einen etwas trägen und seriös klingenden Technosound. „Like A Pen” hingegen wirkt vorerst minimalistisch und zum Mittippen (oder -wippen) anregend, geheimnisvoll mit schwingenden Tönen und zuletzt dem Höhepunkt entgegenfiebernd spannend. Es ist jedes Mal ein Abenteuer. Auch für Abwechslung gesorgt wird durch das darauf folgende Lied “From Off to On”. Eine flüsternde Stimme bittet flehend “When we come home we want it quiet and calm” und die Stimmung wird ruhig und sanft gehalten. Bei “Forest Families” hingegen wird das volle Kontrastprogramm geboten. Emotional und persönlich betroffen wird das eingefahrene konservative Alltagsleben ohne Toleranz angeprangert. Der Sound allerdings bleibt monoton, ein wenig hektisch oder wohl eher vorantreibend und Spannungssteigernd. Lied Nummer 11, “One Hit”, wohl das politischste, kommt sprunghaft und kräftig daher. Es wird die Rolle einer Frau besungen: “If you enter you’ll stay, sons and daughters you will breed” und “Yeah, being a man is a bliss.” Als letzter Song “Still Light”. Ruhig, wieder mit mehreren Stimmlagen (als Dialog) und schummrigem Sound, als würde eine verzweifelte und hoffnungslose Person über ihr Leid klagen und gleichgültig in die Zukunft blicken.

Abschließend also noch einmal politisch. Und genau so soll die Platte auch verstanden werden. Ein kritisches Statement unserer heutigen Gesellschaft gegenüber. Und es ist ihnen gelungen! Umso trauriger, dass sich beide jetzt auf Solopfade begeben und THE KNIFE bis auf weiteres ad acta gelegt wurde. Ich kann nur sagen, CD kaufen (mittlerweile gibt es auch eine Special Edition!), mitfühlen, mitträumen, abdriften in Parallelwelten und auf mehr hoffen von den beiden genialen Schweden!
Rabea

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1. Silent Shout Button MP3 bestellen
2. Neverland Button MP3 bestellen
3. The Captain Button MP3 bestellen
4. We Share Our Mother's Health Button MP3 bestellen
5. Na Na Na Button MP3 bestellen
6. Marble House Button MP3 bestellen
7. Like A Pen Button MP3 bestellen
8. From Off To On Button MP3 bestellen
9. Forest Families Button MP3 bestellen
10. One Hit Button MP3 bestellen
11. Still Light Button MP3 bestellen
12. Silent Shout (Video)
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