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THE LUST - My Dear Emptiness

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Artist THE LUST
Title My Dear Emptiness
Homepage THE LUST
Label SLEASZY RIDER
Veröffentlichung ..
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Wer einmal in Polen, Tschechien oder Jugoslawien zu Gast war, wird wissen, welch gewichtigen Stellenwert Rock und Metal dort einnehmen. Ob diese Staaten nun Ost- oder Mitteleuropa zuzuordnen sind, ist dabei vollkommen gleichgültig – auf der musikalischen Landkarte ist dies das neue Kerngebiet der harten Töne.

THE LUST mögen hier als Musterbeispiel herhalten. Die Band kommt aus Russland, einem Koloss mit 150 Millionen Einwohnern, der zudem dank einer hohen Arbeitslosen- sowie Alkoholikerrate die besten Vorraussetzungen für einen prächtigen Metalfaktor mitbringt. Blühende Proberaumlandschaften müssen das sein, endlose Tundren voller brillanter Musiker und Alben. Während sich die Bekanntheit der meisten Formationen auf ihre lokale Szene beschränkt (die durchaus größer als Deutschland sein kann), haben THE LUST schon recht früh den Sprung in die EU geschafft: Nach einem ersten Langspieler auf dem russischen Label, Produktionsbetrieb und Mailorder Fono ist jetzt das griechische Sleaszy Rider auf das Quintett aufmerksam geworden. Man muss ihnen dankbar sein, denn auch wenn „My Dear Emptiness“ keine Sensation darstellt, handelt es sich dabei um ein frisches, unbedarftes Werk einer für die Zukunft vielversprechenden Truppe. Während sich der europäische Metal schon seit einiger Zeit auf eine Uniformität auf höchstem technischen Niveau eingependelt hat, wird der Freund eigensinniger Stilistik hier fündig: Klare, kraftvolle Gitarren, einfache, eingängige Rhythmik sowie an strategischen Stellen eingesetzte Synthesizer legen das Fundament für starke Songs, über denen der süße, einschmeichelnde Gesang von Frontmädchen Mirla schwebt – welche sich dank ihrer gerade mal sechzehn Lenze sofort für einen Lolita-Award qualifiziert. Auch wenn „Revenge“, der Titelsong, oder auch die schmerzhaft-schöne Halbballade „Half-Remembered“ jeder gestandenen Gruppe zu Ehren gereichen würden, wird man wenige eindeutige Hits auf der Scheibe finden. Stattdessen hat man sich für eine eher nachhaltige Strategie entschieden: Das von den inzwischen omnipräsenten, gigantischen Produktionen konditionierte Ohr mag durchaus kleine Startschwierigkeiten haben, auf Anhieb die Klasse des Materials zu erkennen. Doch sind die Würfel einmal gefallen, wird man nicht müde, den Repeat-Button zu drücken.

Experimente mit verträumtem Trip-Hop und andersherum auch bulligen Brecheisen-Riffs zeigen die Möglichkeiten der Band auf, die auf „My Dear Emtiness“ sicherlich noch lang nicht alles gegeben und gezeigt haben. Und was ihre Vorreiterrolle in Sachen Russlands Musikexport angeht, darf man ebenfalls gewiss sein: Dies ist erst der Anfang.

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